Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020

07.07.2020

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb erhält den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2020 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 

In der Begründung der Jury heißt es: »Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt. Elke Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihrer reichen übersetzerischen Arbeit zeigt, beeinflusste mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West. Ihre Gedichte zeichnen sich durch eine prozessuale und erforschende Schreibweise aus, in deren Verlauf die Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung ist. Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchstlebendige Erkenntnisform.«  

Elke Erb wurde am 18. Februar 1938 in Scherbach, einem kleinen Dorf in der Eifel geboren. 1949 – in ihrem 12. Lebensjahr – übersiedelte sie mit der Familie nach Halle, DDR. Nach dem Studium der Germanistik, Slawistik und Pädagogik arbeitete sie von 1963 bis 1965 als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag. Seit 1966 ist sie freiberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin vorwiegend aus dem Russischen tätig. Ihr reichhaltiges Werk versammelt Lyrik, Kurzprosa, prozessuale Texte, Übersetzungen, Nachdichtungen, Herausgaben. Sie wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Elke Erbs erste Buchveröffentlichungen waren Gutachten, Poesie und Prosa (1975) und Der Faden der Geduld (1978). Auswahlbände von ihr erschienen parallel im Westen. Anfang der 80er Jahre nimmt sie Kontakt zur unabhängigen Friedensbewegung auf. Ihre Arbeit an einer Anthologie »inoffizieller Literatur« und ihr Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn führten zur Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst. Gemeinsam mit Sascha Anderson gab sie 1985 die aufsehenerregende Anthologie neuerer Literatur in der DDR Berührung ist nur eine Randerscheinung heraus, die jedoch nur in der Bundesrepublik erscheinen konnte. 1987 veröffentlichte Erb den von der Kritik als epochal bezeichneten Band Kastanienallee - Texte und Kommentare, wofür sie den mit 15.000 Mark dotierten Peter-Huchel-Preis erhielt. Erb legt hier die Methodik ihrer prozessualen Schreibweise offen, indem sie jedes Gedicht mit einem Kommentar begleitet – eine Form der poetischen Selbst- und Welterkundung, die zum besonderen Merkmal der Erbschen Texte wird. Nach der Wende veröffentlichte Elke Erb 1991 den Prosatext Winkelzüge oder Nicht vermutete, aufschlussreiche Verhältnisse, 1995 politische, autobiographische und poetologische Reflexionen in dem Band Der wilde Forst, der tiefe Wald - Auskünfte in Prosa sowie zahlreiche Gedichtbände. Für den Suhrkamp Verlag übersetzte Elke Erb zuletzt Ausgewählte Werke von Marina Zwetajewa. Am 19. Oktober 2020 erscheinen in der Bibliothek Suhrkamp ausgewählte Gedichte von Elke Erb, herausgegeben von Monika Rinck und Steffen Popp.

»Ich bin außerhalb der Form. Und das ist eine Chance und ein Risiko. Die Menschheit geht mit mir ein Risiko ein, ich diene als Risiko«, sagte Elke Erb 1978 in einem Gespräch mit Christa Wolf. Das sieht mehr als 40 Jahre später nicht anders aus.   

Elke Erb lebt in Berlin und Wuischke (Sachsen). Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste in Berlin.  

Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller verliehen. Er wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt. Die Preisverleihung findet am 31. Oktober 2020 in Darmstadt statt.

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