Und damit fing es an von Rose Tremain

 

Ein zarter, bewegender Roman, der davon erzählt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht.

Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.
 

»Und damit fing es an ist wunderschön ausgestaltet und spannt mühelos und mitreißend ganze Welten vor uns auf. Dieses Buch besticht durch meisterhaftes Können.«
Ian McEwan


Rose Tremain über ihre Erfahrungen mit der Schweiz

»Als Sechsjährige nahm man mich mit nach Wengen in den Urlaub. Es war für mich die erste Reise in ein anderes Land als England, und obwohl es schon so lange her ist, sind mir die Bilder dieses Urlaubs sehr lebendig in Erinnerung geblieben. Meine Schwester und ich hatten in einem alten Sägewerk irgendwo in den Bergen gespielt, und daran erinnerte ich mich, als ich den dicht mit Laub und wilden Erdbeeren bewachsenen Weg beschrieb, der Gustav und Anton in Davos zu dem verfallenen Sanatorium führt. Ich sehe auch noch die Hunde, die die Gepäckwagen ziehen, vor mir, und einen großen gläsernen Speiseraum. Und ich weiß noch, wie es sich anfühlte, als Kind in der Schweiz zu sein, einem Land, für das ich immer große Zuneigung empfand.

Nachdem ich mein Internat verlassen hatte, wurde ich auf eine Schule in Morges geschickt, im französischen Teil der Schweiz. Und auch diese Zeit ist mir noch stark in Erinnerung.

Ich glaube, den Gedanken, etwas in der Schweiz anzusiedeln, eine Geschichte, die um die Idee der Neutralität gebaut ist – die Neutralität eines Landes genauso wie die angestrebte Neutralität einer Person –, hatte ich schon lange in meinem Kopf. Um sie umzusetzen, habe ich tonnenweise Bücher und Bildbände über die Schweiz und ihre Geschichte gelesen und angesehen – und dann setzte sich plötzlich alles zusammen.«

 

Pressestimmen zu Und damit fing es an

»Großartige Prosa, zugleich gehaltvoll und feinsinnig … eine glorreiche Rüge der Neutralität, die Musik, Erinnerung und Güte als greifbare Kräfte und nicht nur als Motive erfahrbar macht. Ob sie ein herrliches Haus oder die Gedanken eines verängstigten Mannes heraufbeschwört, Rose Tremain hat die beschreibende Kraft der großen Meister und setzt sie mit überwältigender Wirkung ein.«

The Times
»Ergreifend… beeindruckendes künstlerisches Können.«
The Sunday Times

»Rose Tremain ist eine der besten Autorinnen englischer Sprache.«

Daily Telegraph

»Ein zarter Roman über Beziehungen auf der Schwebe zwischen Freundschaft, Liebe, Leidenschaft und Leid.«

Jeannette Villachica, Wiener Zeitung

»Ein bewegender, ein stiller Roman über die Chance die im Scheitern liegt, über die Chance auf ein spätes Glück.«

Sonntag Express

»Jedes Buch von Tremain ist ein Glanzstück. Und damit fing es an ist ihr bislang herausragendster Roman. Überwältigend, herzzerreißend, unsentimental und großartig geschrieben – Und damit fing es an bestärkt meine Meinung, dass es nur wenige Autorinnen und Autoren mit dem Geschick oder dem Feingefühl gibt, um es mit der großen Rose Tremain aufzunehmen.«

John Boyne, Irish Times

»Elegant und einfach spürt der Roman den feinen Nuancen zwischen Freundschaft und Leidenschaft, Verrat und Enttäuschung nach. So zeigt Tremain mit Einfühlsamkeit und Verständnis, wie leicht aus guten Absichten Leid entstehen kann.«

Daily Mail
»Tremain ist eine Autorin von bewundernswerter Vorstellungskraft und Einzigartigkeit. Ihre fiktionale Welt zeichnet sich durch außergewöhnliche Intensität aus ... In den vierzig Jahren ihrer Karriere hat Rose Tremain eine breite Palette unterschiedlichster Bücher geschrieben und sich immer den Glauben an das humanistische Versprechen von Fiktion erhalten, Mitgefühl für das Innenleben anderer Menschen zu wecken.«
Marcel Theroux, The Guardian

»... ein empfehlenswerter, auch psychologisch hochinteressanter Roman über die innere Entwicklung zweier Freunde von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter ...«

