Bertolt Brecht
Leben des Galilei

Bertolt Brecht
© Konrad Reßler/Stadtmuseum München

Schauspiel

10 Damen, 42 Herren, Doppelbesetzungen möglich

UA: Schauspielhaus Zürich
09.09.1943
Regie: Leonard Steckel

Synopse

Galileo Galilei, Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts, baut ein holländisches Fernrohr nach und verkauft es aus finanzieller Not als eigene Erfindung an die Stadt Padua. »Vermittels des Fernrohrs entdeckt Galilei am Himmel Erscheinungen, welche das kopernikanische System beweisen.« Die Verkündung seiner Entdeckung bringt ihn in Konflikt mit der katholischen Kirche, die aus Angst vor sozialen Veränderungen am ptolemäisch-geozentrischen Weltbild festhält und von ihm den Widerruf seiner »ketzerischen« Lehren verlangt. Entgegen der Erwartung seiner Vertrauten beugt er sich dem Willen der Kirche. Erst am Ende seines Lebens bekennt Galilei: »Hätte ich widerstanden, hätten die Naturwissenschaftler etwas wie den hippokratischen Eid der Ärzte entwickeln können, das Gelöbnis, ihr Wissen einzig zum Wohle der Menschheit anzuwenden!«

Gegenüber der 1938/39 im dänischen Exil geschriebenen Fassung verschiebt Brecht seit der zweiten Fassung von 1945, unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, den Fokus des Stücks vom Kirchen-Macht-Konflikt der Wissenschaft hin zu Fragen nach ihren politischen und gesellschaftlichen Bedingungen: »Die Atombombe ist sowohl als technisches als auch als soziales Phänomen das klassische Endprodukt seiner wissenschaftlichen Leistung und seines sozialen Versagens.«      B.B.

 

 

 

#HowToBrechtToday

Warum heute noch Brechts Leben des Galilei lesen? Welche Bedeutung hat
das Stück heute? Erdmut Wizisla (Leiter Bertolt-Brecht-Archiv) gibt eine
aufschlussreiche Zusammenfassung und Inhaltsangabe und spricht darüber,
wie es um die Verantwortung der Wissenschaft steht.