Raimund Fellinger (Cheflektor des Suhrkamp Verlags) über Peter Handke

 

»Ich habe immer schon vorgehabt, durch das Schreiben mutiger zu mir persönlich zu werden. Das Schreiben hat mir auch geholfen, unverschämter zu werden.« Peter Handke

 

Im März 1970 erscheint die Erzählung Die Angst des Tormanns beim Elfmeter in der Startauflage von 25.000 Exemplaren, und ein halbes Jahr später hat sich die Auflage verdoppelt. Die Aufnahme fällt einhellig aus: »Diese Erzählung gehört zu dem Bestechendsten, was in den letzten zehn Jahren deutsch geschrieben worden ist«, schreibt Karl Heinz Bohrer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Weiterhin erscheinen 1972 Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, Der kurze Brief zum langen Abschied sowie eine Erzählung, die er nicht nur für die „Anderen“ schreibt, sondern vor allem auch für sich: In Wunschloses Unglück verarbeitet Peter Handke den Selbstmord seiner Mutter. Darüber schreibt Ulrich Greiner in Der Zeit: »Das Geheimnis dieser traurigen Geschichte besteht darin, dass man sie atemlos liest. Das macht Handkes Sprache, in der sich Inbrunst und Distanz, Poesie und Präzision aufs Kunstvollste verbinden.«

Doch auch positive Erlebnisse bereichern Peter Handkes Privatleben. Der Autor war 1966 von Graz nach Düsseldorf gezogen, wo er 1967 die Schauspielerin Libgart Schwarz heiratete. 1969 folgte ein Umzug nach Berlin, und die gemeinsame Tochter Amina wird geboren. 1970 reist die Familie zum ersten Mal kurzzeitig nach Paris, bevor Peter Handke, nach einer kurzen Zwischenstation in Köln, 1971 ein Haus in Kronberg/Taunus, über Frankfurt gelegen, baut. Ende 1973 übersiedelt Peter Handke mit der Tochter, von seiner Frau lebt er inzwischen getrennt, in seine heutige Heimat Paris. Es entstehen unter anderem die Prosawerke Als das Wünschen noch geholfen hat, Die Stunde der wahren Empfindung, Die linkshändige Frau und Das Gewicht der Welt.

Darüber hinaus widmet sich Peter Handke erstmals intensiv dem Medium Film. »Gegen Ende 1968 wurde ich gefragt, ob ich Lust hätte, das Drehbuch für einen Fernsehfilm zu schreiben. Damals schaute ich, bis auf die Fernsehspiele, noch fast alle Sendungen an und war schon manchmal neugierig gewesen, darüber etwas zu schreiben.« Im Oktober/November 1970 führt Peter Handke zum ersten Mal Regie. Auch das Drehbuch zu Chronik der laufenden Ereignisse stammt von ihm. Ein weiterer Film, Falsche Bewegung, wird 1975 unter der Regie von Wim Wenders ausgestrahlt. Bis heute verbindet den Autor und den Regisseur eine enge Freundschaft.

Peter Handke | Bücher (Erscheinungstermin: 1971-78)

 

Peter Handke | Bühnenstücke und Hörspiele (Uraufführung: 1971-78)

3 Damen, 10 Herren, 1 Dekoration

UA: Theater Basel
24.01.1970
Regie: Hans Hollmann

Peter Handke

Der Ritt über den Bodensee

»Der Ritt über den Bodensee ist weder Tragödie noch Farce noch Lehrstück noch Lustspiel noch Volksstück, es ist Darstellung der gesellschaftlichen Entsprechungen dieser Theaterformen, verdeutlicht und undeutlich gemacht durch die Verletzlichkeit, Schmerzl ...
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5 Damen, 3 Herren, 1 Dekoration

UA: Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin
23.01.1971
Regie: Claus Peymann und Wolfgang Wiens

Peter Handke

Die Unvernünftigen sterben aus

Als facettenreiches Porträt modernen Unternehmertums weist Handkes Stück nach, wie die ganz auf Kapital und Besitz ausgerichteten Interessen die Persönlich­keitsstruktur bis in den privatesten Bereich hinein deformieren. Es zeigt zugleich das offenkun ...
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2 Damen, 6 Herren, 1 Dekoration

UA: Theater am Neumarkt Zürich
17.04.1974
Regie: Horst Zankl