Christa Wolf
© Susanne Schleyer

Ich hoffe, Du bist wieder im Schreiben. Es ist das einzige, was einen retten kann, hör nicht auf.

Christa Wolf

 

Zum Tod von Christa Wolf

Der Suhrkamp Verlag trauert um Christa Wolf.
Die Autorin ist am 01. Dezember im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben. Ihr Werk wurde mit einer Vielzahl an Preisen ausgezeichnet und in 40 Sprachen übersetzt.

 

 

     Müßte ich jetzt nicht eine große Schleife fliegen? sagte ich.
Zurück auf Anfang?
     Mach doch, sagte sie ungerührt.
     Und Jahre Arbeit? Einfach wegwerfen?
     Warum nicht?
     Das Alter, Angelina, das Alter verbietet es.
     Angelina hatte zum Alter kein Verhältnis. Sie hatte alle Zeit der Welt. Sie wollte ihren Leichtsinn auf mich übertragen. Sie wollte, daß ich diesen Flug genoß. Sie wollte, daß ich hinunter- sah und, abschiednehmend, mir für immer einprägte die groß- zügige Linie der Bucht, den weißen Schaumrand, den das Meer ans Ufer spülte, den Sandstreifen vor der Küstenstraße, die Pal- menreihen und die dunklere Bergkette im Hintergrund.
     Und die Farben. Ach, Angelina, die Farben! Und dieser
Himmel.
     Sie schien zufrieden, flog schweigend, hielt mich an ihrer
Seite.
     Wohin sind wir unterwegs?
     Das weiß ich nicht.

Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

Kondolenzen

Bundespräsident Christian Wulff:
»Unser Land trauert um Christa Wolf. Ihre Literatur hat die Menschen in unserem Land bewegt und begeistert und zum Nachdenken gebracht. In ihrer Literatur fanden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen. Für sehr viele Leserinnen und Leser war Christa Wolf mehr als eine Schriftstellerin. Sie hat auf fast altmodische und doch immer aktuelle Weise an das Gute geglaubt und an die Verbesserungsfähigkeit des Menschen.«

PEN-Präsident Johano Strasser:
»Ich glaube, es wird eine solche Stimme wie die von Christa Wolf nicht mehr geben. Eine Frau, die gesamtdeutsch und darüber hinaus in Kategorien der Weltliteratur dachte, aber so eindeutig geprägt war durch die Gesellschaft der DDR, und die immer aus ihrer Herkunft, aus all ihrer lokalen Vernetzung heraus, die großen Themen angesprochen hat.«

Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck:
»Mit Christa Wolf ist eine der wirkungsmächtigsten deutschen Schriftstellerinnen gestorben. Kaum eine andere Autorin der letzten Jahrzehnte konnte für sich in Anspruch nehmen, als moralische Instanz der DDR-Leserschaft und zugleich als Identifikationsfigur einer großen Zahl westdeutscher Leserinnen und Leser zu gelten.«

Verlegerin der Verlage Suhrkamp und Insel, Ulla Unseld-Berkéwicz:
»Um die ›Suche nach dem wirklichen Blau‹, darum nur ist es Dir gegangen hier. Und hast Du so ein Stückchen gefunden, so hast Dus uns gesagt, Du hast es aufgeschrieben. Wir können es weiterlesen. Aber wer denn gibt uns fortan die Gewißheit, eine sucht und sagt uns, wenn sie findet, und wenn sie nicht findet, dann sagt sies uns auch?«
 

Kondolenzen internationaler Verlage »

Ihre Kondolenz

(221) 1, 2, 3, ... 21, 22, 23 
Sehr viel habe ich von Dir gelernt, Aufrichtigkeit, Treue, Liebe.
Danke Christa
Ildikó Székedi, Oradea, Rumänien, 06.01.2012
Ich wünschte sehr, dass an den Schulen noch mehr Ihre Literatur gelesen und diskutiert wird.
Vielen Dank für Ihre Arbeiten.
Petra Bräutigam, 27.12.2011
Leibhaftig sind wir uns nur 2 Mal begegnet. Für mich waren diese Begegnungen Welten, die mich veränderten. Die erste vor allem, 2004. Und die vielen kleinen schwarz-weißen im Anschluss, die mich wachsen und leben ließen. Und die die Erkenntnis hinterließen: ich habe mich geirrt! Ich habe mich ja geirrt! Es tut mir Leid.

Die zweite Begegnung verließ ich glücklich, - mit der Bestätigung in der Seele: Es ist alles ganz anders; Ich bin inzwischen so anders. Und einem See voller Menschlichkeit.

