USA & Literatur – Suhrkamp espresso #28

Die Vereinigten Staaten von Amerika wirken heute weniger vereint denn je – der Ruf als Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist längst passé. Doch auch die Vergangenheit des Landes ist durchzogen vom Ringen um den richtigen Weg, der alle diejenigen vereint, die seine Geschichte mitgestaltet, sich für das Land eingesetzt und auch gelitten haben. Welche Auswirkungen hat die bewegte Geschichte des Landes auf unsere Gegenwart? Und wie stellt sich dies in der Literatur dar?

Die Topeka Schule von Ben Lerner ist die Geschichte einer amerikanischen Familie um die Jahrtausendwende: Die Geschichte eines Jungen, der in der Spannung zwischen dem Streben nach sozialer Anerkennung und den Zweifeln an alltäglichen Männlichkeitsritualen erwachsen wird; die Geschichte eines Vaters, der seine Ehe verrät; die Geschichte einer Mutter, die sich fragt, wie man einen Sohn in einer Kultur toxischer Männlichkeit großziehen soll.

Maya Angelou, die Ikone der afroamerikanischen Literatur, erzählt in ihrem siebenteiligen Memoir ihre bewegte Lebensgeschichte und gibt einen Einblick in ihr Leben als Schwarze Frau in Amerika. Die ersten beiden Bände Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt und Was für immer mir gehört sind bereits auf Deutsch erschienen.

Für sein Buch Und auf einmal diese Stille hat Garrett M. Graff über 500 Interviews, Dokumente, Telefonmitschnitte und Funksprüche ausgewählt und sie zu einer Oral History des wohl einschneidendsten Tags der jüngeren Geschichte zusammengesetzt: Minute für Minute rekonstruiert er die Ereignisse des 11. September 2001 und macht den Tag und macht den Tag somit aus der Sicht jener erfahrbar, die es unmittelbar und vor Ort erlebt haben.

In ihrem Buch Citizen, das 2018 bei Spector Books erschien, erzählt die US-amerikanische Autorin Claudia Rankine von Formen rassistischer Aggression im Alltag und in den Medien.