Jüdischer Verlag  
»Wir haben uns dem Versuch verschrieben, das Lebendige im Judentum zu ergründen, statt einer antiquarischliteraturhistorischen eine phänomenologisch durchdringende, sachliche Betrachtung zu unternehmen.«
Gershom Scholem
 
 

Der Jüdische Verlag gründete sich vor dem fünften Zionistischen Kongress 1901 in Basel. Dem Initiativkreis gehörten an Martin Buber, Chaim Weizmann, Ephraim Moses Lilien, Berthold Feiwel und Davis Trietsch. Die rechtsgültige Eintragung in eine GmbH erfolgte im Oktober 1902 in das Berliner Handelsregister.

 

Nach einer wechselvollen Geschichte – zunächst der kulturzionistischen Bewegung nahestehend, 1938 von den Nazis zerschlagen, 1958 in Berlin unter gänzlich anderen historischen Bedingungen neu begründet – gehört er seit Sommer 1990 zum Suhrkamp Verlag. Das erste Programm des Jüdischen Verlages im Suhrkamp Verlag erschien im Frühjahr 1992. Seitdem wird auch der jährlich erscheinende Jüdische Almanach herausgegeben, der sich speziell einem Thema aus jüdischer Sichtweise widmet.

 

Der Berliner Jüdische Verlag setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Ziel, durch ›jüdische Inhalte‹ eine ›neue jüdische Selbst- verständlichkeit‹ zu schaffen. Bedeutende Standardwerke erschienen dort, wie das fünfbändige Jüdische Lexikon, eine noch heute gültige Enzyklopädie in deutscher Sprache, und die zwölfbändige Übersetzung des Babylonischen Talmuds von Lazarus Goldschmidt – wichtige Titel auch im Programm des heutigen Jüdischen Verlages. Er knüpft mit solchen Wiederauflagen zentraler Titel bewußt an die Tradition des früheren Verlages an; auch das damals von E. M. Lilien entworfene Verlagssignet wurde beibehalten.

 

100 Jahre nach der Gründung des Jüdischen Verlags wird der Babylonische Talmud, das grundlegende Werk der jüdischen Tradition, in einer 12-bändigen Sonderausgabe neu herausgegeben. Die Übersetzung von Lazarus Goldschmidt ist die bis heute einzige vollständige Übertragung des kanonischen Textes ins Deutsche.

 

 

 

 

Das Werk von Gershom Scholem wird seit 1992 vom Jüdischen Verlag betreut. Der 1897 in Berlin Geborene hat mit seinen Studien zur jüdischen Mystik ein neues Verständnis von Judentum und jüdischer Geschichte ermöglicht und zugleich mit seinen Essays und autobiographischen Schriften wie kaum ein anderer beigetragen zu einer bewußten und von Wissen bestimmten Auseinandersetzung mit Themen der jüdischen und der deutsch-jüdischen Geschichte. Hervorzuheben ist hierbei der 2010 erstmals publizierte Briefwechsel von Hannah Arendt und Gershom Scholem. Dieser ist ein einzigartiges zeithistorisches Dokument, das um die entscheidenden Fragen jüdischer Geschichte und jüdisches Selbstverständnis nach der Shoah kreist.

 

2010 wird die kritische Gesamtausgabe von Else-Lasker-Schüler mit dem elften Band abgeschlossen. Zudem wird der Begleitband zur Ausstellung von Lasker-Schülers Bildern im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main herausgegeben. Hierbei werden erstmals in einem bebilderten Werkverzeichnis ihre sämtlichen Zeichnungen geschlossen der Öffentlichkeit präsentiert.