Niklas Luhmann
Liebe - Eine Übung

Herausgegeben von André Kieserling
Liebe
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D: 8,00 €
A: 8,30 €
CH: 11,90 sFr

Erschienen: 22.09.2008
Gebunden, 94 Seiten
ISBN: 978-3-518-58504-7

Inhalt

Individuen kann man bekanntlich daran erkennen, daß sie einen Knick in der Optik haben. Sie gewinnen allen öffentlich zugänglichen Dingen und Ereignissen einen zweiten Sinn ab, der zunächst einmal nur für sie selbst zugänglich ist. In dieser höchst persönlichen Optik mag dann etwa als Langsamkeit eines Mitmenschen erlebt werden, was dieser der Ungeduld des Erlebenden selbst zurechnen würde. Besonders konsensfähig ist diese individualisierte Art des Erlebens also nicht. Immerhin kann der Fall eintreten, daß ein anderer, statt einfach nur mit dem Kopf zu schütteln, sich in meine Weltsicht hineinversetzt und dann sogar anfängt, sie durch eigenes Handeln zu bestätigen: Statt mir Ungeduld vorzuwerfen, handelt er selbst etwas schneller. Für die anderen ist mein Erleben dann immer noch unmaßgeblich, aber für den anderen hat es offenbar die Kraft eines starken Motivs. So wird es mir leichter gemacht, der zu sein, der ich bin.
In dieser Bestätigung fremden Erlebens durch eigenes Handeln sieht Niklas Luhmann die kommunikative Grundlage dessen, was wir Liebe nennen. Sein 1982 erschienener Klassiker Liebe als Passion hatte vor allem die Ideengeschichte des Themas vor Augen. Der nun edierte Aufsatz, geschrieben 1969 als Vorlage zu einem der ersten Bielefelder Seminare Luhmanns, behandelt die Liebe ohne den Apparat des Gelehrten. Er bietet eine direkte und pointierte Darstellung der bis heute einzigen soziologischen Theorie der Liebe, die wir haben.

Pressestimmen

»Diese kleine Studie ist neugierig, sie hat etwas Lachendes, sie ist wie für Studenten gedacht und verfasst, sie will im Seminar diskutiert werden. Sie gehört in jede Universität, nicht nur nach Bielefeld. Denn sie hält, wie auch immer man über Luhmanns Theorie der Gesellschaft denkt, einen überraschenden Moment lang die Schwebe zwischen Theorie, Forschung und Geistesgegenwart: Eine Übung. ...Jetzt ist Niklas Luhmann tatsächlich drauf und dran, zum Geschenkbuch zu werden. Und das will man selbst diesem Ironiker nicht wünschen.« 
Elisabeth von Thadden, Die Zeit, Literatur-Magazin
»Es ist ein Hochgenuss, Niklas Luhmanns kleines Bändchen über die Liebe zu lesen, ein Manuskript für ein Seminar von 1969, das jetzt im Nachlass publiziert wurde. In Händen hält man einen schönen Gegenbeleg zu der Ansicht, Luhmanns Sachen seien doch nur selbstgenügsame Theorie, mit schmächtiger empirischer Basis und entmoralisierender Allüre. Die Virtuosität, mit der Luhmann in seinem Liebes-Traktat die Theorie als prächtiges Kleid für lebensweise Assoziationen und bonmots schneidert, macht ihm keiner nach.«
Christian Geyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Eines der ersten Seminare, die Niklas Luhmann an der Universität Bielefeld gab, hatte 1969 die Liebe zum Thema. Als Textgrundlage diente dem Soziologen ein eigener Essay, in den sich nun alle Luhmann-Liebhaber und sogar Normalsterbliche mit Gewinn vertiefen können. - Was ist so überzeugend an der Liebe? »Man findet sich in der Weltsicht des anderen erwartet als derjenige, der zu sein man sich bemüht.«

Neue Zürcher Zeitung
»Tatsächlich kann man gerade im sehr verständlich geschriebenen Liebe-Bändchen feststellen, dass Luhmann radikaler Empiriker ist. Ohne große Vorannamen beobachtet er ganz schlicht, wie im Lauf der Geschichte die Möglichkeit entsteht, den Unterschied von einer Person zu allen anderen Personen zu übertreiben, wie man diesen Menschen dann lieben und ihm nicht nur Lächerliches ins Ohr flüstern darf, sondern sogar muss. Er beschreibt, wie sich Muster des Erlebens und Handelns historisch wandeln, wie Problemlösungen neue Probleme schaffen. Und so lernt man nicht nur die Liebe besser verstehen, sondern auch Luhmann.« 
Jakob Schrenk, Süddeutsche Zeitung

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