Mehdi Moradpour
Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig

Mehdi Moradpour
© Max Zerrahn

Humanoide Komödie Teil 1

Mind. 5 DarstellerInnen

UA: Frei zur UA

Synopse

Im Frühjahr 1815 bricht ein Vulkan in Indonesien aus, der eine Abkühlung des Weltklimas zur Folge hat. Hunger, Seuchen und Aufstände erzeugen in vielen Regionen Europas eine vorrevolutionäre Stimmung. Zu dieser Weltverdüsterung trägt, ideologisch gesehen, auch das Aufkommen des völkisch-nationalen Denkens bei. 1819 kommt es zum ersten »rechten« Attentat in Deutschland, als der radikale Burschenschafter Carl Ludwig Sand den Dichter August von Kotzebue erdolcht. Sand wird zum verklärt, sein Grab zum Wallfahrtsort.

In Mehdi Moradpours Stück Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig holen uns diese alten Gespenster ein und infiltrieren die nahe Zukunft. Heraufbeschworen werden sie vom omnipräsenten »Chor der Staubflocken«, der als feinhistorischer Chronist nicht nur über alle Zeiten und Zeitenwenden erhaben ist, sondern auch über das konkrete dramatische Geschehen:

Im Verlauf eines Großstadttages verfolgen wir die Wege, Gedanken und Aktionen eines linken Politikers, einer Aktivistin, einer politisch verwirrten Zwischenruferin und der humanoiden Radiomoderatorin Carla, die bei einem Sender arbeitet, der sich selbst generiert. Die künstliche Carla lädt sich mit rechtem Denken auf und macht sich als Reinkarnation des Attentäters Carl Ludwig Sand zielsicher auf den Weg, um den Politiker zu eliminieren. Auf der abendlichen Polit-Gala treffen diese unterschiedlich munitionierten ProtagonistInnen schließlich aufeinander und die humanoide Komödie nimmt einen wahrhaft Shakespear‘schen Verlauf. 

Das Stück entstand in einem Kooperationsprojekt des Literarischen Colloquiums Berlin, des Maxim Gorki Theaters, des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben und der Robert-Bosch-Stiftung.
Es wurde am 27.10. 2018 im Rahmen von »Krieg im Frieden« am Maxim Gorki Theater in einer szenischen Lesung einmalig gezeigt (Einrichtung: Pınar Karabulut).

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