Borbély, Hafner und Ein neuer Divan sind Lyrik-Empfehlungen 2020

09.03.2020

Szilárd Borbélys Berlin Hamlet, Fabjan Hafners Erste und letzte Gedichte und Barbara Schwepckes und Bill Swainsons (Hg.) Ein neuer Divan gehören zu den Lyrik-Empfehlungen des Jahres 2020. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Stiftung Lyrik Kabinett und das Haus für Poesie präsentieren in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband und dem Deutschen Literaturfonds einmal jährlich eine Empfehlungsliste von Neuerscheinungen deutschsprachiger Lyrik und ins Deutsche übersetzter Lyrik. Zehn Kritiker, Lyriker und Vertreter literarischer Institutionen haben dafür jeweils einen deutschsprachigen Lyrikband benannt, den sie besonders empfehlen.

»Selbstbewusst nimmt der ungarische Dichter und Denker Szilárd Borbély, der sich 2014 das Leben nahm, seinen Platz in der Kette derer ein, die Poesie als bewusste Fortsetzung einer uralten Welt- und Seelenerkundung verstehen. ... Ein Buch, mit dem man nicht an ein Ende kommt.«, begründet der Lyriker und Autor Michael Krüger seine Empfehlung für Berlin Hamlet.

Erste und letzte Gedichte des Kärntner Slowenen Fabjan Hafner liegen in einer Übersetzung des Nobelpreisträgers Peter Handke vor. Vor seinem Tod 2016, hatte er seine Werke selbst ins Deutsche übertragen. »... Hafner, der 2016 noch nicht fünfzigjährig aus dem Leben schied, hat es früh, als Teenager schon, mit dem Schmerz und der Dunkelheit aufgenommen, ohne die die Schönheit für ihn nicht zu haben war. Keine Pose der Ausgesetztheit findet sich hier, kein ›Lyrikspiel‹, sondern der Ernst der letzten Dinge ...«, schreibt die Literaturwissenschaftlerin un Kritikerin Daniela Strigl in ihrer Empfehlung.

Ein neuer Divan ist das große, an Goethes Divan angelehnte Projekt, an dem 24 Lyrikerinnen und Lyriker, je zwölf aus dem ›Westen‹ und aus dem ›Osten‹, mitgewirkt haben. Die Gedichte in ihren Muttersprachen wurden von einer Reihe deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, darunter Nora Bossong, Elke Erb, Marion Poschmann, Monika Rinck und Lutz Seiler, ins Deutsche übertragen oder vielmehr: nachgedichtet. Laut der empfehlenden Literatur- und Musikkritikerin Kristina Maidt-Zinke »...bezeugt diese vielstimmige Anthologie in elf Sprachen die grenzüberwindende Kraft der Poesie, die Horizonte sprengen kann.« Herausgegeben wurde Ein neuer Divan von Barbara Schwepcke und Bill Swainson.