Haben Sie Dank, Christa Wolf!
Leben Sie wohl!

Tot ist nur, wer vergessen ist. Christa Wolf lebt!
Romy Delan, 20.12.2011
Sehr geehrte Frau Christa Wolf,
ich unterrichte Deutsche Literatur an der Staatlichen Universität in Asuncion/Paraguay, seit 22 Jahren, und wollte Ihnen mitteilen, dass wir Sie jedes Jahr gelesen und diskutiert haben; ob ¨Nachdenken über Christa T¨, ¨Kassandra¨, ¨Der geteilte Himmel¨, ¨Kein Ort. Nirgends¨ oder -immer wieder- ¨Selbstversuch¨.
Die Mehrheit meiner Studenten sind Frauen -sie wollen Dozentinnen oder Übersetzerinnen werden-, wie auch die meisten rührenden Kondolenzen -nicht alle- von Frauen stammen.
Ich glaube, sie können stolz sein, auf Ihr Leben, auf Ihr Werk und auf Ihre Leser/innen; diese, lieben Sie, vermissen Sie und verehren Sie.
Denken Sie weiter nach, da wo Sie jetzt sind; wir werden es hier weiter machen.
Leben Sie wohl!
Anna Mercedes Hempel (Paraguay)
Anna Mercedes Hempel, 18.12.2011
Sie war meine Jeanne d'Arc. Und sie wird es bleiben. Und ihre Texte bleiben und kommen wieder. Sie vermochte zu lieben und wurde geliebt.
Birgitta David, 15.12.2011
fruchtkasten/ als riefen sie mir zu

im brunnen vor dem tore
da wollte ich nicht schweigen
allein in mein gewölk gehüllt
das glas kaum zu erreichen da
hustete ich lieder preßte blüten
auf des jenseits rohem speisetisch

im brunnen vor dem tore
verschmachten stämmige beine
lindenzweige aus den gelenken
gerissen da sing ich schädelunter
an den fliehenden klumpen erde
gekrallt: hier findst du keine ruh!
Barbara Maria Kloos, 15.12.2011
Christa Wolf ist für uns persönlich so wichtig geworden, weil auch wir früh begriffen, dass der Himmel geteilt ist. Später hat sie uns gelehrt, dass wir nur des Vergangene von uns abtrennen.
Bleibt uns ein weiteres Nachdenken über Christa W.
Danke dafür.
Ulla und Frank Beer, 14.12.2011
Ich las "Die Stadt der Engel" als sie starb. Ich las also - ohne es zu wissen - in ihren Tod hinein, geliebte, verehrte, große Christa Wolf, deren Werk ich studierte und verschlang wie kaum ein anderes. Die Lektüre war ein ununterbrochenes Gespräch, von Jugend an bis heute. Mit wem kann ich jetzt noch so intensiv reden, auch über unseren durchgedrehten, den Menschen und seine Seele zersetzenden Kapitalismus.
Ich hatte so gehofft, daß sie noch bis zum Nobelpreis durchhält. Aller Wendehäme zum Trotz, haben sich viele ihrer Befürchtungen, auch was den rechten Terror angeht, bewahrheit. Daß frau eine poetische und politische Schriftstellerin sein kann, die sich rigoros mit Gewalt und Schmerz, mit dem Patriarchat aber auch der eigenen Zerrissenheit auseinandersetzt, habe ich von Christa Wolf gelernt. Ich weine um sie, ich weine.
Barbara Maria Kloos, 14.12.2011
Ich bin erst durch Christa Wolfs Tod und die Berichte darüber zu ihrer Leserin geworden. Schade,daß ich mir vorher nicht die Zeit dazu nahm.

Ich bin sicher eine kritische Leserin,sehe aber schon seit Jahrzehnten das Problem,daß sich nicht mal in sog. Demokratien die Menschen so verhalten,wie es oft von denen verlangt wird,die in schwierigen Situationen trotzalledem Wege suchen.

Diese Wege hat sie gefunden,beschritten,beschrieben und viele mitgehen lassen - auch im Sinne von Mahatma Gandhi:

"Sei Du selbst die Veränderung,die du dir für diese Welt wünschst"
Gertrud Schilling, 14.12.2011
Danke und auf Wiedersehen, liebe Christa Wolf. Ihre Bücher waren mir in allen Phasen meines Lebens wichtige Begleiter. Sie haben mir vor allem beim geistigen Überleben geholfen, und das nicht nur in der DDR.
Isolde Scharch, 14.12.2011
1, 2, 3, ... 21, 22, 23 
 
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