Akin Emanuel Sipal
Kalami Beach

Akin Emanuel Sipal
© Max Zerrahn

1 Dame, 1 Herr

UA: Nationaltheater Mannheim
24.09.2016
Regie: Tarik Goetzke

Synopse

Kalami Beach ist ein Traumstrand auf Korfu. Und »Korfu ist eine epische Insel und hier herrscht episches Licht«. In diesem flirrenden Licht am Inselrand Europas lässt Akin E. Şipal seine beiden Figuren in bewusster Schicksalhaftigkeit aufeinander prallen: Ernst rettet Ayda. Obwohl Ayda lieber ertrunken wäre. Im Abseits der Nebensaison und ihrer gewohnten Großstadtexistenz in Hamburg bzw. Istanbul beginnen die beiden zwischen roten Klippen, berenteten Ehepaaren und Kübelzypressen eine halbherzige Affäre mit Folgen: die eigentlich unfruchtbare Ayda wird schwanger. Dieser Zeugungsunfall konfrontiert das Zufallspaar Mitte Dreißig nicht nur mit einer möglichen Zukunft, auch die Vergangenheit ihrer Familiengeschichten kehrt mit verwirrender Wucht zurück auf die Insel. Ernsts Großvater war während des 2. Weltkriegs hier mit der Wehrmacht stationiert und mit einer griechisch-jüdischen Geliebten liiert, Aydas alleinerziehende Mutter flüchtete sich in den 80er Jahren mit ihrer Tochter hierher, um ihren Depressionen zu entkommen.

Verliebt und lauernd zugleich, umkreisen die Türkin Ayda und der Deutsche Ernst sich und ihre familiären Prägungen. Erscheint der andere auf den ersten Blick attraktiv fremd, entdecken sie auf den zweiten ihr artverwandtes Leiden: ihre dynamisch-brüchigen Biografien scheinen ins Stocken geraten zu sein. Sie stochern in der Vergangenheit, verzweifeln an ihren eigenen Erwartungen, sind bereits mit der Verantwortung für sich selbst überfordert und nehmen Visionen lieber nicht ernsthaft in den Blick.
  
Mit Kalami Beach hat Akın Emanuel Şipal einen Beziehungsblues im gleißenden Insellicht geschrieben, ironisch, leichtfüßig, mit kühlem Humor und angriffslustig gegenüber einem erschöpften Europa, für das seine beiden Figuren ein schönes Sinnbild abgeben.

Nachrichten