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13.12.2019

+++ K L I M A und D R A M A +++


In der Tagung „Klima trifft Theater“, die Ende Oktober in der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand, wurde deutlich: Das Thema Klimawandel muss mit anderer Schubkraft in die Mitte der Spielpläne. Neben dem Bestreben die Institution Theater selbst nachhaltig zu gestalten, stellen sich die zentralen Fragen: Was ist produktiver, das dystopische oder das utopische Erzählen? Welche theatralen Erzählweisen braucht es, um wissenschaftliche Erkenntnisse und Theater produktiv zu fusionieren?

Thomas Köck, zweifacher Mülheimer-Dramatiker-Preisträger, hat bereits 2017 seine Klimatrilogie paradies fluten, paradies spielen und paradies hungern vorgelegt. Entstanden aus einer umfassenden Recherche, unter anderem im Austausch mit dem Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam, ist ihm ein literarischer Parforceritt durch die Geschichte des Kapitalismus, der Globalisierung, der Kolonial- und Klimageschichte gelungen. Erstmals uraufgeführt wird die gesamte Trilogie im März 2020 am Theater Bamberg.

Der letzte Mensch des österreichischen Autors Philipp Weiss ist ein Stück über den Klimawandel und die Zukunft als Möglichkeitsraum. Es entwirft drei hypothetische Verläufe des 21. Jahrhunderts. Innerhalb dieser möglichen Welten treibt eine in Europa geborenen Frau, Liv van der Meer, im Kollaps-Szenario auf einem aus Müll zusammengeflickten Floß unter der glühenden Sonne des Nordpolarmeers. Sie driftet durch eine technisch transformierte Welt im Asteroidengürtel des Sonnensystems. Zuletzt schwimmt sie im Utopie-Szenario in der Tiefsee – als ein Hybrid aus Mensch, Maschine, Koralle und Oktopus – und widmet sich der Heilung auf den Trümmern einer geschundenen Welt. (1-3 D, Besetzung variabel)
(UA: 8.10.2019, Theater Nestroyhof Hamakom, Regie: Ingrid Lang)

In fort schreiten von Konstantin Küspert ist die Zerstörung des Planeten Erde vorangeschritten. Eine kleine Gesellschaft macht sich in einer Weltraum-Arche auf den Weg in eine ungewisse Zukunft. Der Klimawandel hat Fakten geschaffen, die Erde ist nicht mehr bewohnbar. Konstantin Küspert entwickelt in seinem neuen Stück für das Theater Bamberg eine Zukunftsvision zwischen Hoffnung und Depression und wirft Licht auf die Schlaglichter auf Menschheitsentwicklung. (Besetzung variabel)
(UA: 24.1.2020, ETA Hoffmann Theater Bamberg, Regie: Sibylle Broll-Pape)

Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig von Mehdi Moradpour bezieht sich auf den historischen Vulkanausbruch im Jahr 1815, der eine Abkühlung des Weltklimas zur Folge hatte. Hunger, Seuchen und Aufstände erzeugten in Europa eine vorrevolutionäre Stimmung. Zu dieser Weltverdüsterung trug, ideologisch gesehen, auch das Aufkommen des völkisch-nationalen Denkens bei.
Mehdi Moradpour entwirft auf dieser gedanklichen Grundlage ein Science-Fiction Szenario, in dem Hannover längst am Meer liegt und eine sich selbst radikalisierende Roboterin ein politisches Attentat verübt. (Mind. 5 DarstellerInnen)
(UA: 13.9.2019, Theater Bremen, Regie: Pinar Karabulut)