1988 – 2018: 30 Jahre Heldenplatz

31.10.2018

Heldenplatz
 

Im Jahr 1988 beauftragte Claus Peymann, damals Direktor des Wiener Burgtheaters, Thomas Bernhard damit, ein Stück zu verfassen. Anlass war im besagten Jahr nicht nur das 100. Jubiläum der »Burg«, sondern auch das »Bedenkjahr« zum »Anschluss« Österreichs – am 15. März 1938 hatte Adolf Hitler auf dem Wiener Heldenplatz unter dem Jubel Hunderttau¬sender verkündet, dass Österreich nun dem Deutschen Reich angehöre.
Thomas Bernhard schrieb auf Peymanns Bitte hin nach einigem Zögern das Stück Heldenplatz . Es spielt genau fünfzig Jahre nach Hitlers Rede und betrachtet im Rahmen einer kleinen, trauerfallbedingten Zusammenkunft die gesellschaftliche Situation Österreichs 1988, denn diese sei, so heißt es im Stück, »noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren«. Im Vorfeld der Uraufführung kam es, befeuert von zahlreichen Zeitungen und Politikern, zu einem Skandal um das Stück – es beschimpfe Österreich und überschreite die Grenzen des Zumutbaren, so die Vorwürfe. Die Uraufführung von Heldenplatz fand trotz aller Einwände schließlich am 4. November 1988 unter Polizeischutz statt. Es war der letzte öffentliche Auftritt Thomas Bernhards.
30 Jahre nach der Uraufführung von Heldenplatz ist die Popularität rechten Denkens nicht nur in Österreich wieder auf dem Vormarsch. (6 D, 4 H)

Uraufführung: 4. November 1988, Burgtheater Wien, Regie: Claus Peymann


Bernhards Stück ist brennend aktuell, wie die Rezeption im Ausland bereits zeigt:

Amsterdam, Athen, Barcelona, Belgrad, Budapest, Buenos Aires, Łódź, London, Montreal, New York, Porto Alegre, Prag, Riga, Vilnius, Zagreb

»Was die Schriftsteller schreiben
ist ja nichts gegen die Wirklichkeit
jaja sie schreiben ja daß alles fürchterlich ist
daß alles verdorben und verkommen ist
daß alles katastrophal ist
und daß alles ausweglos ist
aber alles das sie schreiben
ist nichts gegen die Wirklichkeit
die Wirklichkeit ist so schlimm
daß sie nicht beschrieben werden kann
noch kein Schriftsteller hat die Wirklichkeit so beschrieben
wie sie wirklich ist
das ist das Fürchterliche«


aus Heldenplatz

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