Galsan Tschinag
Die Rückkehr - Roman meines Lebens
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Erschienen: 07.12.2009
suhrkamp taschenbuch 4141, Broschur, 253 Seiten
ISBN: 978-3-518-46141-9
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Galsan Tschinag ist ein Autor, der auf der Vorschlagsliste für den Literaturnobelpreis ganz oben stehen sollte. Mit ihm würde der Dichter eines kleinen Volkes und eines literarisch sonst kaum beachteten Landes geehrt, der zugleich ein Dichter der zeitgenössischen Weltliteratur ist. Wie wenige andere hat er die Kulturkontraste zwischen globaler Konsumzivilisation und archaischen Lebens- und Wertvorstellungen zum Thema seiner Dichtung gemacht. Zu den Besonderheiten dieses Dichters gehört es, dass er als Schamane und Stammeshaupt seines Volkes in der Sprache dieses Volkes in mündlicher Tradition dichtet, aber nicht in dieser Muttersprache schreibt, sondern auf Deutsch, der Sprache , die er studiert hat und für die er eine Sensibilität und auch Eigenart entwickelt hat, die ihn besonders auszeichnet und unverwechselbar macht. Aus den ganz anderen sprachlichen, kulturellen und lebensbestimmenden Erfahrungen seines Kindheit und seiner Heimat her kommend hat er diese für ihn zunächst fremde Sprache mit ihren Schätzen und Möglichkeiten für sich erforscht und entdeckt. Zugleich ist für ihn diese Sprache ein Tor zur Welt, für die er schreibt und für deren Leser er den geistigen und kulturellen Horizont über die Erfahrungen und Lebensweisen seines Volkes erweitert.
„Die Rückkehr“ nennt er einen „autobiografischen Roman“. Das stimmt insofern als Tschinag in diesem Buch von sich selbst erzählt, nicht seine Lebensgeschichte insgesamt, wenn auch die wichtigen Erfahrungen in diesem Leben immer wieder eine Rolle spielen. Im Wesentlichen beschreibt er die Ereignisse, die mit seiner Rückkehr zu seinem Volk nach vielen Lebensjahren als „Globetrotter“ in Verbindung stehen und an die er verschiedene Reflexionen knüpft. Dabei ist sein Blick weniger in die Vergangenheit als in die Gegenwart und Zukunft gerichtet. Er war nie ganz getrennt von seinem Volk, das er vor noch nicht 20 Jahren aus der Zwangszerstreuung in die alten Stammesgebiete im Altai-Gebirge und zu seiner nomadischen Lebensform zurückgeführt hat (beschrieben in „Die Karawane“). Aber auch nach dieser „mosaischen“ Leistung verbrachte er nur kurze Zeit im Jahr als Stammeshaupt und Schamane direkt bei seinem Volk, in der übrigen Zeit blieb er „Weltbürger“. Mit der „Rückkehr“ verlegt er seinen Lebensmittelpunkt ganz zu seinem Volk und teilt so die Lebensweise und die Sorgen dieses Volkes nicht mehr als nur beobachtend Handelnder, sondern als Mitlebender. „Die Rückkehr“ hat mit den eigenen Wurzel zu tun, die jeder Mensch und auch jede Kultur kennen. Mit dem Zugehen auf das Lebensende entfalten diese Wurzeln eine neue Kraft und Anziehung, führen zum „Selbst“ und zum Weiterleben in den überpersönlichen Zusammenhängen zurück. Somit liegt in der Selbstbeobachtung und den Erfahrungen, von denen hier erzählt wird, eine Symbolik, die für jeden Menschen und für jede Kultur ein Wegweiser in die je eigenen Entwicklungen sein kann. Ist „Die Rückkehr“ zugleich eine Bilanz der Lebenserkenntnisse und gewonnener Weisheit? Bei Tschinag war im Grunde immer alles schon da, beobachtet, be- und verarbeitet, geordnet und literarisch verfasst. Vielleicht fand er in der literarischen Verarbeitung auch eine notwendige Distanz zu den Ereignissen selbst, die sein Leben geprägt haben. In „Die Rückkehr“ wird diese Distanz aufgehoben, es findet auch eine Demaskierung statt, die Lebensbrüche und Eitelkeiten hervortreten lässt. Man kann dieses Buch nicht schnell lesen, sondern nur bedächtig. Auch der zum Teil manieristische Stil dieses Bericht-Romans lässt ein schnelles Lesen nicht zu. Vieles ist in zu weitschweifig erzählt und Manches zu autozentrisch. Natürlich dreht sich eine Autobiografie immer um den Autor selbst, aber hier ist es streckenweise doch ermüdend und die Selbstbescheidung, von der gelegentlich die Rede ist, eher kokettes Spiel. Die Aufmerksamkeit, die Tschinag in den früheren Büchern seinem Volk und dessen Kultur gewidmet hat, erfährt hier eine andere Perspektive: das Volk wird zum Zweck für die Selbstdarstellung des Autors. Schade, denn so hat das Buch nicht die Kraft und das literarische Niveau wie die Gedichte, Erzählungen, Romane und Berichte, die Tschinag bisher veröffentlicht hat und in denen er sich als großer Autor erweist. Aber auch die Werke von Autoren, die den Nobelpreis bekommen haben, sind nicht alle gleich qualitativ gelungen.
