Karl Dedecius

Karl Dedecius
© Isolde Ohlbaum

Karl Dedecius, 1921 in Lodz geboren, galt als bedeutendster Mittler polnischer Literatur und Kultur in Deutschland. Als Übersetzer hunderter Bücher, Autor zahlloser Reden und Aufsätze, Herausgeber der Polnischen Bibliothek, Gründer des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt wurde er vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1990), dem Orden des Weißen Adlers (1999) in Polen und dem Deutschen Nationalpreis (2010). Karl Dedecius starb am 26. Februar 2016 im Alter von 94 Jahren in Frankfurt am Main.

Zum Tod von Karl Dedecius


»Nach diesem Krieg wird sich in Deutschland niemand mehr für slawische Literatur interessieren«, habe ihm Peter Suhrkamp beschieden, als er sich 1953 als Lektor und Übersetzer beim Verlag bewerben wollte. Karl Dedecius heuerte bei der Allianz Versicherung an und widmete die Abendstunden der polnischen Literatur. Mehr als 300 Veröffentlichungen, die 50 Bände umfassende Polnische Bibliothek im Suhrkamp Verlag, die Gründung des Polnischen Instituts Darmstadt sprechen von der ungebrochenen Schaffenskraft dieses einzigartigen Menschen. 1921 in Lodz geboren, zweisprachig aufgewachsen, wurde er zum polnischen Arbeitsdienst und dann in die Wehrmacht eingezogen. In Stalingrad geriet er in siebenjährige Kriegsgefangenschaft, die er überlebte, weil er sich dem Lesen und Übersetzen der russischen Lyrik verschrieb. Nachzulesen ist all das in seinen Erinnerungen Ein Europäer aus Lodz (2006). Sein Ziel, hundert Jahre alt zu werden, hat Karl Dedecius verfehlt. Er starb am 26. Februar 2016 und wurde am 8. März in Frankfurt von der Familie, den Freunden und einer großen Gemeinde polnischer und deutscher Weggefährten aus Kultur und Politik zu Grabe getragen. Der Lyriker und Essayist Adam Zagajewski, kürzlich in Berlin mit dem Jean-Améry-Preis ausgezeichnet, hat uns seine auf Deutsch verfasste Trauerrede zur Veröffentlichung überlassen. Wir danken ihm herzlich. (Katharina Raabe)

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