Miroslava Svolikova
europa flieht nach europa

Miroslava Svolikova
© Max Zerrahn

dramatisches gedicht aus mehreren tableaus

Besetzung variabel

UA: Deutsches Theater Berlin
22.06.2018
Regie: Franz-Xaver Mayr

Synopse

Der Mythos Europa erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die, von Göttervater Zeus in Gestalt eines Stieres aus dem Libanon über das Meer entführt, am Strand von Kreta vergewaltigt wird. Hier wird ihr eine große Zukunft vorausgesagt. Miroslava Svolikovas europa flieht nach europa dreht diesen Mythos um: Europa tötet den Stier, schneidet ihn in Filet-Stücke und stellt eines klar: dieser kontinent wird nicht in blut getränkt! »dieser ort wird nicht aufbauen auf blut! nicht aller anfang ist blut und gewalt! nein! (...) das können wir uns gleich mal merken! dafür trage ich gleich mal sorge! dafür werde ich instantan mit meiner liebe sorgen!«

Was folgt, ist ein Reigen mitunter blutiger Bilder, eine klug komponierte, verspielte, schlaglichtartige Chronologie europäischer Geschichte. Neben der Protagonistin Europa treten u.a. auf ein Regenbogen, ein Pfarrer, Putzkolonnen, das Leben selbst und auch die kleinen Könige. Miroslava Svolikova eröffnet in ihrem aktuellen wie zeitlosen »dramatischen Gedicht aus mehreren Tableaus« einen Raum, in dem die Idee, die Identität Europas ihren Platz einnimmt und von Selbstvergewisserung und Selbstentfremdung erzählt: in der Geschichte der Kolonialisierung der restlichen Welt, der Christianisierung, der Kreuzzüge und Klassenkämpfe oder des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte erzählt Svolikova als Farce, als wilden Karneval, als Bildfolge von starker Eindringlichkeit. Als ihre Kinder die sterbende Europa befragen, was ihr Wesen sei, antwortet sie: »dieses ist mein wesen: dass ich nicht ohne vision sein kann und nicht ohne hoffnung. dass ich viele versuche und viele hoffnungen bin und schon viele tode.« Und die Kinder, die Europa Erfindungen zeigen, die sie gemacht haben – den Laptop, den Mülleimer, das Pflaster etc. – beschließen am Ende, Europa neu zu erfinden.

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