Molière
Der eingebildete Kranke

NEU

UA: Theater Bonn
06.12.2019
Regie: Simone Blattner

Synopse

Molières letzte Komödie ist die Geschichte einer Einbildung, die sich zu einem Weltverhältnis auswächst. Der Träger dieser fixen Idee ist der wohlhabende Privatier Argan, der seine Umgebung mit seiner schlechten Laune auf Trab und in Lohn hält. Ärzte und Apotheker verdienen gut und gerne an seinen unablässigen Beschwerden. Seine Tochter will Argan mit einem rückständigen Doktor verheiraten, sie kämpft dagegen für ihren Geliebten Cleante. Ihre Stiefmutter ist derweil hauptsächlich am Erbe des ungeliebten Ehemanns interessiert. Einzig die Hausangestellte Toinette durchschaut das verrückte Treiben, und in Martin Heckmanns’ Neufassung der Komödie ist sie es auch, die ihrem Herrn eine neuartige Kur verordnet, indem sie die Arbeitsverhältnisse auf den Kopf stellt und ihn putzen und arbeiten lässt zu seiner Selbstheilung.

Molières Ballettkomödie ist in der Neufassung eine rasante Abrechnung mit dem wehleidigen Weltschmerz eines Privilegierten: Argan ist hier weniger griesgrämiger Privatier als sendungsbewusster Märtyrer, er leidet am Elend an der Welt und der Krankheit Mensch und behandelt seine Empfindlichkeit wie die Auszeichnung eines Auserwählten. In der stark verdichteten Bearbeitung sind vier Nebenfiguren gestrichen zugunsten einer gestärkten Spielleiterin in Gestalt der Dienerin Toinette. Ohne aufdringliche Aktualisierungen gelingt es der Neufassung, einen Menschentyp unserer Gegenwart ins Zentrum zu stellen, der erst listig und trickreich von seinen Untergebenen erzogen werden muss, damit er einen ersten Schritt wagt in Richtung Veränderung.

Pressestimmen:


»Heckmanns' und Blattners größter Coup ist allerdings die Aufwertung Toinettes. (…) So wird aus dem vorlauten Dienstmädchen in Heckmanns Bearbeitung eine sanfte, aber entschiedene Revolutionärin. Sie führt Argan auf den richtigen Weg, indem sie die Verhältnisse umkehrt. Wer zu viel Zeit und Geld hat, kann sich leicht Krankheiten einbilden. Wer dagegen mit seinen Händen arbeitet, hat gar keine Zeit für müßige Grübeleien.« (nachtkritik, 6.12.2019)

»Die Inszenierung … spielt geschickt mit der Zeitlosigkeit des Stoffs, amüsiert mit koketten Pointen und prallen Gags.« (General Anzeiger, 9.12.2019)

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