Cornelia Funke über Emma glaubt nicht an Feen
Ob Tintenherz, Drachenreiter, Herr der Diebe oder Die Wilden Hühner – Cornelia Funkes legendäre Kinder- und Jugendbücher öffnen jungen Leser:innen die Türen zu anderen Welten, besonderen Freundschaften und neuen Perspektiven. In Emma glaubt nicht an Feen, dem Auftakt ihrer neuen Kinderbuchreihe, erzählt die Bestsellerautorin von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Mädchen und den Feen einer verborgenen Welt. Die fantasievolle Geschichte über Zusammenhalt, Natur- und Umweltschutz wurde von Elias Linnekuhl illustriert. In unserem Interview spricht Cornelia Funke über die Entstehung von Emma glaubt nicht an Feen.
Das neue Kinderbuch von Cornelia Funke

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Die elfjährige Emma ist am liebsten draußen und beobachtet Tiere im Park nebenan. Auf einem ihrer Streifzüge folgt sie einem merkwürdigen Insekt bis tief hinein in ein Brombeerdickicht. Emma staunt nicht schlecht, als sie sich plötzlich auf einer blumenbestandenen Lichtung wiederfindet. Im nächsten Moment stellt sie mit Entsetzen fest, dass sie auf die Größe einer Maus geschrumpft ist! Sind die über ihr flatternden Flügelwesen etwa Feen? Tatsächlich! Und sie sind furchtbar wütend darüber, dass ihre geheime Welt von einem Menschen entdeckt wurde. Allein die Distel-, die Löwenzahn- und Glockenblumenfee sind bereit, Emma zu helfen. Dabei ist nicht nur Emma in Gefahr, auch das geheime Land der Feen ist in seiner Existenz bedroht. Wird es Emma und den Saat-Feen gelingen, diese wunderbare Welt zu schützen? Empfohlen für Kinder ab 7 Jahren.
Cornelia Funke, wie ist Emma glaubt nicht an Feen zu Ihnen gekommen? Stand zuerst die naturverbundene, aber skeptische Emma im Raum – oder die Idee einer geheimen Feenwelt mitten in der Natur?
Emma kam eigentlich zuerst. Obwohl ich auch über eine Geschichte nachgedacht habe, in der gar keine Menschen vorkamen.
Die elfjährige Emma möchte partout nicht an Feen glauben – und begegnet ihnen dann doch. Was hat Sie an diesem Widerspruch gereizt?
Ich wollte ein Kind zeigen, das sehr interessiert an der Natur ist und einiges weiß, aber doch gefangen in unserem westlichen Denken, dass Menschen letztlich die Erforschenden sind und die, die auf diesem Planeten entscheiden, wo es hingeht. Wir alle ertappen uns doch oft bei diesen Gedanken, denn sie wurden uns von Kindheit an beigebracht. Wir sind die Krone der Schöpfung – selbst wenn wir uns bisweilen sehr schlecht benehmen. Seit der Aufklärung sprechen wir allen anderen sogar ab, dass sie Gefühle und Schmerz kennen oder die Welt vielleicht einfach nur anders begreifen als wir. Sogar ohne Hirn, wie inzwischen viele Lebensformen beweisen.
Die Feen in Ihrem neuen Kinderbuch sind keine klassischen niedlichen Zauberwesen. Sie wirken zunächst wütend und etwas bedrohlich – ihr Reich ist in seiner Existenz gefährdet. Was hat Sie zu dieser Interpretation der Feenwelt bewogen?
Viele indigene Gemeinschaften respektieren das Netzwerk des Lebens, indem sie nehmen und geben. Sie erlauben nur eine begrenzte Anzahl von Tieren, die bei der Jagd getötet werden dürfen, ernten maßvoll, glauben an den Erhalt eines Kreislaufes, der alle ernährt. Wir haben uns sehr weit von dieser Einstellung entfernt. Für uns haben weder Pflanzen noch Tiere Rechte, und wir haben keine Pflichten ihnen gegenüber. Wir verdinglichen die Welt und leugnen all das Leben in ihr. Also natürlich kam der Zorn so ganz von selbst in die Geschichte, denn wie soll er nicht da sein? Die Feen, denen Emma begegnet, sind keine kleinen geflügelten Menschen, die sich ebenso verhalten wie wir. Sie sind Pflanzen verwandter als uns und auf ihrer Seite, nicht der unseren.
Die Feenwelt wird von Distel-, Löwenzahn- und Glockenblumenfeen bewohnt. Wie sind diese Figuren entstanden, und wie hat sich Ihre Vorstellung von ihnen im Zusammenspiel mit den Illustrationen von Elias Linnekuhl entwickelt?
Meine Geschichten finden mich. Ich glaube nie, dass ich sie erfinde. :) Und sie sind oft inspiriert von dem, was mich in meinem Alltag umgibt. Disteln, Löwenzahn, Glockenblumen ... Ich teile den Hügel, auf dem ich lebe, mit ihnen. Da war es naheliegend, Feen zwischen ihnen zu entdecken. Ich habe früh Skizzen von ihnen gemacht. Aber Elias Linnekuhl ist ein so wunderbarer Illustrator, dass ich sie ihm nur gezeigt, aber es ihm überlassen habe, die Figuren auf seine ganz eigene Art zu interpretieren.
