Andreas Neumeister
Angela Davis löscht ihre Website - Listen, Refrains, Abbildungen

Angela Davis löscht ihre Website
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Erschienen: 26.08.2002
edition suhrkamp 2310, Broschur, 126 Seiten
ISBN: 978-3-518-12310-2

Inhalt

»Erst wenn schließlich auch die Werbeblöcke gestrichen werden,« so eine zuverlässige Faustregel, »ist die Sache wirklich ernst.« Eine weltmachterschütternde Kamikaze-Aktion oder wenigstens ein rekordverdächtiger Amoklauf vor der eigenen Haustür – es muß knüppeldick kommen, um die tägliche Infotainment-Maschinerie aus dem Takt zu bringen. »Das System, in dem wir leben«, ist auf den ersten Blick mehr ein mediales als ein politisch-ökonomisches. Auf den zweiten Blick ist beides identisch.

In »Angela Davis löscht ihre Website« verbinden sich politisches Denken und Pop, der forcierte Blick auf die Gegenwarts-Oberfläche und dessen ständige Infragestellung vor dem Hintergrund der Historie auf. »Vortäuschung falscher Tatsachen«, so die Frage, »oder Vortäuschung richtiger Tatsachen?« Schwer zu durchschauen – gerade angesichts von Gewalt und kriegerischer Auseinandersetzung und ihren jeweiligen Rechtfertigungen –, was Realität ist, was Medienrealität, was auslösende Gewalt, was angeblich gerechte »Vergeltung der Vergeltung der Vergeltung«.

»Gibt es die neue Weltordnung schon?« In »Angela Davis löscht ihre Website« geht es um nichts Geringeres als um »das Zeitalter, in dem wir leben/ die Epoche, in der wir leben«, in der Gegensätze und Haltungen mitunter ununterscheidbar geworden sind; Veronas Welt und Sofies Welt stehen ebenso selbstverständlich nebeneinander wie MTV und CNN. »Kriegsfilm?/ Antikriegsfilm?/ Kriegsberichterstattung?« heißt es wiederholt aus dem Off, denn es gilt die unmißverständliche Losung: »seit 5 Uhr 45 wird zurückgefragt.«

Pressestimmen

»Denn was Neumeister als Sampler und Jäger an strahlungsaktivem Giftmüll aus den magischen und oftmals manischen Kanälen gefischt hat, könnte in dieser Konzentration einer Gehirnwäsche als Libretto dienen. ›Angela Davis löscht ihre Website‹ ist eine Art negativer ›Perlentaucher‹. Während dieser die Feuilletons im Netz auswertet, birgt Neumeister den ins kollektive Unbewußte abgesunkenen Kulturabfall wie eine Schatzkiste voll schwarzer Preziosen.«
Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung
»Neumeisters Konsequenz ist radikale Skepsis, das Denken und Schreiben in Gegensätzen und Widersprüchen, eine aus der Erkenntnisnot geborene Indifferenz dem Wort- und Weltmaterial gegenüber, die eigentlich nur noch die Collage als Form zuläßt. Denn nur mit ihr läßt sich weiterschreiben, ohne dem Leser Sinnzusammenhänge, mithin eine Wahrheit zu präjudizieren. … Neumeisters Avantgardekonzept ist planvoll und konsequent durchgeschrieben.«
Frank Schäfer, Jungle World
»Freischwebende Radikale, Partikel, Plankton der Moderne. – So wie er vorsichtig die Nadel in eine Rille senkt, wenn er auflegt, nähert Neumeister sich jedem Satz mit freundlicher Stimme und streicht die Fundstücke glatt. … Sätze zerknüllt, gelöscht, recycelt, mit keiner eindeutigen Halbwertszeit, Parasiten, der Klang unserer Welt. Andreas Neumeister macht daraus ein Stück, Track, Lied, nein, einen Song: Die Melodie verschleppt langsam, Breakbeats auf 16 Umdrehungen, von der ersten bis zur letzten Seite. Denn er weiß: Sprache ist Musik.«
Sven Lager, de:bug

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