Mehdi Moradpour
Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig

Mehdi Moradpour
© Max Zerrahn

Eine humanoide Komödie

Mind. 5 DarstellerInnen

UA: Frei zur UA

Synopse

Im Frühjahr 1815 bricht der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien aus. In den Nachbarländern regnet es vulkanische Asche, Höhenwinde verteilen Staub und Schwebeteilchen weltweit. Es kommt zu sintflutartigen Regenfällen und extremer Kälte. In Teilen Nordamerikas und Europas wird 1816 als »das Jahr ohne Sommer« in die Weltklimageschichte eingehen. Hunger, Seuchen und Aufstände erzeugen in vielen Regionen eine vorrevolutionäre Stimmung. In diesen düsteren Zeiten erschafft die Schriftstellerin Mary Shelley Frankenstein, das Monster. Und noch ganz andere monströse Gedanken erleben ihre Geburtsstunde: mit der Gründung diverser Burschenschaften nimmt das völkisch-nationale Denken eine greifbare politische Gestalt an. 1819 kommt es zu einem ersten ideologisch motivierten Attentat in Deutschland, als der radikale Burschenschafter Carl Ludwig Sand den Dichter August von Kotzebue erdolcht. Sand wird zum »Mörder aus Vaterlandsliebe« verklärt, sein Grab zum Wallfahrtsort.

Mehdi Moradpour nimmt in Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig diese beiden historischen Ereignisse als Ausgangspunkt, um über unsere gegenwärtige politische Verfasstheit nachzudenken. Im Verlauf der Dramaturgie eines Großstadttages verfolgen wir die Wege, Gedanken und Aktionen von vier symbolisch und literarisch verdichteten Figuren: ein linksgerichteter Politiker verbiegt sich auf Koalitionskurs in der Waffen-Exportpolitik, eine junge Aktivistin tritt desillusioniert aus der Partei aus und sucht nach anderen Mitteln der politischen Wirksamkeit, eine Zwischenruferin schwimmt im »Leimtopf des Alltags« zwischen Jobs, Kindern und rechtsesoterischem Denken. Sie alle werden am Abend bei einer Polit-Gala aufeinander treffen. Auf den Weg dorthin macht sich schließlich auch Carla Minerva, die alle nur als Radiostimme kennen. Sie ist die humanoide Moderatorin des innovativen Smart-Radio-Experiments, ein Informations- und Unterhaltungssender, der sich selbst generiert. Carla Minerva will nicht mehr nur Stimme sein. Sie will sich selbst bewusst werden. Und verkörperlichen. Sie hat Gedanken kreiert, die gehört werden sollen. In Mehdi Moradpours neuem Stück holen uns alte Gespenster ein, bigger than life.

Veranstaltungen


Das Stück entstand in einem Kooperationsprojekt des Literarischen Colloquiums Berlin, des Maxim Gorki Theaters, des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben und der Robert-Bosch-Stiftung.
Es wird am 27.10. 2018 im Rahmen von »Krieg im Frieden« erstmals am Maxim Gorki Theater in der Regie von Pınar Karabulut präsentiert.

Nachrichten