Das Buch handelt vom Schutz der Natur und davon, wie kostbar selbst das Kleine und Übersehene ist. Wie lässt sich Kindern von Bedrohung erzählen, ohne das Hoffnungsvolle aus dem Blick zu verlieren?
Unsere Kinder werden nur beschützen, was sie lieben. Ich hoffe, dass sie mit Emma den Zauber entdecken, mit dem diese Welt uns in so vielen Formen und durch so viele Lebewesen umgibt. Und dann dafür kämpfen, dass er nicht verloren geht.
Ihre Bücher werden weltweit gelesen – von Kindern ebenso wie von Erwachsenen, die mit Ihren Geschichten groß geworden sind. Wenn Emma ihren Leser:innen nach der Lektüre eine Sache mitgeben könnte, welche wäre das?
Augen und Ohren auf. Und in jedem Moment und jedem Winkel dieser Welt die Vielfalt des Lebens entdecken.
Emma kam eigentlich zuerst. Obwohl ich auch über eine Geschichte nachgedacht habe, in der gar keine Menschen vorkamen.
Die elfjährige Emma möchte partout nicht an Feen glauben – und begegnet ihnen dann doch. Was hat Sie an diesem Widerspruch gereizt?
Ich wollte ein Kind zeigen, das sehr interessiert an der Natur ist und einiges weiß, aber doch gefangen in unserem westlichen Denken, dass Menschen letztlich die Erforschenden sind und die, die auf diesem Planeten entscheiden, wo es hingeht. Wir alle ertappen uns doch oft bei diesen Gedanken, denn sie wurden uns von Kindheit an beigebracht. Wir sind die Krone der Schöpfung – selbst wenn wir uns bisweilen sehr schlecht benehmen. Seit der Aufklärung sprechen wir allen anderen sogar ab, dass sie Gefühle und Schmerz kennen oder die Welt vielleicht einfach nur anders begreifen als wir. Sogar ohne Hirn, wie inzwischen viele Lebensformen beweisen.
Die Feen in Ihrem neuen Kinderbuch sind keine klassischen niedlichen Zauberwesen. Sie wirken zunächst wütend und etwas bedrohlich – ihr Reich ist in seiner Existenz gefährdet. Was hat Sie zu dieser Interpretation der Feenwelt bewogen?
Viele indigene Gemeinschaften respektieren das Netzwerk des Lebens, indem sie nehmen und geben. Sie erlauben nur eine begrenzte Anzahl von Tieren, die bei der Jagd getötet werden dürfen, ernten maßvoll, glauben an den Erhalt eines Kreislaufes, der alle ernährt. Wir haben uns sehr weit von dieser Einstellung entfernt. Für uns haben weder Pflanzen noch Tiere Rechte, und wir haben keine Pflichten ihnen gegenüber. Wir verdinglichen die Welt und leugnen all das Leben in ihr. Also natürlich kam der Zorn so ganz von selbst in die Geschichte, denn wie soll er nicht da sein? Die Feen, denen Emma begegnet, sind keine kleinen geflügelten Menschen, die sich ebenso verhalten wie wir. Sie sind Pflanzen verwandter als uns und auf ihrer Seite, nicht der unseren.
Die Feenwelt wird von Distel-, Löwenzahn- und Glockenblumenfeen bewohnt. Wie sind diese Figuren entstanden, und wie hat sich Ihre Vorstellung von ihnen im Zusammenspiel mit den Illustrationen von Elias Linnekuhl entwickelt?
Meine Geschichten finden mich. Ich glaube nie, dass ich sie erfinde. :) Und sie sind oft inspiriert von dem, was mich in meinem Alltag umgibt. Disteln, Löwenzahn, Glockenblumen ... Ich teile den Hügel, auf dem ich lebe, mit ihnen. Da war es naheliegend, Feen zwischen ihnen zu entdecken. Ich habe früh Skizzen von ihnen gemacht. Aber Elias Linnekuhl ist ein so wunderbarer Illustrator, dass ich sie ihm nur gezeigt, aber es ihm überlassen habe, die Figuren auf seine ganz eigene Art zu interpretieren.
Das Buch handelt vom Schutz der Natur und davon, wie kostbar selbst das Kleine und Übersehene ist. Wie lässt sich Kindern von Bedrohung erzählen, ohne das Hoffnungsvolle aus dem Blick zu verlieren?
Unsere Kinder werden nur beschützen, was sie lieben. Ich hoffe, dass sie mit Emma den Zauber entdecken, mit dem diese Welt uns in so vielen Formen und durch so viele Lebewesen umgibt. Und dann dafür kämpfen, dass er nicht verloren geht.
Ihre Bücher werden weltweit gelesen – von Kindern ebenso wie von Erwachsenen, die mit Ihren Geschichten groß geworden sind. Wenn Emma ihren Leser:innen nach der Lektüre eine Sache mitgeben könnte, welche wäre das?
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