Sivan Ben Yishai
DIE TONIGHT, LIVE FOREVER oder DAS PRINZIP NOSFERATU

Sivan Ben Yishai
© Max Zerrahn

2 Damen, 1 Herr, Besetzung variabel

UA: Theater Lübeck
30.11.2018
Regie: Marie Bues

Kooperation des Theaters Lübeck mit backsteinhaus produktion und dem Theater Rampe, Stuttgart

Synopse

Ein Spalt tut sich auf, wie eine Klappe im Boden, von Landschaft überwuchert. Ein Spalt zwischen Raum und Zeit, der hineinführt in die totale Präsenz, wo die Gesetze der linear gedachten Identität nicht mehr gelten. Ein Zustand der Schlaflosigkeit, der die Sinne überweit öffnet. Für die eigene Begierde, Angst und Abgrund, eine Sehnsucht nach Erlösung – für den eigenen Vampirismus.
Sivan Ben Yishai schickt in DIE TONIGHT, LIVE FOREVER oder DAS PRINZIP NOSFERATU drei erzählende Stimmen auf einen atemlosen Trip, bei dem das vampiristische Selbst die Regie übernimmt. Eine junge Frau verlässt ihre Therapiesitzung und gerät in einen stream-of-consciousness der Selbstansprüche und -überforderung. Bis sie einen Tumor in sich als Ansprechpartner findet und sich einredet, dass ihr ausgerechnet die Krankheit die Geborgenheit und Erholung geben wird, nach der sie sich sehnt.
Ein schwuler Makler sitzt in der französischen Provinz fest, in einer heteronormativen, properen Stadt. Kein Dreck, nirgendwo. Er soll teure Häuser an reiche Leute verkaufen. Und die Lebenswelt der Stadt damit noch weiter wegrücken von den eigenen Sehnsüchten. Er sitzt schlaflos im Hotelzimmer und öffnet, gegen alle Vernunft, die App. Und schon verwandelt sich ein Kunde in einen Lover, die beiden sitzen im Auto, angenehm infiltriert von Sex und Drogen, auf dem Weg in die Katakomben von Paris, in die Stadt der Toten.
Die dritte Stimme gehört einer Frau, die gerade von der Arbeit kommt, unendlich müde, erschöpft. Ein Motorrad kommt vor ihr zum Stehen, die zwei gesichtslosen Fahrer halten ihr einen glänzenden Helm entgegen. Sie lässt sich schließlich mitnehmen. Und findet sich wieder im Spiegelkorridor ihrer eigenen Albträume. Als sie erwacht, fehlen ihre Organe.
Sivan Ben Yishai hat sich von dem Stummfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau inspirieren lassen. Was ist das Prinzip Nosferatu heute? In DIE TONIGHT, LIVE FOREVER haben wir es längst in uns selbst implantiert. In ihrer bildstarken und musikalischen Sprache schickt sie ihre Figuren, diese »children of late capitalism«, in die albtraumhafte Schlaflosigkeit der Selbstausweidung.

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