Staffan Müller-Wille, Hans-Jörg Rheinberger
Das Gen im Zeitalter der Postgenomik - Eine wissenschaftshistorische Bestandsaufnahme

Das Gen im Zeitalter der Postgenomik
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Erschienen: 21.09.2009
eu 25, Broschur, 155 Seiten
ISBN: 978-3-518-26025-8

Inhalt

Seine Position als zentrales organisierendes Thema der Biologie des 20. Jahrhunderts verdankt ‚das Gen’ weniger endgültigen wissenschaftlichen Befunden als vielmehr der Tatsache, daß der ihm entsprechende Forschungsgegenstand, sein ‚epistemisches Objekt’ also, sich Zug um Zug instrumentell vermittelter, experimenteller Handhabung erschloß.

Mit der Komplettierung der Sequenzen ganzer Genome, insbesondere des Humangenoms, ist die Genetik – als Wissenschaft ein Kind des 20. Jahrhunderts – erneut an den Rand eines grundlegenden Denkwandels getreten. Vielfach werden Stimmen laut, die den Genbegriff zu Gunsten systemischer Perspektiven in Frage stellen oder gar ganz aufgeben wollen. Auf der anderen Seite treten überwunden geglaubte Denkfiguren wie die Vererbung erworbener Eigenschaften oder die Einteilung des Menschen nach ‚Rassen’ wieder in das Blickfeld wissenschaftlicher und medizinischer Debatten. Um den Gegenwartshorizont des Genetischen angesichts dieser verwirrenden Situation abzustecken, ist eine historische Standortbestimmung angebracht. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass ‚das Gen’ das zentrale organisierende Thema der Biologie des 20. Jahrhunderts war. Ein Blick auf die Geschichte der Genetik und Molekularbiologie zeigt jedoch, dass es nie eine allseits akzeptierte Definition des Gens gegeben hat. Vielmehr befand sich der Begriff, und dies ist keineswegs untypisch für historisch einflußreiche wissenschaftliche Begriffe, immer im Fluß.

"Was am 'Jahrhundert des Gens' faszniert, ist seine ungeheure Dynamik, und sie scheint sich im Zeitalter der Postgenomik ungebrochen fortzusetzen. Gerade dies sollte uns jedoch veranlasen - vor allem angesichts der historischen Erfahrungen, die mit der Umsetzung eugenischer Programme im vergangenen Jahrhundert gemacht wurden -, allen Arten von Heilsversprechen skeptisch gegenüberzustehen, ohne deshalb die tatsächliche ...

Inhalt

Seine Position als zentrales organisierendes Thema der Biologie des 20. Jahrhunderts verdankt ‚das Gen’ weniger endgültigen wissenschaftlichen Befunden als vielmehr der Tatsache, daß der ihm entsprechende Forschungsgegenstand, sein ‚epistemisches Objekt’ also, sich Zug um Zug instrumentell vermittelter, experimenteller Handhabung erschloß.

Mit der Komplettierung der Sequenzen ganzer Genome, insbesondere des Humangenoms, ist die Genetik – als Wissenschaft ein Kind des 20. Jahrhunderts – erneut an den Rand eines grundlegenden Denkwandels getreten. Vielfach werden Stimmen laut, die den Genbegriff zu Gunsten systemischer Perspektiven in Frage stellen oder gar ganz aufgeben wollen. Auf der anderen Seite treten überwunden geglaubte Denkfiguren wie die Vererbung erworbener Eigenschaften oder die Einteilung des Menschen nach ‚Rassen’ wieder in das Blickfeld wissenschaftlicher und medizinischer Debatten. Um den Gegenwartshorizont des Genetischen angesichts dieser verwirrenden Situation abzustecken, ist eine historische Standortbestimmung angebracht. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass ‚das Gen’ das zentrale organisierende Thema der Biologie des 20. Jahrhunderts war. Ein Blick auf die Geschichte der Genetik und Molekularbiologie zeigt jedoch, dass es nie eine allseits akzeptierte Definition des Gens gegeben hat. Vielmehr befand sich der Begriff, und dies ist keineswegs untypisch für historisch einflußreiche wissenschaftliche Begriffe, immer im Fluß.

"Was am 'Jahrhundert des Gens' faszniert, ist seine ungeheure Dynamik, und sie scheint sich im Zeitalter der Postgenomik ungebrochen fortzusetzen. Gerade dies sollte uns jedoch veranlasen - vor allem angesichts der historischen Erfahrungen, die mit der Umsetzung eugenischer Programme im vergangenen Jahrhundert gemacht wurden -, allen Arten von Heilsversprechen skeptisch gegenüberzustehen, ohne deshalb die tatsächliche Leistungsfähigkeit der modernen Genomforschung naiv zu unterschätzen."

 

 

Pressestimmen

»Die Wissenschaftshistoriker Staffan Müller-Wille und Hans-Jörg Rheinberger haben viele Fakten aus den letzten 100 Jahren Genetik zusammengetragen, die den meisten Biologen unbekant sein dürften. Auch wenn die Lektüre nicht unbedingt leicht ist, ist sie vor allem Studenten und Wissenschaftlern, die das Leben erforschen wollen, zu empfehlen.«

Michael Lange, Deutschlandfunk

»Während Biotechnologen eine goldene genmanipulierte Zukunft versprechen, scheint die Genetik paradoxerweise am Ende zu sein. »Postgenomik« nennen die Wissenschaftshistoriker Staffan Müller-Wille und Hans-Jörg Rheinberger die gegenwärtige Phase und lösen in ihrem vorzüglichen Büchlein den scheinbaren Widerspruch in einer pragmatisch fundierten Wissenschaftstheorie auf. »In diesem Bändchen bündeln wir ein Jahrhundert genetischer Forschung«, lassen die Autoren lakonisch wissen. Dann starten sie zu einer Tour de force durch die Biologiegeschichte von Darwin bis zur Bioinformatik.«

Manuela Lenzen, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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