Maria Panzer, Lesart 3/2016

Kommentare zu Und damit fing es an

(16) 1, 2 
Anton und Gustav. Gustav und Anton. Gemeinsam erinnern die Namen der beiden Jungen in diesem Roman an ähnliche Duos: Max und Moritz zum Beispiel. Doch ansonsten haben sie mit ihnen wenig gemein, sind die beiden Schweizer Kinder doch ernsthaft und melancholisch. Kein Wunder, zeigt sich an ihrem Beispiel doch, dass auch die Schweiz nicht vom Zweiten Weltkrieg verschont wurde, auch wenn der Krieg sich ein bisschen anders auswirkte. Als Leser lebt man mit den beiden mit, von ihren wirren Träumen und Sehnsüchten mit 5,6 Jahren, bis sie schließlich 60 sind. Die Träume vergehen, doch manche Sehnsüchte währen ewig, wie Rose Tremain hier so gefühlvoll anklingen lässt.
Zu Beginn könnten die Buben nicht unterschiedlicher sein: der eine aus reichem Haushalt, ein bisschen verwöhnt und impulsiv, will Pianist werden, weil seine Eltern es so wollen. Der andere lebt mit seiner verwitweten Mutter in ärmlichen Verhältnissen und will zwar auch deren Ansprüchen genügen, erkennt aber bald, dass er ihr nichts rechtmachen kann. Den Grund, warum es zwischen den beiden so anders läuft an in anderen Familien, erfährt er erst Jahrzehnte später. Dass er, Gustav, auf Anton trifft, rettet ihn über diese schlimme Kindheit hinweg.
Die Autorin beschreibt im Großteil des Buches eine ganz besondere Freundschaft, zwischen Abhängigkeit und Abstoßung, zwischen Missverständnissen und stummem Einverständnis. Vieles, was die Charaktere nicht einmal selbst sicher fühlen, erfährt der Leser zwischen den Zeilen. Dadurch mögen manche Entscheidungen irrational wirken, doch letztendlich ist das nicht mehr wichtig. Dieses Buch zeigt sehr gut auf, dass man zu manchen Zeiten erfolgreich versuchen kann, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, aber dass das Leben insgesamt schon den vorgegebenen Lauf nimmt. Egal wie lange es dauert.
yesterday, 19.11.2016
Gustav, das so ungeliebte Kind versucht mit Anton, dem musikalischen Juden Freundschaft fürs Leben zu schließen. Während Anton sich von einem Musikprojekt zum nächsten hangelt, versucht Gustav in seinem Leben anzukommen und mit seiner Mutter endlich abzuschließen.

Emilie, die Mutti, unterdrückt ob mit Bosheit behaftet oder einfach nur mit eigenem Unglück bepackt den jungen vaterlosen Gustav bis ins hohe Alter und erst ihr Tod schafft ihm Erleichterung.

Dass Familie nicht immer leicht sein kann, macht Rose Tremain mit der Beschreibung des Vaters Erich Perle deutlich, der seiner Geliebten bis zum letzten Atemzug verfallen ist und damit das Ende vom Anfang auslöst.

