Walter-Hasenclever-Literaturpreis 2018 an Robert Menasse

16.04.2018

Den mit 20.000 Euro dotierten Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen erhält in diesem Jahr der Wiener Schriftsteller und Essayist Robert Menasse. Das verriet Dr. Barbara Schommers-Kretschmer, Vorsitzende der Walter-Hasenclever-Gesellschaft, auf der Pressekonferenz am heutigen Montag, 16. April, im Haus Löwenstein. Die Jury würdigt hiermit das Gesamtwerk des 1954 geborenen Autors und seine konkrete Vision einer »konsequent Währung, Wirtschaft und Politik einschließenden Europäischen Union.«

Der Festakt zur Verleihung wird am Sonntag, 18. November 2018, im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen stattfinden.

»Robert Menasse hat eine geniale Art, Texte zu verfassen, die fast gemalt wirken und enorme Komik beinhalten, dabei aber auch wichtige Themen aus Politik und Philosophie behandeln«, stellte Schommers-Kretschmer das literarische und essayistische Werk des Autors heraus. Menasse setze sich in seinen Essays verstärkt für eine gesamteuropäische Idee ein und stelle sich entschieden gegen nationale Interessen. Gerade in der heutigen Zeit, mit dem Aufschwung von nationalistischen Bewegungen in ganz Europa, sei eine entschiedene Stimme wie die des Österreichers besonders wertvoll. In seinem »Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik« schreibe Menasse die Kraft zur Veränderung der europäischen Krise nicht den sogenannten Pragmatikern zu, sondern den »Träumern«, den utopischen Denkern, den Philosophen und Dichtern.

Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft lobt in ihrer Erklärung ausdrücklich Menasses Fähigkeit, die sonst getrennt wahrgenommenen Bereiche Literatur/Kunst, Politik und Philosophie zu einer neuen Produktivität zu verbinden, als »Think Tank neuer, humanistischer, gesamteuropäischer Perspektiven.« Mit seiner starken Position zu Europa und der Frage »Wie stehen wir – aus der Geschichte heraus – zu Europa?« treffe er genau das Anliegen des Namensgebers des Preises, Walter Hasenclever, so die Begründung der Jury.

Robert Menasses 2017 erschienenes satirisches Werk Die Hauptstadt gilt als erster großer Roman über die Europäische Union und bietet detaillierte Einblicke in die Arbeit im Brüsseler Regierungsbezirk. Menasse erhielt hierfür den Deutschen Buchpreis 2017. Der in seinen Essays als Verteidiger der Europäischen Union auftretende Menasse begegnet den Karrieristen in der EU hier mit entsprechender Skepsis. Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft erkennt im Roman eine »durchaus kritische Bestandsaufnahme eines vielstimmigen Europas, die gerade nicht auf pessimistische Unveränderbarkeit zielt, sondern darauf, Utopien in der Phantasie der Leser zu fördern.« Menasse zeichnet sich als versierter Kenner der Strukturen in Brüssel aus und entwirft ein Kaleidoskop an Figuren, die sich mit ihren banalen und idealistischen Bedürfnissen und Wünschen durch die Hauptstadt kämpfen. »Das ganze Tableau dient dazu, die Phantasie des Lesers anzuregen, sich selbst eine Vision von Europa zu machen«, sagte Barbara Schommers-Kretschmer.

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