Enis Maci
Mitwisser

Enis Maci
© Max Zerrahn

NEU

5 DarstellerInnen, Besetzung variabel

UA: Schauspielhaus Wien
24.03.2018
Regie: Pedro Martins Beja

Synopse

Drei Verbrechen stehen im Zentrum von Enis Macis poetischer Kartografie einer verrohenden Welt. Dabei geht es der Autorin weniger um die Täter als um das zugrundeliegende System der Gewalt: die Mitwisser.

27°20‘01.6“N 80°20’40.9“W. PORT ST. LUCIE, FLORIDA, USA:
Eine Stadt am Rande der Sümpfe. In dieser seltsam schwülen Atmosphäre wachsen junge Menschen auf, viele sind es nicht mehr. Die Stadt eignet sich eher für Rentner – jenseits von Golfplätzen, anonymen Apartmentblocks und Altenheimen gibt es wenig zu erleben. Da kommt es dem Freundeskreis aus der Highschool gerade recht, als der Teenager Tayler Hadley eine Einladung zu einer Party in seinem Elternhaus an seine WhatsApp-Gruppe schickt. Doch das Treffen der Jugendlichen gerät außer Kontrolle.

38°08‘40.0“N 31°13‘28.1“E KORUYAKA KÖYÜ, YALVAÇ, ISPARTA, TÜRKEI, ASIEN:
Am anderen Ende der Welt wird Nevin Yildirim in der Türkei Opfer eines Verbrechens, und der Täter ist ein Verwandter. Sie will, dass er bestraft wird, auf die Justiz kann Nevin allerdings nicht warten. Wie weit darf sie gehen? Wo verlaufen die Grenzen zwischen nachvollziehbarem Impuls und blindem Affekt? Und kann Rache jemals legitim sein?

51°35‘07.4“N 6°45‘29.6“E. DINSLAKEN-LOHBERG, DEUTSCHLAND, EUROPA:
Die ehemaligen Industrielandschaften des Ruhrgebiets sind von Arbeitslosigkeit und Bevölkerungsschwund gekennzeichnet. Vielen Bewohnern bietet diese Gegend nur noch wenig Perspektive. Der samstägliche Gang ins Fußballstadion gehört zur kulturellen DNA. Im Lauf der Jahrzehnte haben sich in dieser von Migration geprägten Gegend zwischen stillgelegten Kohlezechen, Industriebrachen und Fußballstadien salafistische Parallelgesellschaften herausgebildet. Der junge Nils Donath, geboren als Sohn »einer ganz normalen Familie«, entschließt sich bald zum denkbar radikalsten Bruch mit der westlichen Kultur.
Wie eine Drohne observiert Enis Maci irritierende Topografien und beschreibt mit großer Poesie eine aus den Fugen geratene Welt. In ihrem lyrischen Epos stellt sie das Ungeheure, Monströse neben das Alltägliche und verknüpft beides zu einem düsteren Panorama. Im Zentrum stehen drei reale Kriminalfälle. Mehr als auf die Täter richtet sie ihren Blick auf die Szenerien, auf Ökosysteme, die solches Handeln zulassen.

Mit Maci gewinnt das deutschsprachige Theater eine kraftvolle neue Stimme, deren dunkel schillernde Poesie es dringend zu entdecken gilt.

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