Philipp Gärtner
Gold

Philipp Gärtner
© Max Zerrahn

NEU

Besetzung variabel

UA: Frei zur UA

Synopse

Ein  strukturell  gestresster  Pizzalieferant,  für  Verkehrsregeln  blind,  holt  Tilda  mit  dem  Auto  vom  Fahrrad.  Ihr  Blut  strömt  und  eine  aberwitzige  Abwärtsspirale setzt sich in Gang. Ihrem finanziell ohnehin prekär aufgestellten Großstadtleben zwischen Kellnerjob, Kunst und Schlafcouch wird der finanzielle Boden restlos unter dem verletzten Bein weggezogen. Nach kurzen, lustvoll grotesken Intermezzi bei Ärztin, Amtsgericht und Anwältin wird Tilda gleichsam vom Zentrum an den Rand gespuckt. Sie findet sich in einem aus morschem Holz gebastelten Unterschlupf im Stadtwald wieder, hungrig, wütend und mutmaßliches Fahndungsziel eines Großeinsatzes. Mit einem Deko-Speer zufällig bestückt, zieht sie zurück ins »Schweinesystem«, Richtung Supermarkt. Aber gerade als der Supermarktsecuritytyp sie abführt, um den letzten Sargnagel in ihre exbürgerliche Biografie einzuschlagen, geschieht das Sagenhafte: Anstatt Tilda geht die Welt um sie herum unter. Gold fällt vom Himmel. Schwere, tennisballgroße Goldklumpen.  Sie  erschlagen  nicht  nur  den  Securitymann,  sondern  beseitigen  die  Welt, wie wir sie kannten, gleich mit.
Im zweiten Teil tauchen alle Randfiguren aus Tildas rasanter Existenzvernichtungserzählung wieder auf. In blitzlichtartigen Monologen und Dia-logen berichten Kassierer, Eltern, Polizistinnen, Pizzaboten und Kaufhaus-kinder von ihrem Sterben, Überleben und ihren Orientierungsversuchen in der Stadt und in der Welt.Tilda selbst ist ins Kanalisationssystem der Stadt geflüchtet. Hier, von der Unterseite der Zivilisation, zeichnet sie mit ihrem absterbenden Handy kurze Sprachmemos auf. Bis sie auf eine andere Frau trifft, die sich schon seit Jahren gegen den Wahnsinn der Oberwelt entschieden hat.Philipp Gärtner erweitert das Sterntalermotiv und erzählt ein Märchen vom Niedergang des Spätkapitalismus. In seiner poetischen Sprache, die Melancholie und Komik virtuos verbindet, skizziert er darin eine aus den Bahnen geworfene Welt, in der nur überleben wird, wer bereit ist, sie gedanklich neu zu erfinden. Oder wer so unkompostierbar ist wie der Mazda und der Nissan, die als immobil gewordene Zeugen des »Goldtags« miteinander ins Streitgespräch gehen.
Diese ungewöhnliche dramatische Mischung aus erzählter Apokalypse und erlebter Heiterkeit erzeugt eine Spannung, die das Theater herausfordert. Und viel Spaß bringen wird.

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