Jagoda Marinic
Therapie. Ein Spiel

Jagoda Marinic
© Jürgen Bauer

1 Dame, 1 Herr, 1 Dekoration

UA: Erstlesung: Heidelberger Stückemarkt
30.04.2005

Synopse

Natürlich Mann und Frau: Herr Z. spielt einen Schauspieler, der einen fünfzigjährigen Choleriker spielt, der eine Stunde lang Therapeut spielen soll. Sie spielt eine junge Schauspielerin, die eine junge Therapeutin spielt, die eine Sitzung lang Patientin spielen soll. Als wäre das nicht genug, sind die beiden Darsteller ein frisch getrenntes Paar: Sie hat ihn betrogen und erwartet ein Kind. Der Vater des Kindes ist ihr Geheimnis, das so lange wie möglich gewahrt werden soll, nicht zuletzt, um Herrn Z. zu schonen. Ihre zunehmend sichtbar werdende Mutterschaft verhilft Herrn Z. zu jener cholerischen Grundfärbung, die seine Figur verlangt. Diese teilt in so mancher Weise sein Schicksal: ein alternder Mann in einer Lebenslüge, die ihn einholt. Er ist – trotz seiner Unfruchtbarkeit, die er seiner Familie bis heute verheimlicht – Vater zweier Söhne. In letzter Zeit läßt ihm alles keine Ruhe mehr, und er brüllt »dem Leben in die Fresse«, so wie ihm »das Leben in die Fresse brüllt«, was ihn geradewegs auf die Couch katapultiert. Nun sitzt er in Therapie. Dort verhandelt er statt seiner Probleme das Verhältnis von Macht und Ohnmacht eines Patienten gegenüber seinem Therapeuten. Seine hilflose junge Therapeutin verordnet ein Rollenspiel: Er spielt den Therapeuten, sie die Patientin. Womit wir am Anfang des Stückes wären.