Der 80. Jahrestag des »Anschlusses« Österreichs und Thomas Bernhards Heldenplatz

12.03.2018

Im Jahr 1988 beauftragte Claus Peymann, damals Direktor des Wiener Burgtheaters, Thomas Bernhard damit, ein Stück zu verfassen. Anlass war im besagten Jahr indes nicht nur das 100. Jubiläum der »Burg«, sondern auch das »Bedenkjahr« zum »Anschluss« Österreichs – am 15. März 1938 hatte Adolf Hitler auf dem Wiener Heldenplatz unter dem Jubel Hunderttausender verkündet, dass Österreich nun dem Deutschen Reich angehöre.
Thomas Bernhard schrieb auf Peymanns Bitte hin nach einigem Zögern das Stück Heldenplatz. Es spielt genau fünfzig Jahre nach Hitlers Rede und betrachtet im Rahmen einer kleinen, trauerfallbedingten Zusammenkunft die gesellschaftliche Situation Österreichs 1988, denn diese sei, so heißt es im Stück, »noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren«. Im Vorfeld der Uraufführung kam es, befeuert von zahlreichen Zeitungen und Politikern, zu einem Skandal um das Stück – es beschimpfe Österreich und überschreite die Grenzen des Zumutbaren, so die Vorwürfe (siehe auch die Rekonstruktion des Heldenplatzskandals).

Die Uraufführung von Heldenplatz fand trotz aller Einwände schließlich am 4. November 1988 unter Polizeischutz statt. Es war der letzte öffentliche Auftritt Thomas Bernhards. Der Zeitzeuge Siegfried Unseld erinnert sich in seiner Chronik: »Statt zweieinhalb Stunden dauerte das Ganze fast fünf Stunden. In der Pause große Diskussionen, am Schluß Diskussionen, aber im Grunde genommen war alles erleichtert. Die Protestierenden wie die Sympathisanten. Am Schluß Ovationen für Schauspieler, für Peymann und für den zum ersten Mal und völlig überraschend auf die Bühne kommenden Thomas Bernhard. Es war auch für ihn ein bewegender Augenblick.«

Zum 80. Jahrestag des »Anschlusses« erinnert auf dem Heldenplatz nun eine Klanginstallation an das Geschehene. In zahlreichen Gedenkveranstaltungen wird dieser Tage der »dunkelsten Stunde Österreichs« gedacht. Dabei bleibt nicht unerwähnt, dass Österreich sich lange Zeit keiner Mitschuld bewusst war. Doch wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt: »Seit der Waldheim-Affäre und dem Skandal um das Drama Heldenplatz von Thomas Bernhard war mit der Legende aufgeräumt worden, dass Österreich ausschließlich ›das erste Opfer Hitlers‹ gewesen sei«.

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