Benjamín Labatut spricht über
Das blinde Licht - Irrfahrten der Wissenschaft
 

DAS BLINDE LICHT
VON BENJAMÍN LABATUT

Sie sind Pioniere und Verdammte. Eroberer von Raum und Zeit. Träumer des Absoluten. Sie verändern den Lauf der Geschichte und verzweifeln an sich selbst: Werner Heisenberg, dessen Gleichungen – im Wahn auf der Insel Helgoland entstanden – zum Bau der Atombombe führen. Der Mathematiker Alexander Grothendieck, der es vorzieht, seine Formeln zu verbrennen, um die Menschheit vor ihrem zerstörerischen Potential zu schützen. Oder Fritz Haber, dessen physikalische Verfahren eine Hungerkrise vermeiden und zugleich das diabolischste Werkzeug der Nationalsozialisten hervorbringen werden ...

In vier so bizarren wie betörenden Geschichten erzählt Benjamín Labatut vom schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn, von menschlicher Hybris und der zwiespältigen Kraft der Wissenschaft. Und von dem verhängnisvollen Moment, an dem wir aufhören, die Welt zu verstehen.

Benjamín Labatut,

geboren 1980 in Rotterdam, wuchs in Den Haag, Buenos Aires und Lima auf. Er veröffentlichte zwei preisgekrönte Romane und Kurzgeschichten in Letras Libres. Das blinde Licht ist sein erster Roman auf Deutsch, er wird in zahlreichen europäischen Ländern erscheinen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Santiago de Chile.
 

 

 

DIE PROTAGONISTEN IM BUCH

»Er (Fritz Haber) flüchtete in die Schweiz, wo ihn die Nachricht ereilte, dass er den Chemie-Nobelpreis erhielt, für eine Entdeckung, die noch aus der Zeit vor dem Krieg stammte und ohne die das Schicksal der Menschheit in den folgenden Jahrzehnten einen anderen Lauf genommen hätte.«

 

Fritz Haber

9. Dezember 1868 - 29. Januar 1934

Der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber gilt als umstrittene Figur der Wissenschaft. Als Miterfinder des Haber-Bosch-Verfahrens sorgte er für die Sicherung der Ernährung eines großen Teils der Weltbevölkerung. Gleichsam trug er als Verantwortlicher des Kampfgaseinsatzes im Ersten Weltkrieg Mitschuld am Tod tausender Menschen.

 

 

»Im Zentrum eines toten Sterns konzentrierte sich die gesamte Masse in einem unendlich dichten Punkt. Dass es so etwas im Universum geben könnte, war für Schwarzschild unvorstellbar. Es forderte nicht nur den Menschenverstand heraus, zog nicht nur die Gültigkeit der allgemeinen Relativität in Zweifel, es kratzte auch an den Fundamenten der Physik – allein schon die Begriffe von Raum und Zeit ergaben in der Singularität nicht länger einen Sinn.«

 

 

Karl Schwarzschild

9. Oktober 1873 - 11. Mai 1916

Der deutsche Astronom und Physiker gehört mit seiner Forschung zu den schwarzen Löchern zu den bedeutendsten Wegbereitern der modernen Astrophysik. Das Zentrum schwarzer Löcher wurde nach ihm benannt: die Schwarzschild-Singularität.

»Seine Obsession war der Raum, und einer seiner Geniestreiche war, die Vorstellung von dem, was ein Punkt ist, zu erweitern. Mit Grothendiecks Augen gesehen war der schlichte Punkt nicht länger ein Objekt ohne jede Ausdehnung, vielmehr brodelte er voller komplexer innerer Strukturen. Wo andere etwas ohne Höhe, Breite oder Tiefe sahen, sah Alexander ein ganzes Universum. Seit Euklid hatte sich niemand derart kühn vorgewagt.«

 

Alexander Grothendieck

28. März 1928 - 13. November 2014

Der französische Mathematiker Alexander Grothendieck erweiterte die mathematischen Methoden und löste einige der größten mathematischen Vermutungen. Während des Vietnamkrieges politisierte er sich zunehmend und entschloss sich schließlich zum kompletten Rückzug aus der öffentlichen Welt.

 

»Die abc-Vermutung rührt an die Fundamente der Mathe­matik. Sie postuliert einen tiefen, unerwarteten Zusammen­hang zwischen den additiven und multiplikativen Eigenschaf­ten der ganzen Zahlen. Sollte sie stimmen, würde sie zu einem überaus mächtigen Werkzeug, mit dem sich zahlreiche Rätsel lösen ließen. Doch Mochizukis Ehrgeiz ging darüber hinaus, und er beließ es nicht dabei, einen Beweis vorzulegen, er er­fand vielmehr eine neue Geometrie, die die Zahlen auf eine radikal andere Weise zu denken zwingt.«

 

 

Shinichi Mochizuki

29. März 1969

Der japanische Mathematiker Shinichi Mochizuki beschäftigt sich seit Jahren mit der von ihm getauften sogenannten „inter-universalen Geometrie“. Er behauptet, die abc-Vermutung gelöst zu haben.

