Raimund Fellinger (Cheflektor des Suhrkamp Verlags) über Peter Handke

»Das Ziel war, Schriftsteller zu werden und zu sein.« Peter Handke

 

So unbedingt beschrieb Peter Handke seinen Lebenswunsch als Zwanzigjähriger. Dabei war die Erfüllung dieses Wunsches eher unwahrscheinlich: »Es gibt Lebensläufe«, so formuliert er selbst im Rückblick, »bei denen im großen und ganzen eintrifft, was durch Geburt, Herkunft und Umgebung vorgezeichnet ist. Daneben gibt es seltsame Leben, die man weniger ›Läufe‹ nennen kann als ›Sprünge‹, ›Versetzungen‹ oder ›Fälle‹. So ein Fall bin vielleicht ich.«

Denn es gelingt Peter Handke, sich seinem Traum vom Schriftstellerdasein anzunähern, und das in kurzer Zeit. Nach dem Abitur nimmt er im Wintersemester 1961 in Graz das Jura-Studium auf. Eines, das ihm seiner Meinung nach ausreichend Zeit bietet, um sich in der reichlichen Freizeit voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren zu können.

Seine kontinuierliche Arbeit zahlt sich schnell aus. Ende 1965 nimmt der Suhrkamp Verlag das Manuskript Die Hornissen zum Druck an. Peter Handke beendet sein Studium ohne Schlussexamen. Dafür folgt 1966 ein rasanter Aufstieg zum Erfolgsautor: Am 24. März werden Die Hornissen an die Buchhandlungen ausgeliefert, am 23. ergreift Peter Handke auf der Tagung der Gruppe 47 in Princeton das Wort. Den versammelten Schriftstellern und Literaturkritikern erklärt er: »Ich bemerke, dass in der gegenwärtigen deutschen Prosa eine Art Beschreibungsimpotenz vorherrscht. Man sucht sein Heil in einer bloßen Beschreibung, was von Natur aus schon das Billigste ist, womit man überhaupt nur Literatur machen kann.« Eine Rede, die Peter Handke ins Zentrum der Literaturwelt rückt. Am 8. Juni wird, in der Regie von Claus Peymann, Handkes erstes Theaterstück, Publikumsbeschimpfung, im Frankfurter Theater am Turm uraufgeführt. Peter Handke wird gelesen, gespielt und rezensiert - zu diesem Zeitpunkt ist er keine 30 Jahre alt.

Nach diesem rasanten Sprung ins Rampenlicht bricht Peter Handkes Produktivität in den Sechzigerjahren nicht ab: Mit Die Weissagung, Selbstbezichtigung, Hilferufe, Kaspar und Das Mündel will Vormund sein werden weitere Stücke aufgeführt. Zudem erscheinen der Gedichtband Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt sowie gesammelte Prosa, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele, Aufsätze.

Peter Handke | Bücher (Erscheinungstermin: bis 1970)

 

Peter Handke | Bühnenstücke und Hörspiele (Uraufführung: bis 1970)

UA: Städtische Bühnen Oberhausen
22.10.1966
Regie: Günther Büch

UA: Städtische Bühnen Oberhausen
22.10.1966
Regie: Günther Büch

UA: Städtische Bühnen Oberhausen, Deutsche Theaterwoche Stockholm
12.09.1967
Regie: Günther Büch

Peter Handke

Kaspar

»Das Stück Kaspar zeigt nicht wie ES WIRKLICH IST oder WIRKLICH WAR mit Kaspar Hauser. Es zeigt, was MÖGLICH IST mit jemandem. Es zeigt, wie jemand durch sprechen zum Sprechen gebracht werden kann. Das Stück könnte auch ›Sprechfolterung‹ heißen.« (Peter H ...
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1 Dekoration

UA: TAT – Theater am Turm Frankfurt / Städtische Bühnen Oberhausen
11.05.1968
Regie: Claus Peymann / Günther Büch

Stück ohne Worte

2 Herren, 2 Dekorationen

UA: TAT – Theater am Turm Frankfurt am Main
31.01.1969
Regie: Claus Peymann

Peter Handke

Publikumsbeschimpfung

Ein Antistück. Die Rollen der Schauspieler und des Publikums sind vertauscht, der Saal bleibt hell. Handke spielt mit der Sprache, mit den Mitteln des Theaters und führt sie ad absurdum. Es gibt keine Handlung im traditionellen Sinne, das Stück ist eine A ...
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UA: Experimenta I Frankfurt am Main, TAT – Theater am Turm
08.06.1966
Regie: Claus Peymann