Zeit zum Lesen

24.05.2020

Leseempfehlungen aus dem Theater Verlag

 

STÜCKE
 

DAS BESTE ALLER MÖGLICHEN LEBEN von Noah Haidle,
aus dem Amerikanischen von Barbara Christ
Das Findelkind an der Türschwelle eines Paares durchlebt sein Leben im Schnelldurchlauf: Zwischen den Wachstumsschüben trinkt es reichlich Kaffee und noch mehr Alkohol, konsumiert Heroin, vergewaltigt seine Eltern, erkrankt an der Welt, wird zum Propheten und stirbt, noch ehe der neue Tag angebrochen ist. Die Figuren exerzieren Verstörungen, die beunruhigender und zugleich produktiver nicht sein könnten, wenn sie sich dem Abseitigen zuwenden und fragen: Vielleicht wird es noch gelingen, das beste aller möglichen Leben? (1 D, 2 H)

DER REICHSBÜRGER von Annalena und Konstantin Küspert
Reichsbürger sind Menschen, die die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen. Lange als Realitätsverweigerer abgetan, exzentrisch, aber harmlos, hat das Thema durch tödlichen Widerstand gegen Polizisten und nach Waffen- und Sprengstofffunden eine ganz neue Brisanz bekommen. Das AutorInnen-Duo beschreibt das Abdriften eines Sonderlings in Fremdenfeindlichkeit und Verschwörungstheorien und fragt: Wie viel Reichsbürger steckt in uns? (1 H)

DER GEFANGENE von Friedrich Ani
Jakob Esterland ist der Gefangene, dessen jahrelanges Schweigen über den ungewollten Mord an einer Frau während seines Banküberfalls vor 22 Jahren, sich in einer rastlosen Beichte entlädt. Er ist ein Mann, der versucht den Ansprüchen seiner Familie gerecht zu werden und an dessen Schweigen der eigene Sohn schließlich zerbricht. Ein Seelendrama, das einem nicht aus dem Kopf gehen wird, weil es sich wie eine Schlinge um den Hals legt. (1 H)




BÜCHER
 

TAGE DES VERLASSENWERDENS von Elena Ferrante,
aus dem Italienischen von Anja Nattefort
Was geht in einer Frau vor, die plötzlich vor den Trümmern ihrer Ehe steht? Einer Frau, die sich immer für ausgeglichen, stark und selbstbewusst gehalten hat? Elena Ferrante erzählt uns eine ganz alltägliche Geschichte als wortgewaltige Tragödie – davon, wie es ist, bei glasklarem Verstand in den Wahnsinn abzurutschen.

KOLONIEN UND MANSCHETTENKNÖPFE – Gedichte von Thomas Kunst
Ein Gedichtband wie ein Streifzug durch einen Luna-Park: Im Toom Baumarkt sammeln sich arabische Reiter. Zwischen Carports und Gartenmöbelauflagen tobt die Schlacht von Tours und Poitiers im Jahre 732. Das Ordnungsprinzip des Sonettenkranzes soll verbinden, was sich ausschließt. Prosagedichte und jambische Elfsilber. Disziplin und Ernüchterungsrausch.

»NICHTS IST, WIE ES SCHEINT« – ÜBER VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN von Michael Butter
Verschwörungstheorien als Indikator für die demokratiegefährdende Fragmentierung der Öffentlichkeit und Merkmal eines populistischen Brodelns: Der derzeit oft zitierte Michael Butter erläutert in seinem Bestseller (Spiegel, Focus, Stern, Börsenblatt) was Verschwörungstheorien sind, wo sie herkommen, warum sie für viele so attraktiv sind und welche Auswirkungen sie haben.