»Solche Bücher werden gebraucht in Zeiten des Epochenwandels: Romane von visionärer Kraft, die weiter blicken, weil sie tiefer schürfen. Die vor Irrwegen warnen, weil sie Utopien entlarven. ... Der Charme dieses Buches liegt darin, sein Alter vergessen zu lassen, so klar nimmt es Entwicklungen vorweg. Wenn wir es lesen wie gestern geschrieben, dann können wir den Wahnsinn von Verdun erkennen, das brennende Dresden, den Untergang des Bösen im Bunker, Stasistaat, Scientology und die Weltpolizei im Dienste von Demokratie und Kapital. Mit den Augen des frühen 21. Jahrhunderts liest es sich wie eine Endzeitvision von beklemmender Aktualität.«
Jürgen Neffe, Die Zeit
»Dieser fantastische Roman hat in den letzten 100 Jahren kein bisschen Staub angesetzt. Auch wenn die Zeitungen sich überschlagen mit der visionären Kraft von der die Geschichte nur so strotzt – fasziniert mich, dass es eine brillante Story ist, die damals und jetzt funktioniert und begeistert. Wer fantastische Literatur mag, sollte sichergehen, dass auch Kubin in seiner Sammlung nicht fehlt.«
highlightzone.de
»Das eigentlich Phantastische an diesem bildgewaltigen hundertjährigen Klassiker phantastischer Literatur ist seine unendliche Biegsamkeit: Man kann diesen Roman lesen als subjektive Grenzerfahrung, als brachiale, traumwandlerische Triebentleerung, als Studie über Depression. Man kann ihn freilich lesen als Text seiner Zeit, als Ausdruck jener typischen Jahrhundertwendenerschöpfung durch (zu viel) Zivilisation, in welcher nun der expressionistische Kraftmensch protzt und schwächelt. Dann wieder schwingt Systemkritik mit.«
Anja Hirsch, FAZ
»Alfred Kubins einziger Roman erschien bereits 1909; seine prophetischen Qualitäten wurden jedoch erst mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs deutlich. ... 100 Jahre spätern könnte man erneut versucht sein, Kubins »phantastischen« Roman, der sowohl Expressionisten wie auch Surrealisten begeisterte, als bizarre Vorwegnahme zu deuten. Diesmal allerdings im Zeichen einer Finanzkrise, die die Fantastilliarde zur allgegenwärtigen Größenordnung macht.«
Oliver Pfohlmann, FR
»Man hat dieses Buch, diesen großen, düsteren Klassiker der phantastischen Literatur, oft auch als Vorwegnahme der Schrecken des 20. Jahrhunderts gelesen. Aber seine seltsam prophetische Eigenschaft scheint doch immer noch zu gelten. Heutzutage könnte man es auch als Kommentar zur Selbstverwirklichung in der Virtualität verstehen. Wie man es auch interpretieren wird: Dieses Buch ist ein Solitär, ein Werk, das - literarisch wie bildlich - die Quellen der künstlerischen Imagination aufsucht und zu erschreckenden und bis heute faszinierenden Ergebnissen kommt.«
Katharina Döbler, Deutschlandradio Kultur
»Mit Alfred Kubins Roman Die andere Seite aus dem Jahr 1909, versehen mit 52 Zeichnungen des Verfassers, legt Suhrkamp einen Klassiker der schwarzen Moderne wieder auf. Kubins apokalyptische Traumvision wirkte stilbildend auf die Prager Szene sowie den Expressionismus. Und wenn die österreichische Gegenwartsliteratur wieder einmal halluziniert (von Ransmayr über Schrott zu Glavinic), hat meist Kubin Pate gestanden.«
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung
»1909 erschien der erste fantastische Roman der deutschen Literatur: »Die andere Seite« des genialen Zeichners Alfred Kubin. Das Buch ist jetzt in einer feinen Ausgabe mit den Illustrationen des Meisters selbst neu herausgekommen. Ich habe es gerade wieder gelesen und musste mich dabei immer wieder daran erinnern, dass das hundert Jahre alt ist. »Die andere Seite« ist noch taufrisch und beileibe nicht nur etwas für Liebhaber der Fantastik. Schade, dass Kubin es bei diesem einen Roman belassen hat.«
kreuzer Juli 2009
»Noch hundert Jahre nach seinem Erscheinen hat dieses Buch nichts an Qualität und Dringlichkeit verloren. Ganz im Gegenteil - vielleicht können wir es heute besser dennn je verstehen und von dieser Bildwelt lernen. Schließlich hätte Sigmund Freud auch niemals die Erfindung der Psychoanalyse wagen können, wenn es nicht Bücher wie dieses gegeben hätte.«
Marica Bodrozic, ORF