Mein Leben als Noiseband – die Playlist zum Buch

Beitrag zu <em>Mein Leben als Noiseband</em> – die Playlist zum Buch
Clemens J. Setz ist einer der eigenwilligsten Gegenwartsliteraten des deutschsprachigen Raums. Sein neues Buch Mein Leben als Noiseband versammelt neue Erzählungen des Büchner-Preisträgers über Einzelgänger, Außenseiter und Menschen, die im Stillen leiden. Mit so präzisen wie poetischen Alltagsbeobachtungen führen sie uns durch verschobene Realitäten, in denen das Vertraute, das Groteske und das Obsessive umeinander kreisen. Gewalt und Einsamkeit stehen neben Momenten unkonventioneller Zärtlichkeit sowie der Sehnsucht nach Nähe und Verbundenheit.

Noise ist ein Musikgenre und eine Kunstform, die sich seit den 1970er-Jahren entwickelt hat und Räume zwischen Konzert und Experiment bespielt. Mit Geräuschen, Verzerrungen, Feedback und extremen Lautstärken wird Lärm selbst zum musikalischen Material und schafft ein intensives, oft verstörendes Hörerlebnis. Die titelgebende Erzählung des Bandes Mein Leben als Noiseband folgt einem jungen Mann, der sich in der Grazer Noise-Musikszene zu verorten sucht und dabei grundlegende Fragen über Zugehörigkeit, Scheitern und künstlerische Identität aufwirft.

Neue Erzählungen des Büchner-Preisträgers

Pauls Sprache ist Noise: monströs dahertosende Tracks, auf denen er mit verzerrter Stimme seine Verzweiflung hinausschreit. Abseits der Bühne herrscht Leere, niemand scheint ihn und seine Lyrics zu verstehen, sein Leben verbringt er weitgehend allein. Bis auf Mark, der Teil der Band ist, sich aber mehr und mehr zurückzieht – und bis Paul nach einem Konzert Annika kennenlernt. Sie teilt seine Faszination für Noisebands wie Hanatarash oder Atrax Morgue, und Paul verliebt sich übergangslos in sie. Als sie ein Kind bekommen, lässt sein Druck nach, alles in mörderisch lauter Musik auszudrücken. Doch was bleibt jetzt noch von seiner Kunst? Und wieso ist Mark endgültig abgetaucht?

Mit ungewohnter Zärtlichkeit schreibt Clemens J. Setz neue, aufregende Erzählungen aus dem Backstagebereich des Lebens – mit und ohne Ausgang.

»Paul fühlte große Erleichterung. Er war sich nicht sicher gewesen, gerade was das erste Lied anging. Er begann, Annika zu erklären, was Noise allgemein für ihn bedeutete. Es sei so wie ein Wasserfall, der das geradlinige Fließen eines Baches einfach kurzerhand in gewaltiges Getöse umbog. Genau das tue Noisemusik auch, aber eben nicht mit Wasser, sondern mit dem Gesamtverlauf einer Kultur. Hier sind eure Geräusche, sagt sie, hört doch mal, und so klingen sie, wenn sie METERHOCH auf euch zu rasen. Nach dem Wasserfall geht es dann wieder normal geradlinig weiter, der Bach wurde ja nicht zerstört, bloß für kurze Zeit extrem hör- und sichtbar gemacht, durch die Wall of Noise, die musiklose Musik.«

Aus der titelgebenden Erzählung Mein Leben als Noiseband von Clemens J. Setz

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Setz – Playlist Noise

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Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik und Germanistik studierte. Heute lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter als Übersetzer und freier Schriftsteller in Wien. 2011 wurde er für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Sein Roman Indigo stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und wurde mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2013 prämiert. 2014 erschien sein erster Gedichtband Die Vogelstraußtrompete. Für seinen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre erhielt Setz den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2015. Mit drei seiner Stücke war Setz bei den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Zuletzt 2023 mit Der...

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Zuletzt aktualisiert am 20.08.2026