José F. A. Oliver
nachtrandspuren - Gedichte

nachtrandspuren
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Erschienen: 26.08.2002
edition suhrkamp 2307, Broschur, 115 Seiten
ISBN: 978-3-518-12307-2

Inhalt

Fernab vom alltäglichen Wortge- und -verbrauch schafft José F.A. Oliver, Chamisso-Preisträger von 1997, Klanggehäuse, in denen sich die Laute scheinbar spielend zu neuen Bedeutungen zusammenschließen. Die Gedichte sprechen vom Unterwegssein und vom Ankommen, von einer Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, vom Pulsen im »sprachherztakt«. Olivers sprachmagische Gedichte wollen »uns lösen / vom schweren zungenschlag«, also von der tagtäglichen Sprache und zurückführen zu ihrem eigentlichen Ursprung: dem Klang.
Der 1961 geborene Lyriker andalusischer Herkunft, aufgewachsen im Schwarzwald, moduliert die Sprachpartikel auf immer überraschende Weise; mit feinem Sensorium spürt er den Faltenwürfen der Wörter nach und stößt dabei auf bislang Ungehörtes. »José Oliver hat seine Poesie ganz tief in die deutsche Sprache eingeschrieben, eingegraben, ja, die deutsche Sprache mit ihr umgegraben«, schrieb Harald Weinrich.

Pressestimmen

»Kein anderer deutschsprachiger Lyriker besitzt gegenwärtig wie José F.A. Oliver diesen beweglich-verschiebbaren Sinn für die semantischen Bildungskräfte des Deutschen, als sei Sprache nicht ein eng abgezirkeltes Terrain mit unumstösslichen Regeln und Gesetzen. Seine Lust an Neologismen, Wortzwittern, Hybriden, fremden Paarungen, reizbaren Nachbarschaften scheint seit zehn Jahren unerschöpflich.«
Beatrix Langner, Neue Zürcher Zeitung
» ›augohrfeinschliff‹ ist schon vonnöten, wenn man José Olivers Gedichte goutieren will. Sie sind ›sichtbarer klang‹, von einem ›mundaug‹ erfasst, zu Papier gebracht [...]. Unserer medienverseuchten Welt hält José Oliver ›s:ein‹ Rezept entgegen: Der Wortkombination ›aus bildern‹ gewinnt er ein neues Verb ab - ›ausbildern‹, will sagen das Gehirn und Gedächtnis vom Bildmüll entrümpeln. «
Wendelinus Wurth, Badische Zeitung
»Wie kommt es zu einem - guten - Gedicht? Das Herz ist leichtsinnig und verschleudert sich. Das Sehen fällt leicht. Wem etwas auffällt, dem fällt auch etwas ein. Bilder. Die Bilder strukturierten die Zeit und geben ihr einen Ablauf. Am wichtigsten: ›widerhören‹. In dem ›wider‹ steckt Widerstand, Resistenz gegen die tägliche Sprache, Trotz, dem ersten Klang zu trauen, und Mut, ihn zu überprüfen, deswegen auch: ihn zu wiederholen, also hören und hören, bis Rhythmus und Bilderfolge stimmen. Dies ›widerhören‹ ist auch ein Gebot an den Leser. [...] Es geht Oliver um das Gegenteil von Experiment neben oder jenseits der Wirklichkeit. Er sieht genau hin, er hört genau hin und findet das ungehörte, unerhörte Wort, das Sprache und innerste Erfahrung zur Übereinstimmung bringt. [...] Oliver klopft die Worte ab, um ihnen einen Laut wiederzuschenken, den sie irgendwann verloren haben, und legt dadurch auch wieder verschüttete Bedeutungen frei.«
Joachim Sartorius, Die Welt

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