Ute-Christine Krupp
Greenwichprosa

Greenwichprosa
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Erschienen: 27.10.1997
edition suhrkamp 2029, Broschur, 102 Seiten
ISBN: 978-3-518-12029-3

Inhalt

»Orientierungspunkt Greenwich: Der Nullmeridian geht durch Greenwich, von dort zählt man 180 Grad nach Osten und 180 Grad nach Westen.« Ute-Christine Krupp leiht als »Augen- und Ohrenzeuge« ihre Stimme einer jungen Frau namens Lene Mertens. Die ist Bürokauffrau, in der Gegenwartsliteratur gewöhnlich keine tragende Rolle. Wir lesen ein poetisches 24-Stunden-Protokoll - einer in die helle und die dunkle Seite gespaltenen Zeit.
In einer Sprache, in der das Klappern der Tastatur und der Stundentakt nachhallen, beschreibt Ute-Christine Krupp einen ritualisierten und beispielhaften Alltagszyklus, in dem das Leben nur noch tabellarisch vorkommt. Aber - Lene Mertens kündigt. Auf der Suche nach einer anderen als der mechanischen Zeit. Stilistisch glanzvoll und streng komponiert, gelingt es Ute-Christine Krupp, unsere Wahrnehmung von Zeit sprachlich abzubilden.

Pressestimmen

»Die Wahrnehmung der Büroangestellten - eingeklemmt zwischen den Stunden- und Minutenzeigern - ist abgemagert auf ›eine Linie, die auf Feierabend zuläuft‹. Eine sterile Ordnung, auf deren Rückseite Obszönes wuchert. [...] Die Grammatik des Tages - das ist nicht nur das Staccato der Bild- und Geräuschfetzen der modernen Alltagskulisse. Das ist ebenso die fließbandhafte Monotonie jener ewiggleichen, bereits sinnentleerten Ritualien der Arbeitswelt: Von den eigenen Handgriffen über die Körperbewegungen bis hin noch zu den mittäglichen Kaugewohnheiten der anderen - nichts, was sich nicht wie mikroskopisch vergrößert, dem Auge unbarmherzig, ja schmerzhaft einprägen würde. Mit sicherer Hand wechselt Krupp dabei von impressionistisch-poetischen Momentwidergaben über schnell skizzierte Personentypisierungen zu einem starr aneinandergereihten Hauptsatzgefüge.«
Kölner Illustrierte
»Landschaften der Ruhe, Schönheit, Geborgenheit wie der Angst, die schließlich in einem ›Anfangsbild‹ kulminieren, einem Bild, das alle anderen erzeugte. Die assoziativen Ketten und variierenden Motive dieses Textgewebes begründen die Nähe zum Lyrischen, ›unerwartet bekam der Tag einen anderen Geschmack‹. In all seiner Leichtigkeit ist es doch überaus präzise organisiert, spielen die klaren Register der Texteinteilung bis in die Minutenangaben hinein mit der Unschärfe der Übergänge zwischen den Erzählebenen.«
Birgit Dahlke, moosbrand - neue texte 6, Janus Press
»Der Leser schwimmt mit oder geht unter in den Wogen des fragmentarisierten Daseins.«
Neue Zürcher Zeitung

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