Robert Menasse
Die Hauptstadt - Roman

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Erschienen: 11.09.2017
Gebunden, 459 Seiten
ISBN: 978-3-518-42758-3
Auch als eBook erhältlich


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Inhalt

In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.

Alle Kommentare

Hat man zunächst sein Buch »Der Europäische Landbote« gelesen, ist man bereits präpariert, dass es Menasse wirklich ernst ist mit der EU.

Wenn gleich zu Anfang ein herrenloses Schwein durch Brüssels Straßen rast - unter Nennung aller Straßen, Plätze und Gebäude – ahnt man, dass sich gleich eine Tragikomödie vor uns ausbreiten wird wie ein Tintenlecks auf Löschpapier, bei der das Lesevergnügen zunimmt (und man heimlich Angst hat, dass sich Menasse womöglich in den vielen Verstrickungen der EU, die er, mal genüsslich, mal mit einem Hauch von Empörung, vor uns ausbreitet, selbst restlos und rettungslos verstricken könnte -

Er verstrickt sich nicht! Wohl nicht zuletzt deswegen, weil er gelernt hat, dass man in halbseitenlagen Bandwurmsätzen hin und wieder einen Punkt einsetzen kann, womit für den Leser nicht nur das Lesevergnügen gesteigert wird, sondern in ihm zusätzlich die Erkenntnis aufkeimt, dass es sinnvoll sein könnte, sich selbst etwas besser über die EU zu informieren. Sie ist, richtig verstanden und besser kommuniziert, etwas wie ein (dringend benötigter) Sicherungsfonds, den wir als Bollwerk gegen den immer kräftiger wuchernden Populismus und Rassismus verstehen und errichten können.

Vielleicht, nachdem sich Menasse nun in diese Materie eingearbeitet hat, verfasst er noch eine Art allgemeinverständlichen, praktischen EU-Ratgeber oder -Leitfaden für uns ahnungslose Europäer? Wäre nicht unklug, könnte in Stapeln neben den Buchhandlungskassen liegen, ich sehe schon vor mir, wie oft es mitgenommen wird.
Ingeborg Gollwitzer, 18.10.2017
Mein großartigstes Buch des Jahres. Gerade jetzt eine Woche nach der Wahl ungemein beklemmend, wie jemand die Tragik, das empfundene Un-Glück dieser Jahre ohne Krieg und ohne Not so trefflich ergreift, formuliert, in Geschichten packt! Keine Zeile zu viel, keine Episode aus früheren Notizen füllt ein paar Seiten, jede Seitenerzählung macht Sinn! Die ganze Tragik Europas in wenigen Figuren, ein Kammerstück, dessen Bühnen- und Filmversion man sofort in Angriff nehmen kann. Ein Meisterstück der Sprache und ein Krimi ohnegleichen, zumal das Schwein zum mehrfach besetzten Akteur wird, Irritation, Fake-News, Hinterlist, Handelsobjekt, Tötungsmaschine Schweinezucht... es könnte ewig so weitergehen und viele Bücher finden aus solcher Fabulierlust nicht mehr raus, das Tragische als Permanenz, die Ironie .... und doch findet die Geschichte ein Ende, wie es ebenfalls ergreifender nicht sein kann. 10 von 10 Punkten!
Juliane Witt , 01.10.2017
» … ein ungemein unterhaltsames Stück großer Literatur.«
Tobias Wrany, Buchhandlung Jost, 09.09.2017

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