„Die Rückkehr“ nennt er einen „autobiografischen Roman“. Das stimmt insofern als Tschinag in diesem Buch von sich selbst erzählt, nicht seine Lebensgeschichte insgesamt, wenn auch die wichtigen Erfahrungen in diesem Leben immer wieder eine Rolle spielen. Im Wesentlichen beschreibt er die Ereignisse, die mit seiner Rückkehr zu seinem Volk nach vielen Lebensjahren als „Globetrotter“ in Verbindung stehen und an die er verschiedene Reflexionen knüpft. Dabei ist sein Blick weniger in die Vergangenheit als in die Gegenwart und Zukunft gerichtet. Er war nie ganz getrennt von seinem Volk, das er vor noch nicht 20 Jahren aus der Zwangszerstreuung in die alten Stammesgebiete im Altai-Gebirge und zu seiner nomadischen Lebensform zurückgeführt hat (beschrieben in „Die Karawane“). Aber auch nach dieser „mosaischen“ Leistung verbrachte er nur kurze Zeit im Jahr als Stammeshaupt und Schamane direkt bei seinem Volk, in der übrigen Zeit blieb er „Weltbürger“. Mit der „Rückkehr“ verlegt er seinen Lebensmittelpunkt ganz zu seinem Volk und teilt so die Lebensweise und die Sorgen dieses Volkes nicht mehr als nur beobachtend Handelnder, sondern als Mitlebender. „Die Rückkehr“ hat mit den eigenen Wurzel zu tun, die jeder Mensch und auch jede Kultur kennen. Mit dem Zugehen auf das Lebensende entfalten diese Wurzeln eine neue Kraft und Anziehung, führen zum „Selbst“ und zum Weiterleben in den überpersönlichen Zusammenhängen zurück. Somit liegt in der Selbstbeobachtung und den Erfahrungen, von denen hier erzählt wird, eine Symbolik, die für jeden Menschen und für jede Kultur ein Wegweiser in die je eigenen Entwicklungen sein kann. Ist „Die Rückkehr“ zugleich eine Bilanz der Lebenserkenntnisse und gewonnener Weisheit? Bei Tschinag war im Grunde immer alles schon da, beobachtet, be- und verarbeitet, geordnet und literarisch verfasst. Vielleicht fand er in der literarischen Verarbeitung auch eine notwendige Distanz zu den Ereignissen selbst, die sein Leben geprägt haben. In „Die Rückkehr“ wird diese Distanz aufgehoben, es findet auch eine Demaskierung statt, die Lebensbrüche und Eitelkeiten hervortreten lässt. Man kann dieses Buch nicht schnell lesen, sondern nur bedächtig. Auch der zum Teil manieristische Stil dieses Bericht-Romans lässt ein schnelles Lesen nicht zu. Vieles ist in zu weitschweifig erzählt und Manches zu autozentrisch. Natürlich dreht sich eine Autobiografie immer um den Autor selbst, aber hier ist es streckenweise doch ermüdend und die Selbstbescheidung, von der gelegentlich die Rede ist, eher kokettes Spiel. Die Aufmerksamkeit, die Tschinag in den früheren Büchern seinem Volk und dessen Kultur gewidmet hat, erfährt hier eine andere Perspektive: das Volk wird zum Zweck für die Selbstdarstellung des Autors. Schade, denn so hat das Buch nicht die Kraft und das literarische Niveau wie die Gedichte, Erzählungen, Romane und Berichte, die Tschinag bisher veröffentlicht hat und in denen er sich als großer Autor erweist. Aber auch die Werke von Autoren, die den Nobelpreis bekommen haben, sind nicht alle gleich qualitativ gelungen.
Hans Peter Weiß, 23.04.2010




