Hg.: Corinne Orlowski
Vor dem Palast - Gespräche über Einar Schleef

Leseprobe » Bestellen »


D: 24,00 €
A: 24,70 €
CH: 34,50 sFr

Erschienen: 14.01.2019
Taschenbuch, 370 Seiten
ISBN: 978-3-518-42871-9

Inhalt

»Was hat man uns da heute auf die Türschwelle gelegt? Das bewegt sich ja noch! Das tropft!«
Elfriede Jelinek, Ein Sportstück

»Der Ort vor dem Palast ist der Ort der Transformation, des Figurwerdens, des Tragödiewerdens, er ist der eigentliche Ort des Theaters«, sagt die Theaterwissenschaftlerin Ulrike Haß im Gespräch. Dort, inszenierend und über das Theater schreibend (Droge Faust Parsifal), hat sich der Theatermann Schleef aufgehalten. Von dort aus hat er operiert. Aber wer war Einar Schleef (1944-2001)?

Die Gespräche dieses Bandes kreisen die kontroverse Ausnahmeerscheinung und das Werk dieses Künstlers ein, der Regisseur, Autor, Maler, Darsteller, Filmer und Fotograf in einer Person war. Die Herausgeberin fragt: Was machte ihn aus? Welche Entdeckungen sind in den künstlerischen Disziplinen, die er beherrschte, zu machen? Was an den Erkenntnissen, Thesen, Provokationen  und Demonstrationen, die Einar Schleefs Arbeiten bereithalten, verlangt danach, vorgezeigt und diskutiert, verwandelt und weitergegeben zu werden? Wo steht das Theater heute? Wie geht es weiter?

Mit der Herausgeberin gesprochen haben: Sebastian Baumgarten, Bibiana Beglau, Jakob Fedler, Michael Freitag (über den Maler), Christine Groß, Ulrike Haß, Carl Hegemann, Regine Herrmann (über den Fotografen), Jürgen Holtz, Elfriede Jelinek, Wolfram Koch, Thomas Köck, Hans-Ulrich Müller-Schwefe (über den Autor), Armin Petras, Claus Peymann, Günther Rühle, Ulrich Rasche, Hans-Jürgen Syberberg, Heiner Sylvester (über den Filmer), Rita Thiele, Susan Todd, Martin Wuttke.

75. Geburtstag von Einar Schleef am 17. Januar 2019

Pressestimmen

»Ein erhellendes, kurzweiliges Buch.«

K.C., Profil

»Das Buch ist ein mustergültiges Beispiel für Theatergeschichte als oral history, in der Erfahrungen und Ansichten zusammengetragen werden, die anderweitig kaum festgehalten wurden und noch nicht in eine zusammenfassende Untersuchung eingegangen sind, denn die gibt es im Fall Schleefs noch nicht.«

Thomas Irmer, Theater der Zeit März 2019

Nachrichten

Kommentare

»Ich habe ›Berlin ein Meer des Friedens‹ auf der Werkstatt-Bühne des Schiller Theaters inszeniert. Premiere im Dezember 1985 – damals unter der umstrittenen Intendanz von Heribert Sasse – die Unterlegung dieser Zeit mit ihren dünnflüssigen Vergiftungen erspare ich mir. Sagen will ich nur an dieser Stelle: Dass von den Proben ein Protokoll existiert, dass es Fotos gibt, dass ich mit Einar Schleef zur Vorbereitung dieser Inszenierung vier Treffen hatte - sogar ein langes Gespräch in seinem Haus in Berlin-Westend zum Thema Tod und Arbeit auf der Bühne ... Das Magazin ›Tip‹ schrieb damals im Heft zwei/1986: ›Einar Schleefs Text wird von Ingrid Ernst nicht schadenfroh als exotisches Küchenspektakel aus einer freudlosen Ostwelt ausgeschlachtet. Es ist zwar ein Text über das Leben drüben. Aber nicht ein Wort dieses dumpfen Stoßgebetes bleibt unübersetzt in die westliche Realität ... Keine Rezepte, keine rettenden Einsichten. Nur Elend pur, packend und rücksichtslos auf die Bühne gebracht, ohne den üblichen platten Folklorismus. Kein metaphysisches, viel schlimmer alltägliches Elend. Die Hölle sind wir, mit starrem Blick auf den Fernseher. Diese Wahrheit ist auch hierzulande ein Wagnis - für das Theater und die Zuschauer.‹ (Wolfgang Brenner) - Erwähnen will ich noch, dass das Schlussbild von einem Haufen rostiger Buchstaben des Schillertheaters bestimmt wurde. Großformatige Lettern, die zu diesem Zeitpunkt von ihrem Platz über der Eingangshalle des Theaters zur Bearbeitung und Auffrischung abgebaut waren und gänzlich verloren im Hof des Theaters herumlagen. Rückblickend deutete dies damals schon das nahende Ende des Schillertheaters an. Und für mich in der Erinnerung Ausdruck eines künstlerischen Instinkts, der bei dem hervorgerufen wurde, der mit Texten Einar Schleefs intensiv arbeitet.
Ingrid Lucia Ernst (Regisseurin, Dramaturgin, Autorin)«
Ingrid Lucia Ernst, 10.01.2019

Kommentieren