Jörn Klare
Melken

Jörn Klare
© Max Zerrahn

UA: Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar
18.11.2016
Regie: Hasko Weber

Synopse

Ein alter Mann sitzt auf gepackten Koffern am Fenster seines Hauses. Das Dorf im Osten der Republik, in dem er sein Leben als Melker verbracht hat, soll er verlassen und zu seiner Adoptivtochter in den Westen ziehen. Denn für einen Platz im Heim reicht seine Rente nicht. Mit dem Auto wollte sie ihn abholen, nun sitzt er schon geraume Zeit, wartet und denkt, dass er ohnehin nicht in den Westen gehört. Seine Heimat ist ihm lange schon abhandengekommen, spätestens seitdem er seine Arbeit verloren hat. Die Zeit des Kollektivs, der Ordnung und der Feste – Betriebsfest, Brigadefest, Erntefest – ist vorbei. Und jetzt kommen die Fremden in das fast verlassene Dorf. Sie sind ihm nicht geheuer, genauso wenig wie die wenigen Jungen, die geblieben sind und von den ›guten alten Zeiten unter Adolf‹ sowie der Verteidigung der Heimat schwafeln.

Da nützt auch ein spontaner Aufstand im ehemaligen Konsum, jetzt ›Supermarkt‹, nichts mehr. Vom Kassenfließband schreit er der Verkäuferin sein komisch-bitteres Resümee entgegen: »Ich werd schon lange abkassiert und auch gemolken. Ich, der ich selbst ein Melker war.«

Melken ist das genaue soziale Psychogramm eines Menschen, der sich widerstandslos in drei Gesellschaftssysteme gefügt hat und am Ende so erstaunt wie ratlos vor der eigenen Biografie steht.

»Der Osten, der die Heimat war, ist fort. Und dem Westen war es zu weit, der ist hier gar nicht angekommen.«

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