Michail Ryklin
Kommunismus als Religion - Die Intellektuellen und die Oktoberrevolution

Aus dem Russischen übersetzt von Dirk und Elena Uffelmann
Kommunismus als Religion
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D: 17,80 €
A: 18,30 €
CH: 25,90 sFr

Erschienen: 17.03.2008
Gebunden, 192 Seiten
ISBN: 978-3-458-71010-3

Inhalt

Die Bolschewiki inspirierte der Glaube – eine Art weltliche Religion – an die Möglichkeit einer radikalen Umgestaltung der rückständigen bäuerlichen Gesellschaft. Von Anfang an erklärten sie der Orthodoxie den unversöhnlichen Krieg, installierten ein System von kommunistischen Riten und betrieben eine effektive Propaganda der Errungenschaften des neuen Regimes. Zentrum des sowjetischen Kultus wurde das Leninmausoleum: dort liegt bis zum heutigen Tag der einbalsamierte Leichnam des toten Parteiführers.

In den dreißiger Jahren kommt es zu seiner Vergöttlichung, wird im Recht die „Schuldvermutung“ eingeführt, in der Kunst ein einheitlicher Stil (der Sozialistische Realismus) verordnet und der Sowjetpatriotismus eingepflanzt.

Keine weltliche Religion des 20. Jahrhunderts kann sich in ihrer Anziehungskraft für die Intellektuellen mit der kommunistischen (Raymond Aron nannte sie das „Opium für die Intellektuellen“) vergleichen. Die Gründe dieser Verzauberung zu klären ist die wichtigste Aufgabe des Buches. Was am ursprünglichen revolutionären Glauben und seiner Kultur erschien Walter Benjamin, André Gide, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht und vielen anderen als ungewöhnlich wertvoll und sogar einzigartig?

Michail Ryklin zeichnet die Konturen des kommnistischens Glaubens, die Funktionsweise des Kommunismus als Religion nach.

 

Pressestimmen

»Ryklins bedeutsamer und eindrucksvoller Essay unterzieht die Texte einiger Moskaupilger wie André Gide, Arthur Koestler, Lion Feuchtwanger und Walter Benjamin einer erneuten Lektüre, um die Tiefenwirkung des kommunistischen Glaubens zu ermitteln. Gewiss ist der Verweis auf die politische Religion nicht neu. Aber Ryklin vermag im Detail nachzuzeichnen, wie das Opium gewirkt hat, obgleich die Jünger glaubten, sie hätten die Droge längst hinter sich. Der doktrinäre Atheismus gehörte zum Kern der kommunistischen Ideologie. In dem Maße wurde sie zur Religion, in dem sie sich als Antireligion gerierte. Auf ihren Fahnen stand die Erschaffung eines neuen Menschen und einer paradiesischen Gemeinschaft. Für dieses Fernziel war alles erlaubt. ... Der Albtraum des Totalitarismus ist, so Ryklin, keineswegs zu Ende.«
Wolfgang Sofsky, Literarische Welt

»Michail Ryklins philosophisch-essayistisches Buch legt die religiösen Strukturen des Kommunismus und seine ambivalente Auswirkung auf Intellektuelle vielschichtig und anschaulich dar, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben. Indem Ryklin bewusst auf den Anspruch verzichtet, erschöpfende Erklärungen zu liefern, umgeht er sowohl die Gefahr grober Vereinfachungen als auch textferner Spekulationen. Wie der Band beweist, lassen sich durch die konsequente Konzentration auf das gewählte Textkorpus facettenreiche und ausdifferenzierte Kurzporträts entfalten, die darüber hinaus durchweg gut lesbar sind. Kurz – eine äußerst bereichernde Lektüre!« zur Rezension auf KULT_online »

Katharina Bauer, KULT_online 19

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