Robert Menasse
Ich kann jeder sagen - Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung
D: 17,80 €
A: 18,30 €
CH: 31,00 sFr
Erschienen: 17.08.2009
Gebunden, 185 Seiten
ISBN: 978-3-518-42114-7
»Wenige können so unterhaltsam philosophische Geschichten schreiben wie Robert Menasse.«
Inhalt Inhaltsverzeichnis
Alles kommt wieder. Sogar die Erinnerungen. Wann war sie zu Ende, die Nachkriegsordnung? Als die Mauer fiel? An diesen 9. November 1989 wird sich das junge Paar, das die Hochzeitsnacht vor dem Fernseher verbrachte, ein Leben lang erinnern. Es hat in dieser Nacht deutsche Geschichte erlebt. Zufällig. Denn eigentlich wollten sie nur so schnell wie möglich heiraten. Und der nächste freie Termin beim Standesamt war der 9. November. Der 9. November war für den Vater des Bräutigams bis dahin mit dem Jahrestag der »Reichskristallnacht« verknüpft. »Pah, Geschichte«, sagt der Nachgeborene.
»Ich« kann jeder sagen. Dreizehn Ich-Erzähler erinnern sich an Erlebnisse und Ereignisse, die prägend wurden für ihr Leben. Erinnerungen an den Tag, als John F. Kennedy erschossen wurde, die RAF in Wien den Industriellen Palmers entführte, Griechenland Fußball-Europameister wurde.
Aus Erinnerungen wird Geschichte. Der große Fabulierer Robert Menasse erzählt, was wir erlebt haben, so daß wir uns erinnern, uns erkennen und Spätere uns verstehen. In seinen Geschichten ist die historische Wahrheit – sage »Ich« – gut aufgehoben.
Pressestimmen
»Diese dem Umfang nach kleinen Erzählungen des Robert Menasse ergeben ein großes Buch, was vor allem daran liegt, dass sie ausgesprochen sorgfältig komponiert sind, aber wirken, als seien sie einfach frisch von der Leber weg erzählt. ... Wohl kann »Ich« jeder sagen, aber keiner vermag es so vielschichtig wie Menasse.«
»Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse, Ex-Boxer, Hegelianer und Antihegelianer, hat das Buch für dieses Erinnerungsjahr geschrieben. Es heißt »Ich kann jeder sagen«, und im Untertitel »Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung«, und es pendelt genau zwischen diesen beiden Gewichtsklassen, zwischen dem lockeren »kann jeder« und dem schwergewichtigen »Nachkrieg, Ende, Ordnung« hin und her. Die Geschichte bricht ein in das Leben jedes Helden in den dreizehn Erzählungen des Bandes. ... Menasse verbindet ... Lebenspoesie und Geschichtswirklichkeit traumwandlerisch sicher und unaufdringlich miteinander.«
»Wie es keinen planvollen Gang der Geschichte gibt, so erzählt Menasse auch nicht stramm chronologisch, sondern in assoziierenden, scheinbar stets abschweifenden Bewegungen. ... Es ist eine Art Dekamerone der Neuzeit, das hintersinnig-abgründig zeigt, dass Schicksalswenden und Lebensbrüche nicht unbedingt ein Scheitern bedeuten müssen.«
»Dsa Geheimnis dieser Art von Literatur: Sie erzählt nebenbei Philosophisches, und das Philosophische be- und erleuchtet das Erzählen, das unaufdringlich zum Aphorismus, zur Sentenz führt...«
»Wir lesen, wir freuen uns, wir lassen uns packen. Erstklassige Lektüre!«
»Der Österreicher erzählt souverän, hintergründig und zum großen Vergnügen.«
»Robert Menasse dreht am Rad der Geschichte(n), er tut dies ironisch, nostalgisch und mit gewohnter Skepsis. Ein subtiles Buch im Jahr der Bedenk- und Gedenkinflation.«
