Andreas Neumeister
Könnte Köln sein - Städte. Baustellen. Roman

Könnte Köln sein
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D: 16,80 €
A: 17,30 €
CH: 29,70 sFr

Erschienen: 25.02.2008
Gebunden, 276 Seiten
ISBN: 978-3-518-41919-9

Inhalt

Zustände wie im alten verglichen mit Zuständen wie im neuen Rom. Könnte Köln sein. Die Stadt, in der wir leben, die komplett von Menschen gemachte Welt, das ist es, was Andreas Neumeister interessiert. In seinem neuen Buch nimmt er urbane und pseudo-urbane Architektur in den Blick, sei es in München, Mexiko-Stadt, in Los Angeles oder im realkapitalistischen Moskau.
Von den Hütten zwischen Stadtautobahnschleifen zu den Regierungspalästen in zentraleren Lagen: Andreas Neumeister fällt erzählend gerne mit der Tür ins Haus, zoomt mitten hinein in die gebaute deutsche Horrorgeschichte, durchmisst Megastädte und Stadtrandwahnsinn. Wie spiegelt sich Politik in Gebäuden? Wie modern kann eine faschistische Parteizentrale aussehen? Bilbao-Effekt klingt gut, Wohlfühlbahnhof noch besser. Wen vereinnahmt die Stadt? Und wen spuckt sie wieder aus? Wem gehört die Straße zwischen all den Gebäuden, die in Stadtzentren seltsam autistisch herumstehen?
 

Pressestimmen

»Gäbe es einen Preis für den besten Buchtitel der Saison, Andreas Neumeister hätte ihn locker verdient. ... Neumeister, 1959 geboren, ist der Poplyriker unter den Popliteraten, der Musiker und DJ unter den Schriftstellern, ein Meister des Samplings und der Collage. Könnte Köln sein ist eine Reise durch große Städte - Paris, New York, München, Moskau oder Mexiko City. Neumeister inspiziert die Welt und die Gebäude, in denen und mit denen wir leben. ... Immer ist dieses Buch ein ästhetisches Vergnügen, inklusive der vielen Abbildungen, die es nicht gibt, die aber vorm geistigen Auge des Lesers entstehen.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

»Der 1959 geborene Neumeister hat eines der klügsten Bücher der Saison geschrieben.«

Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau

»Schon jetzt Titel des Jahres.«

Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

»In der Auseinandersetzung mit Oberfläche und geschichtlicher Tiefenstruktur, mit Pop und allgemeiner Historie gelingt es Neumeister, der von seinem »Basislager« München aus aufbricht, ein facettenreiches Kaleidoskop über die Verfassung der Städte rund um den Globus und ihrer Bewohner zu bieten. ... Könnte Köln sein ist somit als eine meisterhafte Chronik der Gegenwart, der laufenden Ereignisse und Zumutungen zu verstehen. Die stromartige Reihung von Beobachtungen, Eindrücken, Erinnerungen, Auflistungen und Momentaufnahmen verschaltet Fakten und Fiktion miteinander. Das Collagieren und Strukturieren des Materials nutzt Neumeister (erneut) als Erzählformalismus, als narrativen Kniff, um der Realität und dem »heutigen Heute« textlich beizukommen.«

Thomas Ballhausen, dérive, Zeitschrift für Stadtforschung Juli-September 2009 / Nr. 36

»Die diskontinuierlichen Faktencollagen aus Gefundenem, Gelesenem und Aufgeschnapptem, die Listen, Tabellen und Aufzählungen, Wiederholungen und Verschiebungen erlauben es, das Buch von hinten nach vorn oder mit großen Unterbrechungen zu lesen, die Gedanken vor, während und nach der Lektüre wild schweifen zu lassen und sich zu keinem Zeitpunkt belehrt zu fühlen.
Wie immer stellt sich Andreas Neumeister damit beherzt in die Tradition des Prinzips Zufall bei Dada, der Emphase der tastenden, probierenden Umgangssprache inklusive Stottern, Stammeln und Stöhnen und der rauschhaften Spontaneität in der Beat-Literatur, des Filmischen und Dokumentarischen bei Rolf Dieter Brinkmann und des Muts zur Lücke und zur grafischen Gestaltung in der konkreten Poesie - und obendrein knüpft er an Social Beat und Poetry Slam an, da seine rhythmisierten Texte an Refrains oder Loops in einem Song erinnern und immer besser klingen, wenn man sie laut liest oder vorgelesen bekommt. Der Kern des Ganzen: Andreas Neumeister war auf Reisen. In Rom, Berlin, München, New York, Frankfurt, Paris, Tallinn, Moskau, München, Los Angeles und Mexiko City. Er hat wie üblich neugierig bis naiv die Antennen ausgefahren, keine Strapazen der Entgrenzung und Reizüberflutung gescheut und seine Beobachtungen lose um Themen wie Ballungsräume, Hochhäuser, Waldsiedlungen und Parkplatzlandschaften gruppiert. Erhellend sind seine Betrachtungen, daß die faschistische Architektur in Rom ungleich moderner, manchmal sogar eleganter war als die in Berlin, daß der Wohnungsbau in Ostberlin, die Plattenbauten, womöglich wirklich demokratischer waren als der in Westdeutschland, daß die revolutionäre Architektur, die in Rußland angedacht war, unter Stalin zur Zuckerbäckerarchitektur verkam und vielleicht heute eher noch in München zu spüren ist als in Moskau.
Nun wäre aber Andreas Neumeister nicht er selbst, hätte er es nur bei Erkenntnisgewinnen wie diesen belassen und wäre er nicht auch der Überzeugung treu geblieben, daß das Wissen der Popavantgarde gefährliches Halbwissen zu sein hat und daß eben auch frei nach Baudrillard die blanken, banalen Oberflächen zu spiegeln sind.«

