Als am 2. Mai 1963 die ersten 20 Bände der edition suhrkamp auf jährlich 48 Bücher angelegten Reihe erscheinen, nimmt die Öffentlichkeit dies als »Revolutionstag des Taschenbuchs« wahr. Dieses Urteil gründet sich auf die Inhalte - unter den ersten zwanzig Bänden befinden sich die ins Jubiläumsprogramm aufgenommenen Bücher von Theodor W. Adorno, Eingriffe, Samuel Beckett, Warten auf Godot, Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus.

Es schließt auch die äußere Gestalt der Reihe ein: Jeder der 48 Umschläge der jährlichen Produktion wird in einer der 48 Farben des Sonnenspektrums gedruckt, beginnend bei Blauviolett über Rot, Orange, Gelb, Grüngelb, Grün, Blau, um dann beim ersten Band des nächsten Jahres wieder mit Blauviolett zu starten. Die Umschläge des Jubiläumsprogramms spiegeln diesen Regenbogen durch unterschiedliche Farbstreifen. Das farbliche Erscheinungsbild ist bis zur Gegenwart ebenso beibehalten wie die rein typographische Gestaltung des Umschlags: keine Fotos, vielmehr Linien, die Autornamen und Titel des Buchs voneinander trennen.

Bereits wenige Jahre nach dem Start legt die edition suhrkamp - daran hat sich bei den bisher annähernd 2 500 Bänden nichts geändert - ausschließlich Erstausgaben vor. Das heißt: Bei ihren Büchern handelt es sich im literarischen wie theoretischen Bereich stets um Originalausgaben - als Beispiel sei Peter Handkes Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt genannt - oder deutsche Erstausgaben wie Mythen des Alltags von Roland Barthes.

Ab Mitte der sechziger bis weit in die siebziger Jahre gewinnen innerhalb der Reihe die theoretischen Texte ein größeres Gewicht. Der edition suhrkamp-Autor Jürgen Habermas charakterisiert ihre Programmatik: »Wenn an der Parole, der Geist stehe links, je etwas daran gewesen ist, ich meine in Deutschland, dann während der Jahre, als trotz der massiven gesellschaftlichen Restauration die Erinnerung an den Nazismus und an die Traditionen, mit denen dieser gebrochen hatte, wachgehalten wurden.« Dies erklärt, warum zwischen der edition suhrkamp und »68« ein enger Zusammenhang besteht. An der Autorin Silvia Bovenschen (Die imaginierte Weiblichkeit) zeigt sich, dass die von der Außerparlamentarischen Opposition in Gang gesetzten Veränderungen auch die Geschlechterverhältnisse berühren.

Nachdem im September 1979 die edition suhrkamp ihren Band 1000 vorgelegt hat, startet im Mai 1980 die Neue Folge der edition suhrkamp mit ebenfalls 20 Bänden. Sie geht programmatisch an den Anfang zurück und publiziert gleichgewichtet Literatur und Theorie, beispielsweise die Begleitumstände von Uwe Johnson und die Erzählung Einer von Norbert Gstrein an der Seite der Kritik der zynischen Vernunft von Peter Sloterdijk oder der Risikogesellschaft von Ulrich Beck.

Auch die edition suhrkamp Neue Folge, die 1997 den Band 2000 vorlegt, ist Forum für die neuesten literarischen und theoretischen Erkundungen, wie Thomas Rosenlöchers Ostgezeter von 1997 und Judith Butlers Das Unbehagen der Geschlechter von 1991 exemplarisch belegen.

Die Offenheit für neue Formen und Erfindungen, die Beobachtung des Aktuellen, ohne aktualistisch zu sein - diese Linie verfolgt die edition suhrkamp seit nunmehr 50 Jahren.

Veranstaltungen

Franziska Dübgen, Stefan Skupien

Im Rahmen einer Konferenz der Afrikawissenschaften zu »Interkultureller Philosophie«
Moderation: Kai Kresse (Columbia University, New York)

Humboldt-Universität Berlin
Senatssaal

Unter den Linden 6
10117 Berlin
Blackbox Abschiebung

Multimediale Lesung
Miltiadis Oulios spricht über sein Buch Blackbox Abschiebung

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück

Neuer Graben 19/21
49074 Osnabrück

edition suhrkamp - Berliner Gespräche

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