Clemens J. Setz
Flüstern in stehenden Zügen

Clemens J. Setz
© Max Zerrahn

NEU

1 Dame, 2 Herren, Besetzung variabel

UA: Schauspiel Graz
Regie: Anja Michaela Wohlfahrt

voraussichtlich im März 2021

Synopse

C. ist einsam. Seine Frau ist gestorben, aber danach fragt niemand. Einzige Verbindung zur Welt ist sein Telefon und damit will er »zum Erdkern vordringen«. Dafür wählt C. die Hotline-Nummern aus Spam-Mails. Am anderen Ende heben Ulrichs, Angelikas, Walters, Martinas ab: gebrochenes Deutsch, unterschiedliche Akzente, der immer gleiche Gesprächsleitfaden. Die Callcenter-Mitarbeiter*innen sitzen in Großraumbüros im Ausland und geben vor, im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Steuern oder für C´s Stromanbieter zu agieren. Sie fordern vermeintlich ausgebliebene Zahlungen. C. durchschaut ihre Masche und entschlüsselt die Taktik hinter dem Fragenkatalog der Abzocker. Für ihn ist das Leiden an der Vorspiegelung falscher Tatsachen längst zu einem globaleren, einem existentiellen Schmerz geworden. Sein erklärtes Ziel wird zur obsessiven Mission: den Hotline-Zombies das Roboterdasein austreiben. Er nennt es »Zwangsmenschwerdung«, wenn er rhetorisch provokativ eine Abweichung von deren Skript erzwingt, um den Telefonist*innen ein privates Detail, wenigstens den echten Vornamen zu entlocken. Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass ihn jemand bei seinem Namen nennt. C. will gemeint sein. Schließlich greift er zum Hörer, als ihn plötzlich ein Anruf erreicht.

Clemens J. Setz verrückt in seinem Stück mit sprachlichem Feinsinn seine Figur in einen skurrilen, magischen Realismus und zeichnet ein Porträt der Vereinzelung, das humorvoll die Absurditäten der Globalisierung offenlegt.

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