Susanne Messmer, Die Tageszeitung

»So wie man es in Leibniz’ Bild mit dem Paradigma der modernen Stadt zu tun hat, so in Neumeisters Roman mit dem Paradigma der postmodernen Stadt. (…) Dennoch beschreibt Neumeister hier nicht die postmoderne Stadt, wie man sie in den letzten dreißig Jahren als postmoderne Stadt präsentiert bekommen hat: Er beschreibt nämlich die Stadt, die Städte, den urbanen Raum ganz unprätentiös, uneitel, aber doch präzise: Nicht die große Metapher von der Ruine, welche die moderne und postmoderne Stadt gleichermaßen begleitet, interessiert ihn, sondern die Realität der Stadt als Baustelle – im faktischen wie auch über­tragenen Sinne. (…) Neumeister liefert keine Berichte von Städtereisen, sondern Baustellenreisen – diese sind zugleich historische Ausflüge, die aber doch in einem geschichtslosen Raum sowie in einer raumlosen Zeit bleiben. Das ist vielleicht die gewaltigste Erkenntnis, die Neumeister hier entfaltet: Wo die Städte Baustellen geworden sind, sind sie nicht nur zeitlos – das ahnte man schon – , sondern auch ortlos, irgendwann und irgendwo, nirgendwo. (…)

Entscheidend ist, daß Neumeister mit ›Könnte Köln sein‹ die Matrix einer Erfahrungsstruktur liefert, zu der bisher die Stadtforschung nur im selbstgefälligen, bornierten Jargon fähig war. ›Wo überall Menschen wohnen! Wohnen und mitten in der Pampa aus dem Bus aussteigen. Auch im Dunkeln.‹ Neumeisters lapidare und gewiß auch banale Feststellung nimmt im Gefüge des Romans programmatische Züge an und durchbricht jede Selbstverständlichkeit, mit der man sich bisher in Städten zu bewegen glaubte. Dazu paßt, daß das Buch Gordon Matta-Clark gewidmet ist: Der 1978 jung verstorbene Künstler hatte in den Siebzigern mit der Motorsäge ganze Häuser durchtrennt und so eine Anarchitektur der Dekonstruktion geschaffen, die nun, 2008, Neumeister mit den Mitteln der Literatur fortsetzt.«

Roger Behrens, Jungle World
»Ein fiktionales Reisejournal, das in beschwingtem Überflug durch Rom, Berlin, Frankfurt, Moskau und München führt, eine gleichermassen sprach- wie architekturkritische Tour d'Horizon, welche die Skyline heutiger urbaner Lebenskonzepte absteckt. Neumeister, der jüngst stupend musikalisch über Musik schrieb, tut hier Vergleichbares mit Architektur: Er schreibt architektonisch über sie. Er baut Prosa und lässt uns am Konstruktionsprozess teilhaben. ... Mit derart geschärfter Sensibilität dafür, was Architektur über Epochen, Lebensentwürfe und deren Protagonisten mitteilt, setzt der Autor uns eine Brille auf, ohne die wir nach der Lektüre dieses Buchs kaum mehr durch Städte gehen werden. In ihrer Geschichtlichkeit sehen wir unsere eigene aufleuchten. Denn dieses Buch hat aus Mauern Spiegel gemacht.«
Michel Mettler, Neue Zürcher Zeitung
»Als Baustelle konzipiert, unfertig und provisorisch, spaziert Könnte Köln sein auf Umwegen, aber nie langweilig mit abrupten Orts- und Textsortenwechseln leichtfüßig durch mehrfach vermittelte, verwinkelte Denkgebäude, um en passant historische, soziale und politische Zusammenhänge von Urbanität und Architektur freizulegen.«
Alexander Müller, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Trotz aller Geschichtsversessenheit sind diese Großstadt-Streifzüge das genaue Gegenteil von Bildungshuberei und Baedeker-Gefuchtel. Neumeister ist manchmal entwaffnend naiv, nimmt aber immer wieder eine Prise Benjamin, um seinen Reisen den richtigen kulturkritischen Kick zu verpassen. Er flaniert, wie nur ein hedonistischer Pop-Frühromantiker flanieren kann: indem er die Städte mit Musik und die Musik mit Lebensstil-Revolten auflädt.«
Jutta Person, Literaturen Juni/2008

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