Marcel Beyer erhält den Lessing-Preis 2019

29.09.2018

Der Lyriker, Erzähler und Romancier, Hörspiel-Autor und Opern-Librettist, Essayist und Herausgeber Marcel Beyer erhält den mit 13.000 Euro dotierten Lessing-Preis des Freistaates Sachsen 2019. Die beiden mit je 5.500 Euro dotierten Förderpreise gehen an Anja Kampmann und Bettina Wilpert.

Mit dem Lessing-Preis zeichnet der Freistaat Sachsen Persönlichkeiten aus, deren Werk in der von Lessing geprägten geistigen Tradition steht und die für die deutschsprachige Literatur oder das deutschsprachige Theater Herausragendes geleistet haben. Die Preisträger wählte ein Kuratorium von Fachleuten unter Vorsitz von Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange aus. Die Preise werden am 19. Januar 2019 in Kamenz im Rahmen der 52. Lessingtage an die drei Preisträger feierlich übergeben.

Marcel Beyer, 1965 in Tailfingen (Baden-Württemberg) geboren und seit 1996 in Dresden lebend, ist ein produktiver Schriftsteller, der sich in den verschiedensten Genres so erfolgreich profiliert hat, dass ihm 2016 als höchste literarische Auszeichnung der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde. Sein wohl erfolgreichster, in Dresden spielender Roman Kaltenburg (2008) wurde zu Recht dafür gerühmt, dass sich Beyer in einer Prosa feinster Andeutungen als meisterhafter Beobachter menschlicher Lebensläufe erweist, in denen deutsche Geschichte sichtbar wird. Dieses literarische Prestige hinderte Beyer nicht, in jüngster Zeit Karl Jaspers‘ Frage vom November 1931 nach der geistigen Situation der Zeit aufzunehmen und angesichts aktueller Gefährdungen so prinzipiell wie leidenschaftlich zu fragen: »An welcher letzten Grenze kommt das Menschliche abhanden?« Wenn Goethe in seinen letzten Lebensjahren forderte: »Ein Mann wie Lessing täte uns not«, so vermag kaum ein Schriftsteller unserer Zeit dieser Mahnung so zu entsprechen wie Marcel Beyer, so in der Begründung der Jury.

Im Suhrkamp Verlag erschien von Marcel Beyer zuletzt Das blindgeweinte Jahrhundert.