Martín Kohan
Zweimal Juni - Roman

Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Zweimal Juni
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D: 19,80 €
A: 20,40 €
CH: 28,50 sFr

Erschienen: 09.03.2009
Gebunden, 181 Seiten
ISBN: 978-3-518-42078-2

»DokuFiction ist das von umheimlicher Stimmung; spannend wie ein Krimi, rätselhaft wie ein Puzzle aus Fragmenten der Wirklichkeit, wechselnden Perspektiven, Episoden, Short Cuts, die der Leser selbst zusammensetzen muss; verfasst in einer metallisch kühlen Sprache; universal gültig für jede Diktatur.«

Cornelia Zetzsche, NDR Kultur

 

Inhalt

1978, 1982: Zweimal Juni, zweimal Fußballweltmeisterschaft, und beide Male verliert Argentinien knapp gegen Italien. Auf die erste Niederlage, in Buenos Aires, folgt dennoch der Titelgewinn und der propagandistische Triumph der Militärjunta. Die zweite Niederlage, in Spanien, führt nicht nur zum Ausscheiden der Nationalmannschaft - sie wird begleitet vom katastrophal gescheiterten Falklandkrieg, der das Ende der Schreckensherrschaft einleitet.

Und doch gibt es selbst in solchen Zeiten immer auch Leute, die es ganz gut getroffen haben. Etwa der junge Rekrut, der zunächst bei einem Militärarzt als Fahrer arbeitet und später als Medizinstudent den Krieg in der Zeitung verfolgt. Als er aber auf einer Gefallenenliste einen Namen bemerkt, der ihm bekannt vorkommt, entspinnen sich seine Erinnerungen, die an ein grauenhaftes Ereignis rühren. Mit dieser scheinbar unbeteiligten Stimme eines Mitläufers macht der Roman den Leser zum Komplizen und gewinnt eine Drastik und Intensität, die einem den Atem raubt. Martín Kohan schrieb mit Zweimal Juni den maßgeblichen Roman über die traumatischen Ereignisse der letzten Militärdiktatur.

Pressestimmen

»Dass Folter ein unsichtbares Gravitätszentrum politischer Herrschaft darstellt, könnte man auch als Ausgangsthese von Martín Kohans grandiosem Roman Zweimal Juni bezeichnen. Kohan entwickelt eine brillant und kühl erzählte, fern jedes moralisierenden Kitsches verlaufende Geschichte. ... Ein großer Roman über das emotionale Gleichgewicht politischer Herrschaft.«

Raul Zelik, Die Zeit

»Martín Kohan gelingt durch die Zeichnung der gleichermaßen grotesken wie banalen Figuren eine eindrucksvolle Antwort auf die Frage nach der Motivation der Schergen und der Tatenlosigkeit der Mitläufer. Erstere handeln nicht etwa als sadistisch mordende Monster, sondern als selbsternannte Verteidiger einer moralischen Instanz, eines Zivilisationsmodells; und letztere einfach aus stupidem Gehorsam. Damit brich Kohan in eine gesellschaftliche Tabuzone ein ... Eine Todesfuge, die Kohan mit stilistischer Meisterschaft spielt.«

Florian Borchmeyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Martín Kohan, Jahrgang 1967, ist eine der herausragenden jüngeren Stimmen der argentinischen Literaturszene und ein interessanter Fall: ein Formalist, dem es aber um die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte geht. In Zweimal Juni ist es das finsterste Kapitel der jüngeren Vergangenheit seines Landes. Formal rigoros montiert er seinen Text ... . Es regiert eine narrative Ökonomie der Verknappung und der Auslassung. Die Montagetechnik erlaubt Kohan, unterschiedliches Material ineinander zu blenden und so einen komplexen Handlungszusammenhang zu konstruieren. ... Das Technische dieser systematisch mit Textbausteinen arbeitenden literarischen Vorgehensweise funktioniert wie eine Art formaler Verstärker des Inhalts.«

Barbara Eisenmann, SWR

»Trotz der allzeit spürbaren Schrecken ist der Text des 42-jährigen argentinischen Schriftstellers nicht vordergründig anklagend, sondern eher subtil, diffizil, beinahe unschuldig, ja unbeteiligt, aber gerade dadurch nahezu brillant in seiner Einfachheit. Martín Kohan schreibt mit ausgeprägtem Sinn für ambivalente Situationen. [...] Ein Buch, das ungeheuer nachdenklich macht, auch ohne dass das Grauen mit direkten Worten beschrieben ist.«

Heike Geilen, literature.de

»Zweimal Juni ist eine bemerkenswerte Darstellung dessen, wie sich Normalität in einer Diktatur ausdrückt - in einem unauffälligen und selbstverständlichen Darinaufgehen.«

Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung

»Kohan [...] hat einen klugen und eindringlichen Roman verfasst. [...] Die Stärke von ›Zweimal Juni‹ besteht darin, dass er die Täter nicht als sadistische Bestien darstellt, sondern die ›Banalität des Bösen‹ betont. [...] Das ist das eigentlich Beunruhigende an diesem Roman, der über den Fall der argentinischen Militärdiktatur hinausweist.«

Wera Reusch, Amnesty Journal 10/11 2009

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