Philipp Weiss
Allerwelt

Philipp Weiss
© Max Zerrahn

UA: Schauspielhaus Wien
20.03.2014
Regie: Pedro Martins Beja

Synopse

Allerwelt ist eine Flüchtlingssiedlung am Rande der Stadt. Es liegt isoliert auf dem Grund eines Kasernengeländes aus dem Ersten Weltkrieg. Rundum Wälder, der Fluss, die Autobahn, das Kraftwerk, das Einkaufszentrum. In Allerwelt leben Gestrandete, die im Laufe eines halben Jahrhunderts den Krisen und Kriegen ihrer Weltgegenden zu entfliehen suchten. Sie haben nichts gemeinsam, außer am selben Ort angekommen und nicht mehr fortgekommen zu sein. Sie bilden zusammen eine Gemeinschaft ohne Zusammenhang.

Ihre Geschichten überlagern sich im Raum von Allerwelt. So etwa die Geschichte der türkischen Transsexuellen Yasar; die Geschichte des ungarischen Grenzsoldaten Gaspar; die Geschichte der afghanischen Ärztin Malalai, die Hundefutter verpackt; die Geschichte der Somalierin Fatima, die mit ihren Zwillingstöchtern auf der Straße steht; die Geschichte des jungen Irakers Naseer, der in einem Bunker Allerwelts ein SS-Gewehr findet; die Geschichte des alten Vietnamesen Thien, der schweigt; die Geschichte der Jüdin Anat, die von ihren Eltern auf dem Weg nach Zion zurückgelassen wurde; die Geschichte der Tschechin Tereza, die versucht, den Tagen das Glück abzutrotzen; die Geschichte von Guillermo, der aus der Folterkammer Pinochets nach Allerwelt kam, wo er mit den Hunden lebt.

Mit Mila Katz, der Hauptfigur des Stücks, tritt die Sehnsucht nach dem Zusammenhang in die Zusammenhanglosigkeit. Es sind die Diskontinuitäten und Brüche in ihrer eigenen Biographie, die sie dazu bringen den Ort der Diskontinuitäten und Brüche aufzusuchen. Sie tut das in der Hoffnung, diese kitten zu können, Zerrissenes in jene verborgene Ordnung zu fügen, die sie vermutet. Das Mittel des Zusammenhangs wird das Erzählen. Und mit dem Erzählen das Gedächtnis, das als die Medizin fungieren soll, um diese Krankheit, das Fehlen von Identität, zu heilen.

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