Sivan Ben Yishai
ODER: DU VERDIENST DEINEN KRIEG (EIGHT SOLDIERS MOONSICK)

Sivan Ben Yishai
© Max Zerrahn

Besetzung Variabel

Synopse

Acht junge warme weibliche Körper, bekleidet nur mit langen T-Shirts, liegen in einem Zelt, atmen im Gleichklang und beschützen die Gewehre, die unter ihren Matratzen auf den nächsten Einsatz warten. Auch tagsüber funktionieren die jungen Soldatinnen wie ein gemeinsamer Körper, beim Morgenappell, beim Schießen, beim Duschen. Sie formieren sich intuitiv zu einer Selbstschutzeinheit im Alltag des Militärdienstes, zwei Jahre lang
»Acht 18 Jahre alte Soldatinnen, die vor 2 Jahren ihren 16ten gefeiert haben.
Acht 18 Jahre alte Soldatinnen, die vor 4 Jahren ihren 14ten gefeiert haben
und die meisten von ihnen schlafen noch wie Babys.«

In ODER: DU VERDIENST DEINEN KRIEG entwirft Sivan Ben Yishai eine oder-Dramaturgie, um sich in immer neuen Anläufen und Bildern dem Pflichtdienst am Vaterland zu nähern, dieser kollektiven Erfahrung, die alle jungen Israelischen Frauen und Männer teilen. Ihr Nachdenken über diese jugendliche Erfahrung ist zugleich deren Neuerfindung: der eingerollte, abgelagerte Erinnerungsteppich wird entfaltet und neu betrachtet. Der Welt, die sich da auftut, zu entkommen, ist nur im Schlaf möglich – und im Tod. So wird die Ich-Erzählerin zu einer mondsüchtigen Schlafwandlerin und zu einer Rekrutin, die auf immer groteskere Art und Weise im Dienst zu Tode kommt. In diesen Versuch der poetischen Rekonstruktion, mischt sich eine weitere Stimme, männlich, gut gelaunt und mit klar interpretierendem Blick: die des Vaters. Er weiß, was die Welt zu bieten hat und wie sie funktioniert. In einem Campingbus steuert er seine Frau und seine zwei kleinen Mädchen durch ein Land im Selbstverteidigungsrausch und schmettert dabei die Hits der 80er. Ben Yishai bewegt diese beiden Zeit- und Erzählstränge aufeinander zu, Kindheit und Jugend, Vaterzeit und Militärzeit fusionieren zu einem Bildsystem. Es geht um den Sexismus eines Systems, in dem Vater und Vaterland mit den besten Absichten zusammen wirken.

Im vierten und letzten Teil ihrer Tetralogie LET THE BLOOD COME OUT TO SHOW THEM setzt sich die Autorin mit der Frage auseinander, welche unsichtbaren Spuren der obligatorische Dienst am Vaterland in den jungen Körpern und Psychen hinterlässt – und welche Spuren in der Psyche des Landes selbst: Wo verbucht es seine verehrten, versehrten, verstoßenen SoldatInnen?


Das Stück entstand in einem Kooperationsprojekt des Literarischen Colloquiums Berlin, des Maxim Gorki Theaters, des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben und der Robert-Bosch-Stiftung.
Es wird am 26.10. 2018 im Rahmen von »Krieg im Frieden« erstmals am Maxim Gorki Theater in der Regie von Leonie Kubigsteltig präsentiert.

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