»Der Österreicher Robert Menasse entwickelt seine dreizehn Geschichten, die den erratischen Untertitel «Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung» haben, an der Schnittstelle von historischem Ereignis und persönlicher Erinnerung; und er fragt, welche Legenden eine Generation so sehr prägen, dass die Individuen sie ihren privaten Lebensgeschichten einzuschreiben pflegen. Wer heute um die sechzig ist, glaubt ja längst, ein sogenannter 68er zu sein, wie wenig er mit dem, was damals geschah, auch aus eigenem Antrieb zu tun haben mochte.«
»Österreich hat jetzt ein neues Antikorruptionsgesetz. Statt mit so Langweiligem wie Geld sollte es sich mit so Kurzweiligem wie Menasses Erzählungen bestechen lassen. Nur gescheiter kann es davon werden.«
»Ein durchgehendes Motiv aller Erzählungen ist die Frage nach der autobiografischen Wahrheit. Für Menasse ist die Antwort klar: Die Lüge (oder sagen wir: die Übertreibung) ist meist die bessere Wahrheit. So ist dem Autor, wenn er von sich, seinem Büro in einem ehemaligen Bordell, der amerikanischen Brille seiner Mutter (auf dem Cover des Buches zu sehen) oder davon erzählt, dass der Palmers-Entführer Rainhard Pitsch ihm seine Tat am Vorabend angekündigt hat, nicht über den Weg zu trauen. Genau das aber macht diese Erzählungen so unterhaltsam, ich wette: manche von ihnen sind wirklich am Wirtshaustisch erprobt.«
»Jeder kann solche Geschichten [des Mauerfalls] erzählen, denn jeder weiß, was er getan hat an diesem Abend vor nunmehr 20 Jahren. Aber nicht jeder kann die Situationen, in denen Geschichte sich im eigenen Leben einen Erinnerungsort sucht, so ausweglos als zerronnene Hoffnungen und erodiertes Leben erzählen, wie Robert Menasse dies zustande bringt.«
»Erzählungen, in denen die berühmten zwei Seiten der Medaille umspielt werden. Über den unvorhersehbaren Moment, der über Sieg und Niederlage entscheidet, über den Punkt, der alles verändert, egal in welche Richtung. ... Originelle Kurzprosa eines großen Wiener Autors, der unprätentiös seine in der Tradition stehende Erzählerrolle lebt und mit diesem Band Appetit auf einen neuen Roman aus seiner Feder (hofft man) geweckt hat.«
»Eine Seltenheit: Dass jemand so gut zu erzählen vermag wie er essayistisch schreibt. Der Österreicher Robert Menasse gehört zu diesen Doppelbegabungen: als Romancier und Literat von Graden. Der Erzähler Robert Menasse ... hat die Gabe, mit knappen Hinweisen und Signalbegriffen jeweils eine bestimmte Epoche, ein – meist intellektuelles – Milieu heraufzubeschwören. Man spürt, man schmeckt beim Lesen geradezu die Zeit, fühlt sich heute in ein Gestern, ein Vorgestern zurückversetzt. ... Sorgfältige Komposition steigert den Lektüregenuss: Es handelt sich eben um ein Ganzes, um keine Sammelhalde übrig gebliebener Texte. Das Thema der Erinnerung spukt durch sämtliche Seiten, die im kühlen Licht der Ironie und des dialektischen Denkens schimmern: Wir entdecken uns allmählich als die Veteranen unserer selbst. Das Geheimnis dieser Art von Literatur: Sie erzählt nebenbei Philosophisches, und das Philosophische be- und erleuchtet das Erzählen.«
»Ironisch, melancholisch, sarkastisch und intelligent ... Prädikat: einfach lesenswert.«
»Zeitgeschichte und Geschichten aus der Zeit erscheinen bei Robert Menasse in ebenso bedrückender wie beeindruckender Prosa, in ebenso genüsslich lesbarer wie kunstvoller Literatur, die zudem eine Dialektik der Erzählung nicht nur reflektiert, sondern auch vorführt.«




