Angelika Neuwirth
Der Koran

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Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang - Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang

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CH: 53,90 sFr

Erschienen: 15.11.2010
Gebunden, 859 Seiten
ISBN: 978-3-458-71026-4

Inhalt

Ist der Koran ein rein islamischer und damit uns fremder Text? Oder ist er nicht eher eine neue und eigenwillige Stimme in jenem Konzert spätantiker Debatten, in denen auch die theologischen Grundlagen der jüdischen und christlichen Religion gelegt worden sind? Nicht den Koran müssen wir aufgrund neuer Handschriftenfunde oder mit Hilfe linguistischer Experimente ummodellieren – unsere Perspektive auf den Koran müssen wir entscheidend ändern, wenn wir seine revolutionäre Neuheit in den Blick bekommen wollen. Angelika Neuwirth, Leiterin des Forschungsprojekts Corpus Coranicum – Textdokumentation und historisch-kritischer Kommentar zum Koran an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, liest den Koran als Text der Spätantike, einer Epoche, die auch für die europäische Kulturgeschichte formativ war. Der Koran wird so als ein vertrauter Text erkennbar, den wir unbeschadet zum ‚europäischen Erbe‘ rechnen könnten, trennten ihn nicht uralte Vorurteile von einer unvoreingenommenen Wahrnehmung. Mit diesem Band eröffnet Angelika Neuwirth ihre große kommentierte Koranausgabe, die ab 2011 im Verlag der Weltreligionen erscheinen wird: Der Koran.


Mit historisch-kritischem Handkommentar.
Aus dem Arabischen übersetzt und kommentiert von Angelika Neuwirth


Band 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren
Band 2: Ein neues Gottesvolk. Mittelmekkanische Suren
Band 3: Eine Ecclesia militans. Spätmekkanische Suren
Band 4: Im Kreis der Erben biblischer Tradition. Frühmedinische Suren
Band 5: Die Gemeinde als Statthalterin Gottes auf Erden. Spätmedinische Suren

»Der verkannte Koran«, Angelika Neuwirth spricht  in »Lettre International« mit Adalbert Reif

Reif: Worauf beruht die „Eigengesetzlichkeit“ des Korans als „mündlicher Schrift“?

Neuwirth:…Die Mündlichkeit des Korans mag aus unserem Erwartungshorizont fremd erscheinen; ihre positive Wertung ist aber nicht abwegig. Auch im Judentum hat sich die jeweils ›zeitgemäße‹ Neudeutung der biblischen Texte bewährt. In einer Zeit, als das Hebräische nicht mehr als bekannt vorausgesetzt werden konnte, wurde in sogenannten Targumim eine ›theologische Übersetzung‹ – eine Wiedergabe der biblischen Texte im Licht ihrer inzwischen erreichten Deutung – unternommen; es entstand eine ›Neuschreibung‹ der biblischen Texte, die auch im Gottesdienst zur Verlesung kam. Die schubweise Mitteilung von koranischen Texten an die Gemeinde ist damit vergleichbar: Auch im Fall des Korans wurden bekannte Mitteilungen im Licht einer neu erreichten Weltsicht neu formuliert und mit neuen Fragen in Verbindung gebracht. Die am Koran so oft beanstandeten Wiederholungen ähnlicher Erzählungen und Argumentationen haben hier ihren Ursprung: Sie stellen jeweils neue Reflexionen eines Gegenstands im Licht veränderter Einsichten dar.

Reif: Spielt die Mündlichkeit des Korans heute eine Rolle?

Neuwirth: Der Koran blieb vorwiegend mündlich. In einem islamischen Gottesdienst fehlt das im ostkirchlichen oder jüdischen Kontext in den Mittelpunkt gestellte Buch vollständig. Die Rezitation des Korans erfolgt auswendig. Auch der Beter in der Moschee hat – anders als der in der Synagoge – kein Buch in der Hand. Das Buch spielt nur im Lehrbetrieb eine Rolle, wo es um die rechtlichen und dogmatischen Implikationen des Textes geht. Im Kultus begegnet der Koran nur als gesprochenes Wort.

© »Lettre International« Heft 93
Weitere Informationen zum Interview erhalten Sie hier.

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Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang Bd. 1: Frühmekkanische Suren. Poetische Prophetie Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth.