Und die Kunst?

27.04.2020

Verschiedene Stimmen zur Kunst in diesen Zeiten


Das Theatertreffen in diesem Jahr ausfallen zu lassen, ist für Yvonne Büdenhölzer und ihr Team keine Option gewesen. Stattdessen haben sie das Theatertreffen 2020 in einer Special Edition in den digitalen Raum geholt, um die Relevanz des Theaters, das in derzeitigen Debatten um emotionale und soziale Grundversorgung nicht vorkommt, zu verteidigen.
Gerade in diesen Zeiten, in denen nicht nur Verschwörungstheorien rund um das Virus, sondern auch ein massiver Rechtsruck, die Gefährdung von Demokratien und die Verleugnung der Klimakrise symptomatisch sind für unsere Gegenwart, ist das Theater als notwendiges Regulativ gefragt, so Büdenhölzer in ihrer Eröffnungsrede.

Mit Blick in die Zukunft wird die Welt nach Corona eine andere sein. Globale Transformationsprozesse zu reflektieren ist die antivirale Kraft des Theaters. Dies fest im Blick, lässt Yvonne Büdenhölzer selbigen vorausschauend in Richtung Zukunfts-Foyer schweifen, wo „wir uns hoffentlich abends eng gedrängt an der Bar treffen und darüber nachdenken, wie wir durch diese unwirkliche Zeit gekommen sind und fragen: Wann habe ich mir eigentlich zum letzten Mal die Hände gewaschen?“.
So führt uns der digitale Theaterraum, in den wir in Zeiten des Abstands ausweichen müssen, vor Augen, dass dem Theater die Nähe immer schon, immer noch innewohnt.  (Die Begrüßungsrede von Yvonne Büdenhölzer finden Sie hier.)

Neben Streams einiger ausgewählter Inszenierungen finden Sie online Nachgespräche, Interviews und Gesprächsreihen in denen Theatermacher*Innen Verluste und Chancen in den Blick nehmen, die der digitale Raum für das Theater bereithält. Hier geht es zum Programm von UnBoxing Stages.


An dieser Stelle sammeln wir Stimmen, Projekte und Gedanken, die sich mit der Systemrelevanz des Theaters und dem Schreiben für das Theater auseinandersetzen.
 

  • Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, spricht im Interview mit der Berliner Zeitung über Kunst und Kultur als Überlebensmittel, über perspektivisch vorsichtiges Herantasten an neue Formen eines Theatererlebnis in der Post-Quarantäne-Zukunft und die Frage nach der Erzählweise der Gegenwart und den Themen, die anstehen.

    „Und deshalb wird uns das Thema Nähe sehr beschäftigen. Meine These ist: Die Körper lassen sich auf Dauer nicht isolieren.“

    Den Artikel finden Sie hier.

     
  • Der Fotograf Wolfgang Tillmans spricht in der Süddeutschen Zeitung über die vermittelnde Wirkung der Kunst, über die Wichtigkeit einer funktionierenden Kulturlandschaft und die Abhängigkeit des Kulturlebens von der Wirtschaft. Er warnt vor unwiederbringlichen Verlusten nach der Zeit des Lockdowns.

    „Man muss verstehen, dass alles, was verloren geht, morgen nicht wundersamerweise wieder da ist, sondern eventuell für immer verloren sein wird.“

    Den Artikel finden Sie hier.


 

  • Konstantin Küspert, einer unserer Theaterautoren, hat sich in Zeiten der Quarantäne mit fünf weiteren AutorInnen in einen digitalen Writer´s Room begeben, um gemeinsam den Stücktext „Corona-Monologe/ oder wie geht man auf Distanz“ zu entwickeln. Über einen Link kann jede/r dem Schreibprozess beiwohnen. Dieses: Sich-aus-der-Distanz-zusammen -Schreiben, verweist auf besondere Weise auf einen Meta-Diskurs mit gesellschaftspolitischer Dimension und auf die neuen Anforderungen, die die Gegenwart an die Kunst stellt. Bei dieser Verzahnung von Form, Inhalt, Gegenwart und Zukunft bleibt kein Zweifel an der Relevanz des Schreibens in diesen Zeiten.

    Konstantin Küspert zum Schreibprojekt:

    wie kann man eine naturkatastrophe, die sich mit tektonischer energie gesellschaftsverändernd über unsere gesamte spezies schiebt, verstehen? wie umgehen mit den reversiblen und irreversiblen veränderungen in unserem alltag, unserer lebensweise? wie umgehen mit den gefühlen der angst, der vereinsamung, der wut, der hoffnung? wir sitzen alle im selben boot, jede und jeder von uns mussten und müssen unser verhalten massiv umstellen. wir, die wir keine virologen, keine intensivmediziner, ja nicht einmal politiker sind, wir, die wir nicht systemrelevant sind, wir kleinen leute, die wir vertrauen müssen auf die expertise anderer, die das wirklich gelernt haben. wir haben auch angst.
    wir haben ein stück geschrieben, und schreiben noch.
    zusammen.
    autor*innen im home-office. (unserem natürlichen lebensraum.) wir haben versucht, dieses über monate gedehnte 9/11-gefühl in worte zu fassen, einen ausdruck zu finden für das was gerade passiert, während wir schreiben.
    wir schreiben gleichzeitig. greifen bögen von einander auf, figuren, motive. ergänzen, strukturieren, denken weiter.
    vielleicht wird es nie gespielt.
    irgendwann machen vermutlich die theater wieder auf.
    lesen kann man es jetzt schon.
    viel spaß.
    und
    bleiben sie gesund.


    „Corona-Monologe/ oder wie geht man auf Distanz“, ein Stück von Anne Rabe, Maja das Gupta, Hannah Zufall, David Gieselmann, Lars Werner, Konstantin Küspert.
    Hier entlang zum Stücktext.

 

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