Clemens J. Setz
Erinnya

Clemens J. Setz
© Max Zerrahn

Mind. 3 D, 2 H, Besetzung variabel

UA: Schauspielhaus Graz
15.11.2018
Regie: Claudia Bossard

Synopse

Wenn Matthias spricht, dann mit Verzögerung. Und er spricht keinen eigenen Text, sondern das, was ihm eingeflüstert wird durch ein Headset. Jahrelang hatte Matthias Panikattacken, war depressiv und nahm – ohne spürbare Verbesserung – Medikamente, bis er »Erynnia« für sich entdeckte: ein Headset, das ihn fortan durchs Leben begleitet. Es geht ihm besser, beobachtet Tina, seine langjährige Freundin. Er spricht zwar langsamer als die anderen, setzt Betonungen falsch. Bisweilen formuliert er ungewöhnliches Zeug. Und das stößt vor allem Tinas Eltern auf, die Matthias zum ersten Mal kennenlernen. Sie hat sich jahrelang nicht blicken lassen, die Eltern vermuten, aus Scham.

Wobei die Gespräche, die Michael und Friederike, Tinas Eltern, beim Frühstücken führen, ebenfalls ungewöhnlich sind: »Das Arschloch sollte man anzünden«, sagt Michael, angeregt von seiner Zeitungslektüre, über einen Mann, der im Netz Filme vertreibt mit Situationen, in denen er seine Kinder ausschimpft. Und fügt hinzu: »Jetzt war ich wieder zu grausam, so Berichterstattung kitzelt immer was Ungutes aus mir raus.« Wie Sprache das Sein formt, auch davon handelt Clemens J. Setz’ beunruhigendes Stück, das mit der Technik von »Erynnia« eine Spielart möglicher, zukünftiger Kommunikation entwirft: »Die Sätze«, so Clemens J. Setz, »die Matthias durch sein Headset empfängt, werden von einem riesigen sozialen Netz hervorgebracht, das mithört, was zu ihm gesagt wird, und dann einen Mittelwert, eine Durchschnittsreaktion von allen menschlichen Teilnehmern des Systems generiert. Zu Anfang ist das bizarr für alle Beteiligten, nach einer Weile verschmilzt es mehr und mehr, das System lernt mit, und er wirkt recht normal.«


 

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