Miroslava Svolikova
Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt.

Miroslava Svolikova
© Max Zerrahn

NEU

Mind. fünf Darsteller, Besetzung variabel

UA: Schauspielhaus Wien
12.01.2017
Regie: Franz-Xaver Mayr

Synopse

Europa war einmal. In einem futuristischen Museum stehen Reliquien aus einer Zeit, in der Mauern eine Rolle gespielt haben, Verträge, abgekaute Kugelschreiber, mit denen Verträge unterzeichnet wurden, oder die »scheue Institution«. Und das Hologramm ist der »Führer« in diesem Museum, in das ohnehin keiner mehr kommt. Oder doch: Drei Figuren, die einen Wettbewerb gewonnen haben und die wild entschlossen sind, eine Aufgabe zu übernehmen. Welche Aufgabe? Das ist die Frage. Und eine Putzkraft hat das Museum, die glaubt, sie sei die geborene Regisseurin. Und tatsächlich verliest sie ein umwerfendes poetologisches Programm.
Diesen Figuren also erklärt das Hologramm mit Verve und unter gewissem Zeitdruck die Vergangenheit oder das, was im Museum steht – und nein, von der historischen Käseplatte kann man sich nicht einfach so ein Stück abschneiden! Der Stern tritt auf, ein gefallener Stern, der etwas mit einer so genannten »onion« zu tun haben möchte. Beim Kochen denkt er über die Gesellschaft nach und stößt auf einen Zettel, der besagt: »Ihr müsst alle zusammenhalten.« Ebenfalls tritt auf: die Mauer, das ist eine alte Geschichte. Was sie zusammenhält, wen sie schon alles abgehalten hat, wen voneinander getrennt. Und auch der Speichel, der zu den »zukünftigen, vergangenen und kommenden generationen« spricht: »ich bin all die leichen, über die man drübergestiegen ist. ich bin der ganze rest. ich bin die schwielige hand, die alles aufgebaut hat, ich bin der blutende uterus, der alles geboren hat, ich bin das abgekopfte kalb und das zerstampfte huhn, ich bin das ermordete volk, ich bin das hergeschenkte leben, der umgeknickte halm und der strafzettel vom letzten jahr, ich bin immer da. (…) ich bin der teer der geschichte, ich bin ihr. ich bin viele.«

In einer Zeit, in der das Theater dringend politische Komödien braucht, hat Miroslava Svolikova eine absurde Abstellkammer der Geschichte entworfen. Ein Endspiel in einer Zeit zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in der das Heute und Jetzt als fernes Licht aufscheint. Eine Farce, sprachlich verspielt, rhythmisiert, urkomisch. Versteht sich selbst, dass das Hologramm seine liebe Mühe hat, diese Geschichten zu erzählen.

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