Ein Liebesdrama für beide Freunde, die erst sehr spät erkennen, dass sie ohneeinander nicht lieben und schon gar nicht überleben können.
tinaliestvor.de, 02.10.2016
Für mich dreht sich in diesem Buch alles um Gustav. Auch wenn wir die Geschichten der anderen Personen ausführlich kennenlernen, bleibt er doch die Hauptperson. Der recht poetische Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Eine melancholische Geschichte über Beziehungen und Freundschaft, die einen nachdenklich stimmt.
leseratte1310, 31.08.2016
Mit leisen Worten entsteht ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht. Es zeigt, dass die große Liebe nicht immer romantisch sein muss und das manche Partnerschaften von Anfang an im Ungleichgewicht sind. Die große Stärke des Romans liegt in der gewissenhaften Charakterzeichnung. Die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung wird ebenso verdeutlicht, wie die Wirkung von Handlungen und Aussagen auf das Leben von anderen. Fazit: Melancholisch und stimmig.
dodo, 31.08.2016
Rose Tremain gelingt es, den Leser an Gustavs Geschichte teilhaben zu lassen. Trotz der traurigen Handlung ist es keine schwer verdauliche Lektüre, aber sie regt zum Nachdenken und Nachforschen an.
Vorleser, 25.08.2016
»Ergreifender Roman über eine jahrelange Freundschaft. Gustav Perle lebt in Matzlingen in der Schweiz bei seiner alleinerziehenden Mutter, Emilie Perle. Sie leben in sehr ärmlichen Verhältnissen und ihrer Beziehung fehlt es an Liebe. Emilie Perle ist eher eine griesgrämige und strenge Frau. Gustavs Vater, Erich Perle, war Polizist und ist schon vor Jahren gestorben. In seinem neuen Mitschüler Anton Zwiebel findet Gustav einen Freund fürs Leben. Die Zwiebels sind wohlhabende Juden aus Bern. Armin Zwiebel ist Bankdirektor und seine Frau Adriana ist Hausfrau. Gustav verbringt viel Zeit bei Zwiebels – es wird Tee getrunken und Klavier gespielt. Der Roman ist in drei Abschnitte eingeteilt, in welchen das gesamte Leben der beiden Freunde dargestellt wird. Und zusätzlich die Umstände des frühen Todes Erich Perles dargelegt. Bei diesem Roman handelt es sich um einen sehr nachdenklichen und berührenden Roman. Die Geschichte fesselt den Leser von Anfang bis Ende. Man lernt nicht nur etwas über die einzelnen Charaktere, die damalige Situation, sondern auch noch ein bisschen über die Schweizer Geschichte. Der Schreibstil ist sehr angenehm und man kann den Roman sehr flüssig lesen. Der Aufbau des Romans hat mich überzeugt und ich fand es gut, dass nicht chronologisch erzählt wurde.«
Kerstin Thellmann, 19.08.2016
»Mir hat Und damit fing es an von Rose Tremain sehr gut gefallen. Es ist melancholisch schön, und ich war froh, dass die Freundschaft zwischen Gustav und Anton über so viele Jahre hielt. Für mich ein schönes Gänsehaut‐Ende :)«
Marieke Eckert, Buchhandlung Hugendubel Pinneberg, 07.08.2016
Rose Tremain hat ein wunderbares, berührendes Buch geschrieben. Sie entführt ihre Leser in einen Abschnitt der schweizerischen Geschichte, der wohl den meisten Menschen unbekannt ist: in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg und in Teilen auch in die Zeit während des Krieges. Ihre Figuren sind liebevoll gezeichnet und die Örtlichkeiten bildhaft beschrieben, ohne dass sie sich in unnötigen Details verliert. Auch wenn der Klappentext schon das Ende des Buches vorwegnimmt ist es trotzdem ein Vergnügen, den Lebensweg der so unterschiedlichen Charaktere zu verfolgen.
Manuela Hahn, 07.08.2016
Der Schreibstil von Rose Tremain ist außergewöhnlich, feinfühlig, auf seine Art zart und emotional. Die sozialen und politischen Hintergründe in den beschriebenen Zeitabschnitten sind gut wiedergegeben. Mir haben der Schreibstil, die Geschichte und die Aussagen dieses Buchs sehr gut gefallen.
Schnuck59, 07.08.2016
»Dem einen oder anderen Leser wird die Dreiteilung des Romans (anstelle der alternativen »Sprungtechnik«) schon aus Gründen der Übersichtlichkeit entgegenkommen; aber wie schon an der abweichenden Erzählsprache erkenntlich ist, liegt bei Rose Tremain natürlich ein dramaturgisches Gesamtkonzept zugrunde, mit dem sie auf ausgesprochen gelungene Art und Weise ihre Leserschaft eng in die dramatischen familiären und freundschaftlichen Verwicklungen ihrer Geschichte einzubinden weiß. Den eindringlich geschilderten historischen Hintergrund, ein nicht gerade rühmlicher Aspekt der Schweizer Vergangenheit, konnte Rose Tremain als Außenstehende eventuell gerade besonders überzeugend zur Geltung bringen, wobei in dieser Hinsicht generell ihr (und ihrer Übersetzerin Christel Dormagen) das große Kompliment zu machen ist, dass Und damit fing es an in keinem Moment ein, in diesem Fall unpassendes, »englisches« Lesegefühl vermittelt.«
Tobias Wrany, Buchhandlung Jost, Bonn, 03.08.2016
1, 2 
 
Aus dem Englischen von Christel Dormagen

D: 22,00 €
A: 22,70 €
CH: 31,50 sFr

Erschienen: 08.08.2016
Gebunden, 333 Seiten
ISBN: 978-3-458-17684-8
Auch als eBook erhältlich

Im Original erschienen unter dem Titel The Gustav Sonata (Chatto & Windus).