»Für Heisenberg war klar, dass sie alle sich irrten. Elektronen waren weder Wellen noch Teilchen. Die subatomare Welt war mit nichts, was sie hätten kennen können, vergleichbar. Dessen war er sich absolut sicher, und seine Überzeugung saß so tief, dass er noch darum rang, es in Worte zu fassen.«

 

Werner Heisenberg

05. Dezember 1901 - 01. Februar 1976

Werner Heisenberg war ein deutscher Quantenphysiker, der für seine Arbeiten im Bereich der Quantenmechanik mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Seine Rolle im Prozess der Entwicklung einer deutschen Atombombe während des Zweiten Weltkrieges ist bis heute umstritten.

 

»Er formulierte ein raffiniertes Gedankenexperiment, das ein augenscheinlich unmögliches Geschöpf kreierte : eine Katze, die gleichzeitig tot war und lebendig. Damit wollte er den absurden Charakter demonstrieren, solcherart zu denken. Die Anhänger der Kopenhagener Interpretation sagten ihm, er habe vollkommen recht , das Ergebnis sei so absurd wie paradox. Aber es stimmte.«

 

Erwin Schrödinger

12. August 1887 - 14. Januar 1961

Der österreichische Physiker Erwin Schrödinger erhielt für seine Forschungen im Bereich der Quantenmechanik den Nobelpreis, doch ist er heute vor allem weltweit für sein nach ihm benanntes Gedankenexperiment bekannt: Schrödingers Katze.

 

Pressestimmen zu Das blinde Licht

»Der Autor nimmt sich nichts Geringeres vor, als die Grundlagen moderner Physik und Chemie, von der Relativiätstheorie bis zum Bau der Atombombe, nicht zu erklären, sondern zu erzählen. Das gelingt ihm so gut, dass man das Buch mit Bedauern aus der Hand legt, weil es spannender ist als jeder Tatort-Krimi.«

Hans Christoph Buch, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Labatut dringt ins Herz einer Wirklichkeit vor, die nur wenige vor ihm so gesehen – und keiner vor ihm so beschrieben hat. Ein Buch von furchteinflößender Schönheit.«

Wolfram Eilenberger

»Das blinde Licht wird sicher als eines der besten Bücher aus der Corona-Zeit in Erinnerung bleiben.«

Tobias Wenzel, NDR Kultur

»Labatuts Erzählungen entwickeln daher eine starke Sogwirkung. Wie im Rausch muss das Buch geradezu verschlungen werden.«

Thorsten Schulte, literaturkritik.de
»Das erste Buch auf Deutsch von einem virtuosen Neuling ...«
Cornelia Zetzsche, Bayern 2

»In einer genialen Mischung aus Essay und Erzählung erzählt Benjamin Labatut von Grenzüberschreitungen in der Wissenschaft, bei denen Verstand oder Realität auf der Strecke blieben. Dem Schriftsteller gelingt eine betörende Nähe zu seinen Protagonisten.«

Gerrit Stratmann, Deutschlandfunk Kultur

»Schwungvoll und unterhaltsam führt Benjamin Labatut also entlang zunehmend kurioser wirkender Lebenswege und anhand mitunter seltsamer Entdeckungen prominenter wie auch weniger bekannter Persönlichkeiten durch seinen Roman ...«

Doris Krestan, sandammeer.at

»Labatut rüttelt seine Leserinnen und Leser nicht nur auf und beschenkt sie mit denkwürdigen Bildern, er pflanzt ihnen auch die unbedingte Notwendigkeit ein, alles zu lesen, was er noch schreiben wird – und zwar so schnell wie möglich.«

La Tercera

»Ein sehr bemerkenswertes Buch, das vom Glanz der Wissenschaft erzählt, aber auch von deren Abgründen und sehr zerrissenen Menschen!«

Herbert Pardatscher-Bestle, Bücherrundschau

Kommentare zu Das blinde Licht

(2)
»Wir alle kennen Schrödingers Katze und Heisenbergs Unschärferelation ... aber noch nie wurde die unglaubliche Verwegenheit, der schiere Wahnsinn dieser Ideen und Denker so anschaulich und erschreckend vermittelt wie in diesem kurzen, monströsen und brillanten Buch.«
Philip Pullman, 12.06.2020
»Absolut genial! Ich war völlig gefesselt von Das blinde Licht und habe es verschlungen. Benjamín Labatut hat ein ganz neues Genre erfunden.«
Mark Haddon, 12.06.2020
 
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot

D: 22,00 €
A: 22,70 €
CH: 31,50 sFr

Erschienen: 09.03.2020
Gebunden, 187 Seiten
ISBN: 978-3-518-42922-8
Auch als eBook erhältlich

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