Louis Begley
Der Fall Dreyfus - Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte

Aus dem Englischen von Christa Krüger
Der Fall Dreyfus
Leseprobe » Bestellen »


D: 9,99 €
A: 10,30 €
CH: 14,90 sFr

Erschienen: 12.12.2011
suhrkamp taschenbuch 4304, Broschur, 248 Seiten
ISBN: 978-3-518-46304-8

Inhalt

Im September 1894 entdeckte der französische Geheimdienst eine undichte Stelle im Generalstab der Armee: Militärische Geheimnisse wurden verraten, ausgerechnet an die Deutschen. Wenige Wochen später wurde Hauptmann Alfred Dreyfus trotz mangelnder Indizien verhaftet, des Landesverrats für schuldig befunden und zu lebenslanger Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt. Kaum jemand zweifelte an der Richtigkeit des Urteils: Dreyfus war Jude. Louis Begley schöpft aus seinem reichen Wissen als Anwalt und rekonstruiert den heute fast vergessenen Fall. Dabei schlägt er geschickt eine Brücke in die Gegenwart: Wie die Gefangenen von Guantánamo wurde Dreyfus von einem unfairen und gegen ihn voreingenommenen Militärgericht verurteilt.

Begley zeigt, wie Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft funktionieren, damals wie heute: Vorannahmen führen zur Anklage, Racial Profiling ersetzt die Suche nach der Wahrheit, Beweise werden fabriziert. Guantánamo liegt der Teufelsinsel näher, als man glauben mag.

Pressestimmen

»Dass sich Begley in seiner Darstellung vor allem auf den höchst fragwürdigen juristisch-prozessualen Verlauf der »Dreyfus-Affäre« beschränkt, ist die Stärke dieses Buchs. Schritt für Schritt deckt Begley auf, wie eine von der Politik und der Mehrheitsmeinung gedeckte, voreingenommene Militärführung und Militärgerichtsbarkeit, die sich auf fragwürdige und vor allem auch gefälschte Indizienbeweise beruft, eine auf den Vorwurf der Spionage für das Deutsche Reich gestützte Anklage konstruiert, die eine Verurteilung des unschuldig Beschuldigten Dreyfus förmlich erzwingt.«

Johannes Willms, Süddeutsche Zeitung

Begley schreibt »mit der kennerhaften Liebe zu Frankreich, die einem aus seinen Romanen vertraut ist. Mit der Leidenschaft eines Amerikaners, der sich für die Rechts-Barbarei der Bush-Regierung von Anbeginn geschämt hat. Vor allem aber mit der Finesse des Juristen: Scharfsinnig zergliedert er die Folge von (Schein-)Prozessen, Verdunkelungen und von der Armeeführung begangenen Fälschungen und Betrügereien. Überzeugend ordnet er die Geschehnisse in die Geschichte Frankreichs ein, gibt der Scham über die Niederlage gegen Deutschland 1871 ebenso ihren Ort wie der steigenden Flut des Antisemitismus.«

Andreas Isenschmid, NZZ am Sonntag

»Was hat der Fall Dreyfus mit Guantánamo zu tun? Louis Begley hat in seinem Essay »Der Fall Dreyfus« ein politisches Statement vorgelegt, das es in sich hat. Begley, nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern darüber hinaus auch ein Jurist von hohen Graden, hat sich eines Themas angenommen, das die amerikanische Öffentlichkeit gegenwärtig in starkem Maße beschäftigt. Müssen wir, so fragt Begley, Guantánamo nicht anders beurteilen, liegt es nicht sehr viel näher an der vor Französisch Guayana liegenden Teufelsinsel, auf der einst der aus dem Elsass stammende französische Hauptmann Alfred Dreyfus 1894 auf Grund falscher Anschuldigungen hin verbannt worden war.«

Julius H. Schoeps, Die Welt

Kommentieren